f ^,- Der gogomvintigo StaiKlpiiiikt .in- MYCOLO(;iK mit Kiii'ksiclit auf die Lehre von iefl iDfeclioiis-KraDklieilßü von I Dr. Eduard Eidam. Z\v«'il<' voilsliiiidiii' umgearbeitete uikI venm'lirh' Aull.'iu«* Mit 72 Ilol/.scliniUcii. Berlin 1872. Verla;; von 11. IC. Oliven. Lriui.scnsCra.sic 4.'». Der gegenAvärtige Standpunkt der MYCOLOGIE mit Rücksicht auf die Lehre von den Infections-Krankkiten Dr. Eduard Eidam. Y Zweite vollständig umgearbeitete und vernidirt.- Auflage. Mit 72 Holzschnitten. Berlin 1872. Verlag vun II. K. Oliven. Louiscnstrassc 4.'i. /57 Das Keclit der L'cbersetzuiig ist vurbehalteii. Herrn Dr. Moritz liöviiiNoii in aufrichtiger Vereliruncj gewidmet Verfftfaser Vorwort zur ersten Auflage. Kein Zweig der medicinischen Forschung hat die Neuzeit mit einer umfangi-eicheren Literatur versehen, als die Lehre Non d.'ii Infcr- tionskrankheiten. Sie bildet eine der brenueudsten Ta-fsfni-i-n; und doch, da über die Ursaclien dieser Kraiiliiiciten die vfr»rliic- densten Hypothesen aufgestellt und wieder verwarfen worden sind. ist bis heute Niemand im Stande, eine allseitig befriedigende Kr- klärung wissenschaftlich zu begründen. Vielfache Forschungen haben jedoch mit nicht /.u uiiterscli;it/.en- der Wahrscheinlichkeit darauf hingewiesen, dass zunaclisi jfiie .so überaus schwer zu bestimmende Familie der sogenannten Srhizo- myceten, welche an der Grenze vom riiier- und rflanzenreirli steht. und manche genera aus der grossen Familii- s g.-word«'n. Der medicinisch-aetiologische Verein zur Krforsrliiin;: und Ver- nichtung von Krankheitsursaclien in ISerliu hatte n:irli einer in mehreren Sitzungen fortgesetzten Verhandlung ül>er diesen tn-p-n- stand beschlossen, eine Darstellung des gegenwärtigen Standpunkt.-. veröffentlichen zu lassen und deshalb veranlasst.- mi.-li d.-r Serre- tair des Vereins, Herr Dr. Lövinson. mit dem irh s.:it lun;:.-r-r /.^ii mikroskopische Untersuchungen ül)er die Natur r. Lövinson für die fortgesetzt dargebotene Gelegenheit, mit ihm Beobachtungen bei Kranken und lOxperimente an Thieren vorzunehmen. ich |<;inn iliese zweite Auflage als eine in jeder HinsicJit vcr- nudirte iiinl verbesserte, sowie namentlich durch die beigefügten Holzschnitte wesenllii'li l)ereicherte he/.ciclincn und ich wünsche, dass sie si. XV. Untersuchungen von Karsten ülter Hefe und Bacterien etc ' ' XVI. Die Bacterien und ihre Bczichumicn zu nienst h- lichen Intectionskrankheitin . . XVII. Die Anschauungen von Bonorden XVIII. Schlussbemerkuiigcn -i'- XIX. Erklärung der in «b-r .My.ologie gebriiurhlirli.'ii Ausdrücke *■2^••• XX. Anhang. Beschreibung einiger der am nifi-fen verbreiteten Schinniielpilze . . XXI. Register ,' -'<•'' ü ru cklehler. Seite 38; Erklärung der Figur Zeile 3 lies Mycel statt Myal. „ 69', Zeile 10 v. oben lies Proin y ccl iiim statt Promeliuin. „ 161; unterste Zeile lies bekannten statt bckannnten. ., 168; Erklärung der Figur Zeile 4 und 5 lies Uidium und des statt Oidium des. „ 199; Zeile 17 v oben lies Forscher statt Foreber. „ 207; Zeile 4 v. unten lies Suringar statt Suringer Einlcitunü:. Uenige Jahrzehnte sind vergangen, seitdem es gelungen ist, mit Hülfe verbesserter Mikroskope die Anatomie und Physio- logie der Pflanzen und Thiere auf einen erhöhten Standpunkt zu fördern. Ueberblicken wir die Resultate der iieutigen For- schung, so müssen wir erstaunen, welch' eine Fülle von That- sachen an's Licht gebracht worden ist. Mit regem Kifor be- mühen sich überall die Naturforscher, unrichtige Ansichten zu verbessern, und das Gebiet unserer Kenntnisse zu erwi'itfrn. Dabei tauchen aber manche Streitfragen auf, deren Lösung zu unausgesetzter Thätigkeit auffordert. Solche Streitfragen machen sich besonders bei jenen Untor- suchungen geltend, bei welchen wegen der Kleinheit der Or;;a- nismen und der Schwierigkeit ihrer Beobachtung selbst die Hülfe, welche uns unsere heutigen Mikroskope gewähren, bei- nahe unzureichend ist. So wird es oft schwer, auf dem (lebieto des nach unserer menschlichen Auffassung und .systematisclw-n Eintheilung, niedersten Thier- und Ptlanzenlcbens ein«' scharf«' Grenze zu ziehen. Denn, wenn wir auch h'icht höhere IMlanzcn und Thiere von einander zu trennen im Stande sind, so f^elieii doch, je tiefer wir hinabsteigen, die Unterschiede zwisch. 489. Anatomie u. Physiol. d. Pfl. Pesth 1866. Ilofmoistcr, W., Handb. d. pbysiol. Bot. I. Die Lehre von der Pfl. Zelle, Leipz. 1867. Pringsheim, Untere. Ober d. Bau u. d. Bild. d. Pfl. Zelle. Berlin 1854. Dippel, L. Bcitr. zur vcgetab. Zellbild., Leipz, 1858. Zclltheii. b. Ulotlir. zon. und Entstell, clor wundstlndig. Prntoj)!. Strömch. in d. Pfl. Zellen, Aus il Abbundl. li. naturforsdi. (iesellsch. z. Halle. Halle 1807. Sachs, J., Handbuch d. Kxpchuicntal-Phybiol. d. Pfl. Leipz 1865. Die frisch entstandono ZoHmomlnan ist anfangn r.ari, vollständig gleichartig und durchsichtig, allmählich orhüri«'! sie zu einer im Wasser unlöslichen allsi'iti:: dio junu'«" 7.''\\<* umgebenden Hülle. Sie best<*ht aus Cfilulosi- uml ist <'ino stickstoft'freie Ausscheidung dos Prottiplasnias, rt-sp. di's Pri- mordialschlauches, der äussersten Ilautschicht dossidhon. \)u> primäre Membran ist immer homogen, ohn»' KöcIht o\i-u vermittelt. Die Zellhaut wächst stets diinli Intiissuscoption. durch fortgesetzte Ablagerung neuer .Moleküle zwischen die bireiiH gebildeten; die Zelle selbst wird dunh die AusdehniinK der Membran immer mehr vergröss'-rt. Di-' chf'mischen Kiucn- schaften der Zellhäute mit ihren V.-rdickunc^n krtnn'-n in ihrer ganzen Masse durchaus gleichartige H^-in: bej jug-nd- lichen Membranen, ist dies gewöhnliHt.n Theil der ganzen Zelle ausmacht. So ist er bfsnnd. man ihn nur mit Schwierigkeit unterscheid. -n kann. Kr be- findet sich entweder im Centrum der Zelle, oder seitlirh an der Wand derselben. Im ersteren Falle geh«'n vom wand- ständigen Protoplasma Stränge an den Z«'llk.-rn. In ihm findet man häuHg, noch viele kleinere Körndi.'n. Kr %«t- 8 iiiohrt sich durch Thoilung und solche Theilungon j^ehen sehr häutig der BihUing neuer Zellen voraus, ein Vorgang, den man sehr schön an den centralen Zellkernen bei Spirogyra beobachten kann. (S. auch Fig. 1.) Der Zellkern ist als eine Absonderung des Protoplasmas, gleichsam als ein dich- teres Protoplasma, zu betrachten und die in ihm enthaltenen Kernkörperchen sind wohl desselben Ursprungs, und von noch grösserer Consistenz. Es tritt dies deutlich hervor in allen jenen Fällen, wo die Zellkerne selbstständig aus dem Protoplasma hervorgehen, z. B. im Embryosack der Phanc- rogamen. Hier beginnt die Bildung neuer Zellen im Plasma damit, dass einzelne Parthieen desselben in stärkerer Ver- dichtung, als Kerne, sich ausscheiden. Haustein beobachtete, dass der Zellkern sehr häufig cigenthümliche, ganz seibstständige Bewegungen zeigt, welche unabhängig von der Strömung des Protoplasmas sind und lebhaft an das unten zu erwähnende amöbenartige Kriechen der Plasmodien erinnern. Der Zellkern ist immer von einer mehr oder weniger dichten Hülle von Plasma umgeben und diese sowohl wie der Kern selbst und die in ihm befindlichen Kernkörperchen zeigen während dieser Bewegung eine fort- währende Gestaltenveränderung, während die den Zellkern mit dem peripherischen Wandbelag verbindenden Plasmabän- der dabei immer ganz strafl^" gespannt bleiben. Wälirend nun der Zellkern in den jungen Zellen so be- deutend überwiegt, tritt er in älteren Zellen immer mehr zurück, um endlich ganz zu verschwinden. Der wichtigste Bestandtiieil der Zt^lle, aus welchem alle andern gebildet werden, ist das Protoplasma. Dasselbe ist nls der eigentliche Lebenserreger der Zelle anzusehen. Es besitzt schleimig-körnige Consistenz und ist ein Gemenge V(m KiweissstoilVii mii Wasser und geringen Mineralbestand- thcilcn. Häufig enthält es auch Oeltröpfchen. Die der Zell- wand anliegende Schicht des Protoplasmas ist gewöhnlich von zäherer Consistenz; sie wurde von H. v. Mohl Primor- dinlschhiucli genannt. Derselbe entsteht durch unmittelbare l'.rhärtung der äussersten Theile des Plasmas; er lässt sich in allen lebensfähigen, besonders in jngendlichen Zellen leicht als äusserst zartes, homogenes Häutchen nachweisen, wenn man wasserentxiohonde Mittol, wio Zu(k<'il»>siin^'. .lod- .»«Iit Chlorzinkjodlösung auf sie einwirken lässt: «»s zieht sirh in solchem Falle das Plasma vollständig von «lor Zellm«'inhran zurück. Der Primordialschlauch ist sehr wichtig; fiir das Ldi'-n der Zelle, von ihm geht die Ahscheidung rschcidot ^ich von letzterer nur dadurch, dass sie keine cingchigerten kör- nigen Bildungen enthält, wodurch sie dann auch weit «hin li- sichtiger und fester wird und ein stärkcn's Liilitltrcrhiuinh- vermögen erlangt. Die Consistenz des Protoplasmas ist nun )•• nacli ind sehr schön an Haaren höherer Ptlanz'-n, innerhalb d-T Z'dbn von Vallisneria spiralis, sowie in d'-n rosenkranzfurmiRen Zellreihen der Staubfadenhaare von Tradescantia z» h.M.b- achten. Mannigfach ändern die Ki<-Iitungen der Prot..plai*m.i- strömchen ab; bald bleiben sie dieselben, bald k-hr-n m- nach einiger Zeit alle oder einzelne, von ilin-n in dl'- ent- gegengesetzten um. Dabei sind llauptbedinKunRen Hlr di" Protoplasmabewegung der Zutritt von Luft und ein bestimm- ter Temperaturgrad- Wird die Temperatur gcHteigert, «o wird 10 auch dio Boweijunü; onorgii^clKM'; im entgegengesetzten Fall wird sie vermindert, ja gänzlieli zum Stillstand gebracht. Das Protoplasma kommt auch ganz frei und ohne wahr- nehmbare Haut vor. Die Sporen der Myxomyceten, — der Schleimpilze, — z. B. entlassen aus ihrer Membran das Plasma, v^'clches in Gestalt von Schwärmern, mit Cilien versehen, frei hervortritt, durch Ausstülpen von Fortsätzen und Einziehen derselben sich fortbewegt und durch Vereinigung dieser Schwärmer entstehen die merkwürdigen Plasmodien, welche nach Art von Amöben auf dem Boden umherkriechen und erst später zur Sporenbildung mit einer festen Haut sich um- geben. Diese Plasmodien, welche nach Cienkowski aus einer hyalinen, schwerilüssigen Grundmasse und einer körnchenreichen, hauptsächlich die Bewegung vermittelnden Substanz zusammen- gesetzt sind, müssen als flüssige Entwicklungszustände der Schleimpilze angesehen werden. Jeder Tropfen Wasser, aus einem Teich oder einer Pfütze genommen, zeigt uns unter dem Mikroskop unzählige punktförmige Körperchen, die sich tanzend hin- und herixiwegen und reine Protoplasmaklümpchen ohne erkennbare Membran vorstellen. Ein grosser Tlieil dieser Gebilde wird unter dem unbestimmten Namen Monaden zusammengefasst. Diese Monaden werden von vielen Forschern unter die Infusorien gerechnet ; sie besitzen eine grosse Con- tracitilität ihres Körpers und zeigen oft scheinbar willkürliche Bewegungen. Ihre Entwicklung und ihre sonstigen Lebens- orschcinungen schliessen sie aber von den Thieren aus und sie scheinen zum grössten Theil besondere Zustände von niederen l^flanzen, namentlich von Pilzen oder Algen, darzustellen. Was die in neuerer Zeit so oft genannten Amöben oder \Vc( lisi'lthicM'chen betrifft, so sind dieselben der Klasse der |{hiz(»p(»den als nakte Foraminiferen einzureihen. Sic zeigen o'nut fortwährende langsame und allmäliliche Gestaltenver- änderung; ihr aus einem gallertartigen Klumpen bestehender Körper zieht sich bald kuglig zusammen, bald streckt er po- lypenartig verschieden gestaltete Arme hervor, welche nach einiger Zeit wieder verschwinden. Bekanntlich zeigen Blut-, Schleimkörperchen etc. ganz ähnliche Bewegungen, welche man daher auch mit denjiMiigen von Amöben verglielien und nach di'uselben benannt hat. 11 Man sieht also, dass das Protoplasma froi Mu-n kann und dass sich aus ihm ZelliMi hihlm köiuifn. Dii's«» Tlial- sache wird uns in Folgendom noch oft •■iit';cg.»ntr<'t<'ii: in auffallender Weise zeigen sie die ans dru Fort|)llanzungs/.<'ll»«n zahlreicher Pilze und Algen hervortretenden Si-JiNvärmspor.-n, welche im Moment des Ausschlüpfens völlig m»Mnhranl"s.- Protoplasmakörper vorstellen. Die an ihufn iK'lindli.li n Wimpern sind ebenfalls nichts als Fortsct/nngen d.-s Proto- plasmas oder vielmehr, nach A. Braun und hippi-l, dts Prinior- dialschlauches. Ueberhaupt verstehen diese Forscher, sowi»« Cohn, unter einer PHanzenzelle den Primordialschlauch liebst den von diesem eingeschlossenen Inhalt. Diti ('ellulosiMneni- bran sehen sie als ein Sekretionsprodukt au, wi-lcln« als blos sekundäre Bildung nicht wesentlich zum BcgrilV einer /«'IJe erforderlich sei. Was die Bewegungen der Schwärmsporen betrifft, >•• werden sie nach Hofmeister dadurcii vermittelt, dass die Cilien abwechselnd schraubenartige Torsionen erb'iden und darauf nach dem Aufhören dieser Verkürzungen sich wieder in gerader Richtung ausstrecken. Diese Be\vegun.ren der Cilien haben aber auch eine fortwährende Drehung des Körpers der Schwärmsporen selbst zur Folge. Die auffallenden Formwandluugen des Protoplasnias sucht Hofmeister durch eine besondere Hypothese, zu erklären. Kr sagt, dass nach allen seinen merkwürdii^en Kigensehaflen das Protoplasma eine ganz bestimmte organische Struktur be- sitzen müsse, welche wir jedoch mit den uns zu Cieboto sto- henden Hülfsmitteln nicht zu erkennen im Stande sind. Kh scheinen in ihm Theile vorhanden zu sein, welche eine peri«»- disch wechselnde Aufnahmsfähigkeit für Wasser bosit/en. Wenn nun die in einer Pvichtung liegenden .Mob'knb- d'< riannian imbibitionsfähiger sind als diejenigen in anderer Kiebtunu. ?"» werden sich die ersteren natürlieh ausdehnen, es wird fin^i Veränderung des gesammten Protoplasmas, eine Bewpcunß desselben, erfolgen, ausgehend von 6 Zellkern, b sowie die Schwämisporen mancher Algen, z. B. Stärkckurncr. ^^^^ OtMlogonlum. Letztere sind von ovaler Ge- stalt, sie besitzen eine durchaus grüne Farbe, nur an ihrem einen mit dem Wimpernkranz besetzten Ende ist eine hyaline, farblose Stelle vorhanden. lläulig ist das Chlorophyll noch mit mancherlei anderen Farbstoffen verbunden, wodurch dann das (irün desselben verschiedene Nüancirungen erhält, ja oft in eine gänzlich an- dere Farbe umgewandelt wird. So besitzen die Arten der so ausserordentlich gestaltenn'iclien Algengruppe der Flori- dccn, welche sämmtlich im salzigen Meerwasser leben, eine rothe oder violette, durch das sog. Erythrophyll hervorgerufene J Snw^Ü^yMpvJ n^^^^^ p*- ^!Rs^^ to- L »«— m r ^ Fig. 2. Zelle Zygnema cru ciatummitstern 13 Farbe. Bringt man nun diese Gewächse in irewölinliches, salzfreies Wasser, so löst sich der rotlic Färbst ntV auf, dio Pflanzen werden grün und wenn mau sii' mit Alkohol bf- handelt, so erhält man die rein grüne, bei dun-hfalb'ntb-m Lichte dunkelrotiie Lösung des gewöhnlichen Chlorophylls. Eine ganz analoge Erscheinung findet sich bei «Mni^fiMi anderen in Folgendem noch öfter zu citirendcn Algenfamilien, nämlich den Nostochineen und den Oscillarineen. Auch »ie enthalten neben dem grünen Chlorophyll einen aus den zer- riebenen Pflanzen vermittelst Wasser ausziehbaren, reinblauen bis blauvioletten, bei auflallendem Lichte blutroth gef-irbten Farbstoif, das Phycocyan; ausser diesem befindet sich in den genannten Pflanzen noch ein gelber Körper, das Phycoxanthiii und beide ertheilen in ihrer Mischung mit dem Chlorophyll den Zellen die eigenthümlich bläulich- bis bräunlicii-grOm* Färbung. Dem Chlorophyll, dessen Entstehung an das Vorhanden- sein von Licht und bestimmten Temperaturgraden gebunden ist, verdanken alle höheren Pflanzen nicht allein ihre grüne Farbe, durch dasselbe wird auch die Assimilationsthätigkeit derselben vermittelt. Es zersetzt unter dem Einflüsse des Lichtes die aus der Luft in die Zellen aufgenommene Kohlen- säure mid, während der Sauerstoff" wieder exhalirt wird. dient der isolirte Kohlenstoft' zur Bildung aller jener unzähli- gen, in den Gewächsen vorkommenden organischen Verbin- dungen. Alle die Pflanzen, welche des Chloroj)liylls entbehren, sind daher nicht im Stande, si(;h ebenfalls aus der unorgani- schen Natur ihre Bestandtheile aufzubauen, sie nu'issen viel- mehr als Parasiten andere Gewächse bewohnen, um aus rlie.sen die bereits vorgebildeten Stotte zu ihrer Krnährung einzusaugen. Sehr häufig findet man in das Innere der Chlorophyll- körper eingeschlossene Stärk<'körner, welche ab«-r auch eben so oft isolirt vorkomm -n und überhaupt einen weit ver- breiteten Bestandtheil der Zellen ausmachen. Die Form der- selben ist sehr verschieden; bald sind sie rundlich, bald lin»on- oder eiförmig, bald gestreckt und eckig, bisweilen knoch^n- förmig, wie z. B. die im Milchsaft der Euphorbiacern vor- kommenden. Sie sind aus zahlreichen wasserärm-r-n und wasserreicheren Schichten zusammengesetzt, wei.-he von einem u excentrisclien Punkte auslaufi'n. Wenn iiichroro. snlclior Con- tren vorhanden sind, so ontstohcn die zusammengesetzten Stäikekörner, deren einzelne Tlioilkörnchen oft noch von einem gemeinsamen Schichtonsystem umgeben werden. Die Thei- hingen können häufig in sehr grosser Ausdehnung stattfinden, so dass ein einzchies Stärkekorn aus vielen Tausenden von Bruchkörnern zusammengesetzt fsein kann, wie es z. B. bei dcMijcnigen von Oryza sativa der Fall ist. Das Wachsthum der Stärkekörn '^r geschieht durch Intus- suseeption, d. h. durch fortwährende Einlagerung neuer Theil- clien zwischen die schon vorhandenen. Die Stärkekörner enthalten, wie I^Iägeli gefunden hat, zwei Bestandtheile: die durch Speichel ausziehbare, mit Jodlösung intensiv blau sich färbende Granulöse und die Stärkecellulose, ein in kochen- dem Wasser ausserordentlich aufquellender, der gewöhnlichen Cellulose isomerer Stoff. Die Stärkekörner bilden die Re- servenahrung der Pflanzen und sie werden in einigen Organen in besonders reichlicher Menge aufgestapelt. Das Inulin ist eine besondere Art von Stärke; es findet sich bei einigen Gattungen aus der Familie der Compositen im Zellsaft ge- löst; in nicht mehr lel)ensfähigen Zellen scheidet es sich in Gestalt rundlicher, radialgestreifter Körner aus. Einen weiteren Bcstandth<'il der Zellen bilden die Aleuron- körner. Es sind dies krystallisirte Protoplasniakörper, welche besonders in oelreichen Samen oder in Knollen sich finden. Jläulig kommen aucli in den Zellen Krystalle vor als lang gezogene Prismen, sogenannte Rapliiden, oder verzweigt in Gruppen als Krystalldrusen. Sie bestehen meist aus oxal- saurem Kalk. Wenn das Protoplasma in dichterer Schicht an die Wand sich /jin"Kkzi(;lit, so entstehen häufig grosse Ilöhhingen, Va- cuolen, weiche niil wässrigem Saft, der Zellllüssigkeit, einer Ausscheidung des dichteren IMasmas, erfüllt sind. Sie werden von netzartigen Zweigen des Protoplasmas durcJizogen oder es bildet sich, wenn diese Zweig(», fehlen, eine grosse centrale Vacuole. Ihre Entstehung findet besonders dann statt, wenn die Inibibitionsfähigkeit des Profo|)lasnuis überschritten wird. Das im l'eberschuss aufgenoiiiuicMc Wasser treimt sich dann in Tropfenform wieder los und diese ausgeschiedenen Tropfen 15 werden bei anlialtendem Zutritt des Wassers immor grösser. es kommen neue zum Vorschein und scldit^sslitli ist der nan/o Innenraum der Zelle allein von dieser \vässrit;<'n Fliissii;k,«'it erfüllt, das Plasma da2,egen auf einon ^anz dünu.'u Waud- helan' reducirt. Diese Erselieinuuiien krtpllanzunirs/,«'ll»'n und in den dieselben tragenden Basidien. Natiirlidi bewirkt di«« unausgesetzte Zufuhr von Wasser eine Ausdehnung (brr Zell«» und derauf die Membran derselben ausgeübte Druck wird oft so stark, dass dieselbe zerreisst, der Zellinhalt unt grosser (Ic- walt herausspritzt und dadurch die obenauf sitzi'ude Sporn in bedeutende Höhe und Entfernung fortgeschleuiit»rt wiril, z. B. die Sporen von Enipusa, Pilobolus etc. Das Protoplasma ist überhaupt manchmal fiussoret oni- ptindlich gegen den Eintiuss des Wassers, es gerinnt oft sehr leicht; man ist daher bisweilen, um das Prä|)arat unversehrt beobachten zu können, genöthigt, demselben statt Wasser verdünnte Salz- oder Eiweisslösungen zuzusetzen. Die sogenannten eontractilen Vaeuiden, wie sie nuierhalU des Plasma^^ mancher Schwärmsporen beobachtet wenlen. vi- gen die auffallende Eigenthüniliclikeit, dass sie al>wi>chs<'lnd sich vergrössern und dann plötzlich gänzlich zum Verschwind«Mi kommen; auch dieses Verhalten hängt mit dem stets worliseln- den Wassergehalt des Protoplasmas zusannnen. Interessant sind die Angaben Dippels über die EiitstehiinK der spiraligen, netzförmigen etc. Verdickiingen der primären Zellstoffmembranen. Nach ihm erfolgt ihre Entwickhin« da- durch, dass in dem protoplasmatischen Inhalte der Zellm Vacuolen auftreten, welche schliesslich in einander tlioscn. so dass das Plasma auf einzelne, der Zellwand dicht anliegende Bänder reducirt wird. Diese Bänder liesit/.en vollkommen die Gestalt der späteren Verdickungen und ihre «ier priniAren Zellmembran unmittelbar anliegende Seite beginnt auch jMifort mit der Ausscheidung von ("ellulose. de nach den pliy.Hika- lischen und chemischen Einflüssen, den Ernährun, 'H- nissen der betreffenden Zelle etc. moditiiiren nich dann dio mannigfach variirenden Formen der Verdickungen. Entstellung der Zellen. Uie Entstehung der Zellen findet auf zweierlei verschiedene Weise statt: Durch Zelltheilung und durch freie Zellbildung. Stets entstehen die Zellen im Innern von schon vorhandenen, niemals ausserhalb derselben und ihrer Bildung geht immer eine Verdichtung, ein Abnehmen des Wassergehaltes im Pro- toplasma der Mutterzelle voraus. Bei der freien Zellbildung treten im Protopla&ma der Zolle kleine Körperchen auf, welche als Bildungscentra für die jungen Tochterzellen anzusehen sind. Um dieselben sammelt sich ein Theil des Zellinhaltes, welcher sich immer schärfer von dem übrigen abgrenzt. Zuletzt entsteht um diese aus- geschiedenen Plasmaparthieen ein äusserst zartes Iläutchen, welches allmählich dichter wird und damit ist die neue Zelle gebildet. Der Unterschied der freien Zcllbildung von der- jenigen durch Theilung besteht darin, dass bei letzterer der Inhalt der Zellen für die Tochterzellen verbraucht wird, wäh- r<'iid bei der freien Zelll)ildung ein Tiieil des Plasmainhaltes übrigbleibt; ausserdem ist iiii'bei die Mutterzelle noch eine Zeitlang im Stand*.', sich zu ernähren und zu vergrössern, und so zur weiteren Ausbildung der in ihrem Innern entstandenen secundären Zellen beizutragen. Die freie ZelUtildung ist selten, sie findet sich im höheren Pllanzenreich im Embryosack, dann kommt sie vor bei der Bihlung der Sporen einiger Algen, ferner bei derjenigen der Flechten und vieler Pilze. Die in den Ascis der Asc()inyceten g(!l)ildeten Sporen z. B. entstehen auf diese Weise s. Fig. '6. 17 Fi^. 3. Ascusentwicklung und Sporenbildung von Ascobolus pulclK-rrimu» , nuf Pferdemist wachsend. A a reifer Ascus mit den s Sj)<)ren. 1>, c unn-ifc Asci. p Paraphysen von der Hymeniulfläclic entspringend. B. Sicli »lie Spuren d'-r Reifezeit näJKMn, desto nielir verschwindet das Tla^nia im 18 Ascus; au sciiu« Sti'Uc tritt reiclilirln' \viissrii;o Flüssii;'koit. Dom Auftrotou i|)lasma nannto und in oinon nulir fiüssii;on, woniü; liclitbrechondon, wolclior rinp:« vom Hpiplasma umllosson wird; in diosor vväs>rii;oh Fliissiü;- Uoit ü'olit nacli do Bary dio Aushildun.i;' dor Sporon vor sich. Die Z( 111»i]dnni;- Miircli Thciluni;- ist dio i;-owülinliclisto, Aucii liior troton in dor Zolle neue Bildungshoorde auf, um wolclic sich das Plasma sam- melt, doch wird dabei der ganze Inhalt der Zelle verbraucht und von dor Muttorzelle bleibt JSichts als die Membran übrig. Diese Zollbildung kann auf vorschiodene Weise stattlinden. Die ontstehondonToclitorzollon künnoii entwodcr gioich wäh- rend ihrer Bildung eine Mem- l)ran ausscheiden oder erst nach derselben. Der erstere Fall tritt sehr hiiulig boi der P>iidung der Pollonkörnor violer Dicotyledonen in ihronSpecial- mutterzollon ein. Die Ent- stehung der Sporen vieler hö- herer Cry|)togamen, Fig. 4, lin(b>t in der Weise statt, dass zuerst der in der Mutterzelle vorhandene Ztdlkorn resorbirt Sjiorcnmuttcrzcllin von PsilDliim tri' ^yj,-,! \y^ seiner Stelle er- i|iictnitn. Nnrli Ilofmcisicr. ii. Vor der " i 11 • 'i'licilmiK, iTiitrjilcr K.mii diiitlich .siclit- Schemen Itald ZW01 ncuo Kerne, bar. I.. Zellkern aulKelflst. c. Nculnl- ,],,,.,,,, • |,,,. ^j,.), ^vi,Mb.rum (lunir zweier sccnnil.'irer Kerne, d. Korn- •' clieni.laltcn zwischen den etwas ^cron- 1 heilt, SO dass (Mo Zelle 4 tor- nenen Kernen c. HildiinK von Körner- jj;-^,.,. |(, .,.,„. (Milhält; letztere idiilten zwiselien den terliiircn Kernen. 1 ,■ 1 • 1 1. Krr.dufe Tiieilnn^' in 4 Toeliter/.ellen. kouimen IllUlIlg SOgleicIl ZIUll K. Nael. l'.iM.m- der Sporen. Der Kann. V(,iS( lieiu. ZwiscIl'U den Ker- /wi>elien densellien ist niii der aul^n-- • 1 i- qnoUen.n MembrnnBuLstunz .rriilK. HOU Zeigen Sicll rechtwinklig 1!) auf eiiiandor stehondo i;ürt(d- odiM- plnttrnrönniLro Ansamm- lungen dos Plasmas und inn<'rhall» diosor (Üirtcl kommtMi daini die Scheidewände zur Ausliildun;;". Mit keiner Zellliaut unigehon sind z. H. dir Scliwärmspon'n in den keuligen Zoosporangien bei Saprolfgnia, wo «I«t uan/.-- Inhalt des'Sporangiunis in znhlroiclie Kngrhi ziMlalh, l'rinit>r- dialkugeln, welche durch tarhloscs, von ih'r p'Tiphfiisch«Mi Hautschicht des Sporangiiini-Inhaltcs nach th-m Ciiiirum d«'s- selben verlaufendes Protoplasma zerklüftet und von cjuainh-i getrennt sind. Erst nacli erfolgtem Aussclihi|»rt'ii runden sich die Schwärmsporen ah und umgehen sich mit einer dünnen Membran. Bei den eben besprochenen ZelltheiJuntren zielien sicli nun die gebildeten Tochterzellt>n zusammen oder es lindet eine Abrundung des Plasmaiiihaltes der .Miitterzeljf statt, hii-se Art des Entstehens der Zellen beschränkt sich auf di«« Bil- dung derjenigen, welche di-rKMi-tpIlanznnu dienen, wie S))oren, Polh-n, Anth«'iidi<>n etc. Doch werden sehr häniiu die IVtHen- körner ohne Contraction (b-s PJasmax gebildet und «li^' bei wt-iirm am gewöhn- liebsten vorkommenden Z"'ntheibinu«'ii zum ZweiinLiAn durch die ZcUstoffleiste ganzen I lieilunustb-i.ho an alb-n I unkl«»n sichtbar wird, s der Zell, „Joi, b^eitig zur Ausbiblung unJanKHi und »Sele äloS'lLfd: dies istderbei w.ilc-,n l,üu(ig,te V..rganKl«i •20 der /t'llthoüuim. Kr tiiulet sich in (1(M1 (Icwoltoii aller liülioron Clewäclise. Ein zweiter seltener Fall ist der, dass die Zcll- mend)ran am Kande der Mutterzelle ii;ebiklet wird und rinü,- förniiii" iniiiicr weiter in das sicii tlieilende Protoplasma hin- einwächst, in (lestalt einer fliuclihrochenen Scheibe, Ins sie dann zulelzt eine vollkommene Scheidewand hildct. Dies ist besonders schön lifi der Z ist oiih« l>asi(lic, auf wrlchor iiu-li- rerc ziivM'spit/.t.« ll.«rvorra- i,Minnen ciitstclit'n, storijt- iiKita ^'onaiiiif, w.'lrlip an «ler Spitz.» kimli^ an- s(ii\vellen;(li«'s«'Anson'iiali,s. Fi«.7, Findet i, aluT UUf riciis rauscarius, dem i"licgcnschwamm. a. die ■ i . .» i • t Sterigmata, b. an deren Ende die Bildung <^'»">'l^ 8tl»l, 8'» bczeirll- der Sporen beginnend, bei c. letztere kurz vor not man sie als ein«' s i - dem Abfallen. , i • i multane; lici «ler hue- cedanen hingegen erfolgen an einer und dt^rstdlx-n Stellt« narli und nach zahlreiche Abschnürungen. Für crsteren Fall lii«'i«'i die Bildung der Sporen hei den Hasidiouiyeoten, wi«' hio in beschriebener Weise auf deren Masidien crfoltjt, ein Beispiel; die andere Art kommt bei Knlwii-kluim dti'n.*) Nach ihm besteht jede Zelle aus luehn-rcu in i>iiianiid<-ii Kernkörperchen (piaternäre Zelhlieii. hie Kutstflnm« d«T Zelle denkt sich Karsten nun so, dass die äus^t-r^tt-ii M'MU- branen, die primäre und se<'un(läre Zelle, allMiidilich \«>rllüssi;;l werden, worauf die tertiäre und stickstoflthaltig, später wird durch DilVereuzinini,' und \Nälir.-inl die im Innern immer neu entstelM-uden ZelhlifM das stickst«»ff. haltige Plasma für si«di verhraudiru, fli-- ausser«- .M<'Uiliraii immer kohlenstoiVri'i( her und stickstolVärni«'r. Alle nbiueii in einander geschachtelten und dinvli Verlliissi^iiini,' d.T äu-HrriMi von innen immer wieder neu regenerirten Z< Ih-n li'-isst l\ai>li'n Gewebezellen. Wenn man eine ('oid"<'rv<*nzelle, x. IJ. \on t'la- dophora, durchs(d)neidet, dann sollen aus d.-r O'-ffnuni.' ' "'f. r solche kleine (lewebezellen hervurdringt-n: ili<'se|lM-n .-iii in ihrem Innenraum eine Anzahl von ikkIi kleineren Z.'l|rli..n. die Membran sämmtlicher aber ist äusserst /.art, ho iI. *) De cella vitali scrii.sit, II. Rftrstcn. Bcrolini 1843, Entwicklungs- Erscheinungen der organischen '/.<-\\c. Poggeodorfr« Annal. Bd. 118. Berlin 1863. Histologische Untersuchungen. Berlin 1862. 24 in dem iimj^ebondcn Wasser solir Ii.ild gesprongi und vorHüs- sist wenlon. Lotztcros hezoicliiicl Karsien als den Grund dafür, dass diese (Idiildc. so schwer zu beobaclifon und von Anderen daher auch id)erschen worilen sind. Nach ihm ent- stehen Scheidewänch^ ühcrhaupt nur dadurch, dass zwei ur- sprünslicdi freie Gewebezellen innerhalb einer Mutterzelle sich immer mehr vergrössern; schliesslich treffen dann ihre beider- seitigen Membranen auf einander und legen si( h vollkommen zusammen. Ursprüni;lirk»»m- mende. Er glaubt, dass J.'de Zell.- mit iiuvr M. -ml. ran schon fertig gebildet in ihrer MuttiMv.oll.' si.li iM'liiidf, so dass «lom- naeli die Zellbildung iiiclit in eim-r Idussi-n Sondt'riinir \on Protoplasma in der Mutter/jdle bestund««. Di. «st« im Plasma schon existirenden Zellelicn sind s.'lir stickst. .lVr«'ieli und in ihnen sollen sich als li.irhst kb-ine K.irnchcn dit> S»'crotions- zellchen bereits vorlind. 'ii, wel.lic mit d.in Wa.listlium der Gewebezellen theilwcise resorbirt wimmI.mi. Jede Zelb> sjcstall«» je nach den chemischen uml physikalisch. -n F.inllüssen. iintor welchen sie sich betindet, ihre V.-rhaltnisse, manniL'fadi um. Nach Karsten giebt es keine nakt.'n, hautl.»sen Zellen, welch«' blosse Protoplasmaklümpchen sind; ili.' C.'lbd.tsemembran ist vielmehr ein ganz wesentlicher Hestandtheil jed.T Z.'lle; die- selbe betheiligt sich an der Assiniilalion und s.dir hauli« wird sie aufgelöst und dient den neu heranwachsenden (Jowehi»- zellen zur Nahrung. Ebensowenig giebt es nach ihm \\irkli«-h einzellige PHanzen oder Thiere, denn dieselben sind stet.s nuj« einer bestimmten Anzahl von ineinandergeschachtell.'U Zel|.«n zusammengesetzt. Karsten behält trotz aller Angriffe seine Zellfheorie stand- haft bei. Die von ihm als ])esond.'r<' hb.-nsnihige Zejlrhen beschriebenen Bildungen innerhall» v(»n .Mutferz.dlen sind aber nach der Ansicht der meisten ander.ii l''..r<.li.-r meist ni.hts weiter als blosse Vacuolen. Hofmeister äussert sich üli'r Karst. n's Lehre folu'endor- massen: „Die Angaben dessidl»en sind v.illi:; unvreinbar mit der Thatsache, dass di.' Anordnung des Zelleniulialtes b«ii «lor Zelltheilung nicht wesentlicdi gestört wird. Ks «enfiKt, dir fort- schreitende Scheidewandbildiing «!iner lebenden ('ladnph«'ra- zelle unter dem Mikroskop zu verf-iltjen. es u'enfit:t, die Ver- mehrungsweise der Zelle einer Spirnuyra zu betrachten, »im die Ansicht Karsten's abzuweisen." Die Filzo. neicli an Maiiiiii;"taltii;k 1866. ilc Hary u. Woroiiin, M. Beiträge zur Morpliul. und Tliysiol. d. rilzc. Frankfurt a. M., 1804, ISfie, 1870. Bonorden, II. V., Ilandbucli d. allj^cni. Mycologie. Mit 12 Tafeln. 1851, Ball, Tli., Die wiclitig.sti-n S:it/.<' der neueren Myeologie. Jena, 1801. Mittlieilunj;cn über das Vorkommen u. d. Enlwickl. einiger i'ilzformen. Danzig, 1867. Fuckel, L,, Symbol ac mycologicac. Wiesbaden 1869. Hoffmann, II., Mycologisclie Bericlite. Gicsen, 1870, 1871, 187'i. Tulasne, L. 11. et C. Tulasne. Sclccta fungorum carpologia. Taris, 1861 — 1865. 27 welche eben so schnell wieder verftchon, n>ir ciii/,.-hi.' I li.-il.' derselben, besonders die, welche der Krhaltun^ iiikI Kortpilan- zung dienen, besitzen eine längere Lel)ensdau»M-. Ihr kur/.^s Dasein ist auch die Ursache der meist zarten /i'nincnibraii.'u. welche nur selten Verdickungen besitzen; die Vereinigiin:;eii der Hyphen zu grösseren Körpern erhalten daher eine weichi». tieischige Beschaftenheit. Die Z<>llenwände der iän^jere /eit lebensfähigen Pilze dagegen zcii^aMi oft liedeutende das I.unj.Mi fast zum Verschwinden bringende Verdi(kiuiy:en, si<' sind ent- weder gallertartig autkiMiuollen oder s|)röde und sie verholzen dann oder werden lederartig und dunkel uef-irltt, wie dies /,. II. bei vielen Polyporus- Arten der Fall ist. Innerhalb der l'iU- zelleu konnte ]nan bis jetzt, ausser in den Ascis bei einiu'»-» Fällen, Zellkerne nicht nachweisen; cbensoweniij Stärkekönier und Chlorophyll; sehr liäulig dagegen Oeltropfen und Au«*- scheidungen von Krystallen, aus oxalsaureni Kalk bestehend. Ueberaus verschieden ist die äussere Form, unter welcher die Pilze auftreten. Bald sind es eiMfa Zellbildnng in Sporenschlänchen gebildet. liire Entstehung geht häulig frei in s rank.Mi- förmigen Schleimes aus einer dhoren O.'IVmmu- cufh'crt wird. Bei Pilobolns, einer zissi'lb«'n in"s Mye«-! vuii Erysiphearten. Es entwickelt sich hier ein Parasit in «infm ;ind»iii So auftauend ist also die Schmarotzernatur der l*il/.e. i\a»> sie sieh sogar auf ihresgleichen ansiedeln. So tiiid«'ii wn auch z. B. im Herbst die zerfallenden grossen llyniennrny« <•- ten von zahlreichen Faden- und Scjdau(hj)ilzeii hrwohnt. Einige Pilze durchlaufen die ganz«- KntwirkluuKsreihe ihrer Formen auf einem und demselben Wirth. Iiei andern ist für jede Form ein besonderer Wirth erfurdiTlIch. Es werden unten noch zahlreiche Beispiele fol;;eii, weiche «liese in mt- schiedenster Weise sich moditieireiiden Verhältnisse erlaulern. Stets tindet bei der Erscheinung des i'ulyniorpliisnuis di«* Eigenthümlichkeit statt, dass die geschlecht liehen inid di«- ungeschlechtlichen Generationen mit eiiian«l'-r aliwechiteln; letztere treten oft eine Zeit lang allein auf, sie dj.-nen. aU blosse Vermehrungsphasen des Pilzes, zur ra.^^chen IL-rx-r- bringung einer möglichst grossen Individuenzahl dexMell.en: de Bary bezeichnet solche Formen als Propagat ionsMru'ane. Dieselben machen dann zuletzt einer complicirt-n Kntwickliink' Platz, welche den Formencyclus beschliesst und deren Spi.p-n wieder die einfiicher gebauten Organe hervf.rbrink'en. I': höher stehenden Fruchtkörper sind das Er:;el,ni»en der Flechtengonidien. Bnscl 1869. llccss, M. Uchcr die Entstehung der Flechte Collcmn glaucescens. IlolTm. Monatsber. d. kgl. Akad. d. WLsscnsch. z. Berlin. 1871. ;i:) welche sich hier verhalten, wie dir Wurzeln liöh.',-.-! IMlanz.«!« den Blättern gegenüber. Das Nosto.- stirhi ah. wemi die ||y|>h<>ii fehlen oder vom Boden abgewendet und beschiidiift werden. Alle die bisher besprochenen Entdeckungen der Neuzeit haben eine vollständige Umwälzuim in der .Myeologie hervor- gerufen; die ganze frühere Einiheilung der Pilze nuissle auf- gegeben werden, und es kaini auch heute noch hiiiire nielii von einer detinitiven sohlien die jjede sein: denn noch /.ii viele stehen vereinzelt da, ohne dass es uejimnen ist, ihri- entsprechende Zusammengehörigkeit mii d>-u andern Eornien aufzutinden. Oft ist man im Stande, gestützt auf die Anahmii» anderer verwandter Gattungen, für Pilzformen schon im Vürnu^4 die künftige Stellung anzugeben, auch wenn sie noch nicht durch die Entwicklungsgeschichte bekannt ist. So wurden z. ß. die Arten einer ganzen früheren Familie, der Fadenpilt««, Hyphomycetes seu Haplomycetes, tludls unter die Peronuiio- sporeen, theils unter die Pyrenomyceten verl heilt. Für die übrig gebliebenen noch isolirten ist es sii-her, dass sie eben- falls später in diese grossen Familien aufirennnnnen werden, sobald durch weitere Forschungen ilir Zusannnenhanic mit Repräsentanten derselben festgestellt sein wird. Ks sind da- her auch die so häutig in älteren Werken erwidniten Faden- pilze als eigene Familie jetzt gänzlich aus dem Systenie m«- strichen. de Bary hat eine Classification der Pilze vorue>chl.iu'-n. wehdie sich am meisten dem Stand|)inikle d'-r heutiiren N\'i'ss«'ii- schaft anschliesst. Wir geben sie mit geringen Abänderungen in Foltrendem: I. Phycomycetes. Diese Ahtheilung erinnert in nianniK- fachen Beziehungen als eine Vennitflunirs- und FeberKanK«*- stufe an die Algen, besonders an die Vauclieriaccen. »sie ter- fällt in 4 Familien : 1) Die Chytridiei. de Baiy S(ddiesst diese Faindie von den Pilzen aus. Es sind kleine, zuerst von Prof. A. Hrauii aufgefundene, theils auf Algen, theils im (Jewebe vieler Dico- tyledonen (Synchytrium) lebende Schmarotzer ohne .Myc«-limn. die sich durch kleine Schwärm- oder Dauers|)oren fortptlanz«'n. Ihre nähere Beschreibung winl unten folgen. 2) Die Saprolegniei. Sie werden ebenfalls \on \'u'Un 36 untPr die Algon ii;eroohne durcli Befruchtung von Antheridien und Oogonieii entstanden sind. Üie schwärm- sporcnbildenden Generationen, Fig. 11, treten gewöhnlich mehrmals hinter einander auf» wobei sich die Entwicklung und der Austritt der Zoosporen je nach den verschiedenen Gattun- gen vielfach moditicirt. Sehr häu- tig umgeben sie sich innerhalb des Sporangiums mit einer Cel- luloseinembran, sie verlassen dann diese Membran entweder noch während des Ausschwär- mens oder sie treten mit ihr um- geben heraus und bleiben vor der .Mündung lieg(Mi; nach (Mniger Zeit verlässt dann jede Schwärm- spore ihre Hülle und eilt davon, so dass also ein vollständiger Häutungsprocess statttindet. Hat die Bildung dieser ungeschlecht- lichen Sporangien einige Zeit lang angedauert, so kommen die Geschlechtszellen zum Vorschein und zwar an denselben PHanzen bei den monöcischen Sapro- legnieen, \v<»l)ei die Oogonien von Antheridien - Zweigen um- schlungen werden, welche Fort- sätze durch schon vorher in A Fig. 11 Zoo8|)orangi('n von Sti])rüli'gnia A. Zcrklüffunt; des PliiBmuinhaltos zur Bildung der Scli\värnis])Oicn. B. Das SporungiuMi ist geöffnet und die Zoosporen sind im Austreten be- der Membi-an Vorhandene Löcher ^'''^^"" in sie hineintreiben; oder die männlichen und die weiblichen Zelb^i entstehen gesondert auf verschiedenen Pflanzen; bei diesen diöcischen Saproleg- nieen wird dann dii' iJetiiichtung höchst wahrscheinlich durch schwärmende Sj^ennatozoHb'n ausgeführt, welche in den An- theridien ausgebildet werden. 37 In beiden Fällen ist das Resultat dor Rofnichtiinc dio Ülntstelumg mehrerer doppelhäutiger Oospor.n iiin«'rliallt des Oogoniums, welche nach längerer Ruhezeit /.ur KiMuninn ge- langen. Es wurde ausser den angefiihrtt'n Art^n von Fort- pflanzung noch eine dritte durch Cnnidicn verMiitttdt»« ance- geben; nach Privatmittheilungen von l)r. Magnus sind alx-r die dafür gehaltenen Organe nichts weiter als vfrUiiinnu^rlo Schwärmsporangien. Die Saprolegnieen wa«dison auf in WaHser gefallenen Insectenkörpern, auf Fischen und andern tiiit'rischfn und pflanzlichen Substraten und können leicht, besonders auf ersteren erzogen werden. 3) DiePeronosporei. Diese bewohnen nur lebende Pllanzen. in deren Innerm sie ihr Mycel ausbreiten. Die Fortjtflanzunu findet durch Conidien statt, welche auf durcli die Kpidermis der Nährptlanze hindurchgebrocli<'nen Ilyphen entstehen, s<»wie durch Oosporen, welche im Parenidiyni des Wirthes gebildet werden und zur Ueberwinterung bestimmt sind. Hierher «c- hören noch genauer zu schildernde, früher der jetzt aufReho- benen Familie der Hyphomyceten zugetheilt gewesene Schnia- rotzerpilze. 4) Die Mucorinei.*) Diese ist eine sehr vieJL'ostaltiK«' Familie, reich an zierlichen Individuen. Sie leben hauptsäch- lich auf organischen Verwesungs[)roducten. F-jnitre. wie Muror Mucedo, gehören unter die häuHgsten aller Pii/c. Die Fort- pflanzung geschieht durch Conidien, in Sporariirien Lrebildef und durch Zygosporen. Alle besitzen sie ein reich verzweigtes, im juuendli.hfn Zustande völlig scheidewandloses Mycejiuni. wehhes sich so- wohl innerhalb des Nährsubstrates als anch auf demselben ausbreitet. Mit zunehmendem Alter bekommt es seltene Seh-id«-- wände und sehr häufig sammelt sich dann «las noch vorhan- dene Protoplasma an einzelnen Stellen an, rundet sich ab und trennt sich durch Scheidewände von «len übrigen Thejlon tl«-^ Myceliums. Diese Bildungen verursachen tonnenförmiße ndor kuglige Anschwellungen, sie kommen einzeln oder in Rejhon hinter einander vor, keimen leicht, und sie wurden von Itail *) Ausführliche neueste Abhandlung über dah Gcnui Maryr »on l>r. Zimmermann. Chemnitz 1871. 38 rionidion. von ilc Rary nemmon 0(1"' '''•''«''<■"• (linft... Die Beschalfen- heit i\r< Nährbodens sowohl in physikalischer als cliemisschnÜrt werden. A. Basidienbildung; das eine Kcthcilt und mit ;5 ^ ". . ^ Sterigmen s. verschen. B. Sporenbildiing sp. in lht> KepraSiMltan- verschicdcncr Entwicklung;. C. Ssporigcs Stcrignicn ^^^^ ^g^. 'fi'enioUinen sp. 1). Sporidienbildung; die alten Sporen sp. ver- • i i •• +4 e liorcn ihren Inhalt. E.' Trcmclla niesenterica Retz. huden Sicll hautlg aut mit Siiermatien st. ab.-clinürcndcn Ilyphcn. teucllteu faulenden Aesten und Bauuistäinnien, so z. B. das bekannte Exidia Auri- cula Judae, oft grosse Anhäufungen bildend. •2) Die Hyuienomycetes. Hierher gehören unsere stattlich- sten, schönsten Pilze, die Hutpilze. Die Agaricusarten bilden den Typus dieser Abtheilung. Das Mycelium ist im Verhält- niss zur Grösse des Fruchtträgers selbst sehr luischeinbar; PS wird (kÜKT auch häutig- von Laien wenig beachtet oder völlig iiberselieii. Merkwürdigerweise ist über den Eutwick- hmKs;;ang des Myceliuius vor der Eutstehunu der meist ge- stiliolop;ic der riialloidcfn. ♦♦) de Bary. Bcitr. /,. Morph, cfc. 1. Zur Eutwickl. v. Protomyccf u. l'hysodcriim. 43 in Kammorn thoilcndc rileha, snnfl<'rn der s«inzc Frnrlitkör|)('r ist von einem Fcideni-elleclit lang^li(Mli-i<;uchtkör])er Iiesitzen immer ein Heischiges Stroma, die HymenialÜäche selbst verbreitet si(di auf ihrer sehr verscdn'efjen gestalteten, oft faltig gewundenen utid vielfach verzweigten OberHäche. Hieriier gehören, neben grossen, sehr ansehtdichen Pilzen, wie die Helvcdlacei, besonders die Formen der so äusserst artenreichen Gattung Peziza, welche die kleinsten, un- scheinbarsten Individuen neben grösseren in -i«li fusst, die meist die Gestalt von Bechern besitzen. 44 EiiiP Anzahl vnn "Discoiriycoton hildot nohon don vielen, sonstigen Kntwieklnngsphasen noch die schon fn'ihiM- hrs( lirio- hen<>n Dauermyceli n oder Silerotion. Die Schizoinycctcs (?iägeli.) liine besondere Abtheilunfi-, deren Stelluni; noch sehr unsicher ist, bilden die Schizomyceten, die Spaltpilze, wohin die Vibrio- nen und Bacterien, Zoo^loea Cohn, Spirilluni etc. i;ehörcn. Man weiss nicht recht, ob man sie den Algen oder den Pilzen anreihen soll. Es sind die verschiedensten Ansichten über ihre Entstehung und Organisation aufgestellt worden. Diese Gebilde stehen an der Grenze des Thier- und rHanzen- rciches, sowie des mikroskopischen Sehens. Wegen ihrer Beweglichkeit sind sie oft für Thiere ange- sehen worden, doch werden sie in neuerer Zeit -ziemlich all- gemein unter die PHanzen gezählt und von Vielen als Entwick- lungsstufen von Pilzen betrachtet. Andere trennen sie von diesen, weil di(5 Pilze ganz verschiedene Fortptlanzungsarten haben, und zweitens, weil letztere in vegetativer Hinsicht sich durch ihr terminales Wachst lium auszeichnen, während die Schizomyceten auf allen Punkten ihre Gliederzahl gleichmässig vermehren. I>ie ihrem Verhalten zunächst steh« nden Verwand- ten sind nicht die Pilze, sondern ewirke. Natürlich wird nach Liehig durch die Ver- mcliiung der einzelnen Hefczellcn auch die Quantität der in Umwandlung begriffenen chemischen Substanz vermehrt, sie wird also von denselben erzeugt; aber an und für sich hat sie mit der Hefe nichts zu thun, sie ist ein rein chemisches Pro- duct und es muss gelingen, dieselbe für sich zu isoliren und dann durch sie allein die alkoholische (lährung hervorzurufen. Nimmt man ein solches Ferment, eine solche Contactsubstanz, auch bei den übrigen Uiährungsformen an, wobei je nach den Umständen die Beschaffenheit uml die Zusammensetzung der Fermente sich verändert, so wird die Krklärung des Vorgangs bei der Gährung viel einfacher und man hat dann nicht mehr nöthig, einen Unterss hängt dies mit der Frage zusammen, ob für jeden Gährungs- oder überhaupt Zersetzungsprocess ein ganz bestimmter, specitischer Organismus existiro oder ob die Form und die Entwicklungweiso desselben immer entsprechend der chemischen und physikalischen Beschatt'enheit des Nährbodens sich verhalte. So wird denn auch die Hefe der geistigen Gährung von den Einen als besondere, durch die Nähr- verhältnisse hervorgebrachte Entwicklungsmorphe gewöhn- licher Scliimmelformen angesehen, während Andere zu dem Ergebniss gekommen sind, dass sie eine selbstständige, mit keinem andern Pilz zusammenhängende Species bilde. Bail hat <'ine Al)lian(lhnig geliefert,*) v^-orin er erklärt, dass zu einem selbstständigen Pilz die Anwesenheit eines iMycelium erforderlich sei, welches bei der Hefe nicht vor- handen ist. Er glaul)t daher, dass die Hefe mir <'ine dureii veränderte Nahrungs- und Lebensbedingungen In rbeigeführte Abänderung von höheren Pilzen sein müsse. Seine Fnter- Huchung<'n ergaben, dass die lief«' in schwächerer Würze ijire länglichrunde Gestall in die von gewöhnlichen langgestreckten l'ilzfäden umwandle, docii gelang es ihm nicht, die Hefe wirk- lich in einen höheren Pilz überzuführen. Hail glaubt, dass jede liefezelb' der cylindrischen Zelle eines Mycelfadens ent- spricht und dass die Ilefezellen also als sterile Pilzfäden an- zusehen sind. Va- fand, dass die Hefe in die gährungsfähigen Flüssigkeiten zuerst durch die Sporen gelangt, welche sich •) Dr. Th. Bail, Ucbcr liefe. Flora 1857, Nro. 27 h. 28. 55 in der atmosphärischen Luft befinden. Aus Penicillium-Spo- ren erzog Bail in ausgekochter Würze Hefe, welche der ge- wöhnlichen vollkommen glich und stürmische Gährung ver- anlasste. Er glaubt also, dass die Hefe aus den Sporen der unter dem Namen Schimmel allverbreiteten Pilze entsteht. Auch kommt Bail zu dem Schlüsse, dass die Zersetzung der Flüssigkeit erst durch die Vegetation der Hefe bewirkt wird. Je rascher sich diese vermehrt, desto schneller verläuft die Gährung. Er glaubt, dass verschiedene Hefearten verschiedene Gährungen hervorrufen. Dass es so schwer ist, nachzuweisen, von welchem Pilz die Hefe abstammt, rühre davon her, dass die Hefe aus der erblich gewordenen sprossenden Form nur schwer im Stande ist, zur normalen Pilzentwicklung zurück- zukehren. Bei der Aussaat von Mucor-Sporen in Flüssigkeiten ent- deckte Bail in den sich entwickelnden Hyphen die Bildung von vegetativen Sprosszellen, welche er Gonidien oder Brutzellen nannte. Sie treten interstitiell an untergetauchten Mycelfäden auf und sprossen in Würze ganz nach Art der gewöhnlichen Hefezellen. Durch die verschiedensten Uebergänge ist diese Hefe, Kugelhefe genannt, mit dem ausgesäeten Mucor verbunden. Sie ist sehr grosszellig und es tritt durch sie in gährungsfähigen Flüssigkeiten ohne Zusatz von gewöhnlicher Bierhefe geistige Gährung ein, welche ruhig verläuft und wobei die Flüssigkeit stets klar bleibt. Bonorden hat ebenfalls gezeigt,*) dass die Sporen der ver- schiedenen Mucor- Arten in gekochter Bierwürze oder in ver- süsstem Wein in wenigen Tagen Gährung und damit die Bil- dung von Hefe hervorrufen. Derselbe fand, dass die Zellen dieser Hefe, wenn sie frei an der Luft auf mit Wein benetzten gekochten Kartoffeln aufgetragen werden, sich verlängern, Scheidewände bilden, sich verästeln und dass dann aufrechte Hyphen entstehen, welche wieder fruchtbare Mucorsporangien hervorbringen. Bonorden glaubt, dass die Hefe in verschiedenen Gegenden aus verschiedenen Pilzen entstehe und dass eben ihre Art be- *) Bonorden, H. ;F., Abhandlungen aus dem Gebiete der Myeologic. Abhandl. d. naturforsch. Gesellschaft z. Halle 1864. 56 dingt sei durch die in einpr Gegend vorkommenden Gähnmgs- Pilze. Die gewöhnliche Hefe ist übrigens fast niemals rein, son- dern immer mehr oder weniger mit den Sporen verschiedener häufiger Pilze venmreinigt. Auch Hallier zeigte, dass die im gewöhnlichen Leben als Schimmel bezeichneten Pilze, Aspergillus, Botrytis, Mu<'or, be- sonders aber Penicillium als Hefe liei der Bier-, Wein- und Branntweinbereitung auftreten. Nach Hallier können überhaupt zahlreiche Pilze die Gestalt von Ilefezellen annehmen, wie wir weiter unten sehen wc'rden. Hoffmann*) hat ebenfalls aus sehr verschiedenen Schimmel- formen wie Penicillium, Botrytis, Mucor etc. Hefe gezüchtet. Ebenso erzog er andererseits aus Weinhefe Mucor und Peni- cillium. Kr betrachtet die Sprossung der Hefe als eine be- sondere Art von Conidienabschnürung; sie tritt ebenso bei Mucor am Myceliuni auf, wo siedann die von Bail gefundenen Brutzellen darstellt. Die Conidienketten von Penicillium sieht Hoff'mann für eine Luftforni von Hefeconidien an. An der OberHäclK' d<'r F'lüssigkeit entsteht nach ihm stets aus den Sporen ein reich sich verzweigendes Mycelium, welches dann wieder fruchtende Pinsel hervorbringt; will man dagegen die Hefe erzeugen, so müssen die Schinimelsporen durch fortwäh- rendes Schütteln möglichst unter das Niveau gebracht werden, in diesem Falle sollen sie dann allmählich in die sprossende Form übergehen. Eine eigentliümliche Ansicht vertritt Karsten, welche mit seiner Zelltheorie innig zusammenhängt.**) Nach ihm entstehen die Ilefezellen dadurch, dass einzelne Mycelfäden oder Conidien von Pilzen in abnorme Lebensverhältnisse gerathen. In diesem F'all erkrankt die .Mutterzelle, ihre .Membran wird allmählich ver- flüssigt, während . Die Hefozellen sprosston nämlich in den erston Tagen lebhaft weiter, dann aber starben sie zum grössten Theil ab, geriethen in Fäulniss und wurden von andern secundär zum Vorschein kommenden Pilzformen, besonders Mucorarten, über- wuchert. Möglich ist es, dass die Sporen nur in oiner bestimmton .Jahreszeit sich entwickeln. Immerhin muss man sagen, dass die Hefefrage ihre definitive Lösung noch nicht gefunden hat, so lange die Ansichten dor bodeutendsten Gelehrten noch so weit auseinandergehen. Hefeartige Sprossungon kommen auch sonst bei Pilzen ziemlich häutig vor, z. B. bei den Ascosporen des oben erwähnten Exoascus, welche nach ihrer Ejaculation und Aussaat in Wasser, Zuckerlösung etc . sich ganz eben so verhalten, wie die Zellen der Bierhefe. Sie treiben nämlich an einer oder an mehreren Stellen länglich ovale Ausstülpungen, welche sich abgliedern und dann ihrerseits neue Generationen hervorbringen. Wenn die Aussaaten vor Erschütterungen ge- schützt werden, so bleiben die einzelnen Zellen unter einander im Zusammenhang und besonders in Zuckerlösung ist ihre Bildung eine sehr üppige und sie bekommen dann eine kugel- runde Form. Solche Sprosszellen lindet man massenhaft auf der Oberfläche sogenannter Taschen von I^Haumonbäumen und sie unterscheiden sich von der Bierhefe nur dadurch, dass sie in späteren Generationen immer kleiner worden und dass sie nicht im Stande sind, alkoholische Gährung hervorzurufen.*) *) de Bary. Bcitr. zur Morph. u.Phypiol. d. Pilze. Frankfurt a. M. I8fi4. Beschreibung verschiedener Pflanzenkrankheiten, deren Veranlassung von Pilzen ausgeht, Den zahlreichen Krankheitserscli einungen, welche bei den Pflanzen beobachtet werden, liegen ebenso zahlreiche Entste- hungsursachen zu Grunde. Theils sind es mechanische Ver- letzungen, theils ungünstige Witterungs- und klimatische Ver- hältnisse, welche Krankheit, Verkümmerung oder Absterben bei den Gewächsen hervorbringen, theils linden wir den Grund hiezu in der für die Pflanze unrichtigen physikalischen oder chemischen Beschaftenheit des Bodens. Vor noch nicht allzu langer Zeit glaubte man die bei weitem grösste Mehrzahl aller Pflanzenkrankheiten auf Rechnung der genannten schädlichen Einflüsse setzen zu müssen und es waren zahlreiche mikros- kopische Untersuchungen nothwendig, um das Auftreten einer ganzen Anzahl derselben mit ganz anderen Bedingungen in Verbindung zu bringen. Es giebt nämlich sehr viele krankhafte Erscheinungen bei unsern (;ultivirten Gewächsen sowohl als bei den wild- wachsenden, welche allein nur durch thierische oder pflanzliche Schmarotzer vemrsacht werden. Besonders letztere liefern ein Hauptcontingent zur Zerstörung oder Beschädigung zahl- reicher Pflanzen und ihr verderblicher Einfluss äussert sich dabei in mehr oder minder hervorragender Weise; entweder siedeln sie sich als blosse Epipliyteu nur auf der Oberfläche anderer Gewächse an und nehmen in solchem Falle den grössten Bedarf ihrer iSahrung aus der Atmosphäre oder aus dem noch rohen, unverarbeiteten Saft ihres Wirthes, den sie selbst in ihrem Innern für sich organisiren oder sie sind chlorophylllos und dann gänzlich in allen Stadien ihrer Ent- wicklung auf die Nährpflauze angewiesen. 62 Daliiii iioliöron ü'anx bosoinl^rs als dii^ bei weitem ver- derblichsten und iietalirlichsten von allen veoetabilisehen Schma- rotzern die Pilze, jene Classe von Parasiten par excellence. Sahen wir, wie miichtia: verändernd die Hefezellen auf ihr Substrat einwirken und beziehen wir dies auf die Pilze im Allgemeinen, so wird uns klar, welche Zerstöruniien dieselben anrichten müssen, wenn sie andere Organismen befallen. Die Pilze sind in Folge ihres Unvermögens, sich selbst aus den unorganischen Stoffen die Nahrung zu bereiten, naturgemäss die heimlichen Gegner und Zerstörer der übrigen organischen Welt. Ihi-(^ Verbreitung in der Natur ist eine ungeheure; allenthalben, in der Luft, im Wasser, im Erdboden sind sie als unsichtbare (läste stets vorhanden. Theils leben sie auf todten, in Zersetzung begriifenen Substanzen, deren Verwesung und Fäulniss l)ewirk<'nd, theils bewohnen sie lebende PHanzen und Thiere und indem sich ihre Keime von Pflanze zu Pflanze, von Thier zu Tiiier verbreiten, sind sie die Urheber von aus- gedehnten Epidemien, welchen unzählige ihrer Wirthe zum Opfer fallen. Bei den Pflanzen gelang es, mit Hülfe des Mikroskops, in vielen solchen auf weite Strecken sich verbreitenden Krank- heitsfallen die (legenwart von Pilzen nachzuweisen; man ver- folgte dieselben in ihrer Entwicklungsgeschichte und konnte dann mit Sicherheit die Behauptung aufstellen, dass sie meist die alleinige Entstehungsursache solcher Krankheiten sind. Bevor aber dieser Nachweis gelang, hatte man sehr verschiedene Ansichten über die Rolle der Pilze zur Krankheit selbst an- gegeben. Unger*) war im .lahn- ls;i;{ der IMcinung, dass die en- dopliYtischcn l*ilze durch eine Arf von (lährungsprocess aus den krankhaft verändf'rtcn Pflanzensäftcn durch TJcneratio spontanea sich erzeugen sollti'u. Die lOntarlung der Säfte wird nach ihm ininn'r grösser, es entsfeht eine sich melir und mein- verdiclilcndi' Matrix, welche die Intercellular- gänge ver8to|)ft und zuletzt in Eiterbihlung übergeht. Der aus dem Innern heiviM(|iieib'iide Pilz sollte eben diesen Eiter vorstellen, l'nger hielt scddie Krankheiten tin Exantheme •) Ungcr, Die Exantheme der Dlanzen. Wien 1833. 63 der Veo-etabiliPii und betrachtete sie, weil sie am häufigsten auf der reich mit Spaltöffnungen versehenen Unterseite der Blätter auftreten, als wahre Athmungskrankheiten. Jedes le- bende Wesen sollte den Keim der Krankheit bereits in sich tragen und dabei war Unger der Meinung, dass seine Exan- thempusteln nicht infectionsfähig seien. Auch die Sclerotien, jene besonders auf Blättern im Herbste sich knollenförmig verdickenden Dauergewebe zahlreicher Pilze, waren nach Unger als Indurationen aus einer Entmischung des Pflanzen- saftes hervorgegangen, während die mit Perithecien versehe- nen Pilze Carciuomgeschwüre darstellen sollten. Eine andere, hauptsächlich von Schieiden*) vertretene Ansicht war die, dass nur die Culturpfianzen von Parasiten befallen würden und dass dies eine Entartung der Gewächse in Folge der durch die lange Cultur abnorm veränderten Lebensbedingungen sei. Am längsten aber erhielt sich der Glaube, dass der entstandene Pilz zwar nicht geradezu eine Folge der Krankheit wäre, dass ihm aber stets eine krank- hafte Prädisposition der Pflanze vorausgehe, welclie den Boden für seine Entwicklung vorbereite. Nur durch sorgfältige mikroskopische Untersuchungen und durch die vorschreitende Kenntniss der Entwicklungs- geschichte jener Schmarotzer wurde es möglich, den richtigen Weg zu finden und solche irrthümlichen Hypothesen zu be- seitigen. Es gelang, den Zusammenhang der Sporen mit dem im Innern der Nährpflanze wuchernden Mycelium nach- zuweisen, man brachte die Sporen zum Keimen und durch Tulasne's, de Bary's und Kühn s Versuche wurde die Meinung widerlegt, dass zur Pilzansiedelung ein besonderer krank- hafter Zustand des Wirthes erforderlich sei. Diese Forscher bewiesen nicht allein die oft Jalire lang dauernde Keimfähig- keit der Pilzsporen, sondern sie übertrugen dieselben auch direct auf ganz gesunde Pflanzen, sie sahen, wie ilire Keim- schläuche ins Gewebe eindrangen, sich dort verzweigten zum neuen Mycelium und sie bewiesen so die Ansteckungsfälligkeit der Pilze. Natürlich werden dieselben bei geselligen Pflanzen weit zahlreicher und verheerender auftreten können, als bei ♦) Schieiden, Grundz d. wissensch. Botanik. III. Aufl. 1850. 64 solchon, (leron pinzolno Individuen weit von einander entfernt stehen und dies ist der Grund, dass die Culturgewächse oft so sehr von solchen Schmarotzern zu leiden haben. Es zeigte sich aber, dass wildwachsende Prianzen oft von denselben Pilzen und ebenso massenhaft befallen werden, ja dass sie sich häurtg" von ersteren auf Culturgewächse übertragen. Die Schmarotzerpilze verschonen keine Abtheilung des Ptlanzensystems ; sie finden sich bei den Cryptogamen, den Monocotyledonen und den Üicotyledonen. Entweder ver- ursachen sie eine bloss locale Affection ihres Nährwirthes und diese wird stets von einer Verkümmerung oder einer Verunstaltung des betreffenden Pflanzentheils begleitet, oder es wird, wenn sie weiter um sich greifen, allmählicji die ganze Pflanze getödtet. Sie kommen an der Wurzel, der Kinde, dem Holz- und Markkörper, den Blättern, besonders auf deren l'nterseite, und an den Blüthenorganen vor. Die vollständige Schilderung sämmtlicher bis Jetzt l»ekannter Schmarotzerpilze mit dem ganzen Krankheitsverlauf der befallenen Vegetabilien würde einen sehr grossen Raum in Anspruch nehmen; wir beschränken uns dahin- hauptsächlich auf die für uns wichtig- sten, welche die Culturgewächse heimsuchen. Besonders die Cerealien haben sehr durch Pilzparasiten zu leiden und es kommt häufig vor, dass ein und dieselbe PHanze gleichzeitig von mehreren ganz verschiedenen Species befallen wird. So kann der Stengel einer WeizenpHanze den Rost, der Fruchtknoten derselben zu gleicher Zeit den Steinbrand und das Mutterkorn zeigen. ( stila^iiKsu', ltiissbraii(l|»ilz<'. Die Verbreitung der Isfilaginecn ist eine sehr ausge- dehnte; Repräsentanten derselben wurofunden, dass alle Ustilaginoen als vogetative Grundlago ein reich verzweigtes, oft doppolt oon- tourirtes iMyeeliuin besitzen, welches sehr derbwandig und mit wässrigeni, vacuDlcnreiciieni Inlialt erfüllt ist. Die einzelnen Mycelfädcn sind oft von einer sehr dicken, weit verfolgbaren Cellulosescheide umgeben. Das I\Iycolium lässt sich von der Wurzel an aufwärts im Stengel bis zum Orte der Sporenbil- dung hin nachweisen, es wächst mit der sich entwickelnden Pflanze durch die ganze Länge derselben in die Höhe. Kühn hatte angegeben, dass beim AVachsthum des Myce- liums der protoplasmatische Inhalt desselben immer an der Spitze sich ansammle, worauf dann durch eine Scheidewand dessen Abgliederung erfolgen und der untere iiyaline Theil des Mycels absterben solle; v. Waldheini konnte dagegen, wenigstens zur Zeit der Sporenbildung, stets das Vorhanden- sein des gesammten Mycels constatiren und zwar vom Orte des Eindringens an bis zu der Stelle, an welcher die Sporen entstehen. Es ist dasselbe besonders bei Dicotyledonen meist äusserst schwierig aufzufinden; bei letzteren treten die Fäden reichlich in der Nähe der sporenbildt^nden Heerde auf. Dieses Mycelium nun verläuft entweder zwischen den Z<'llen des Nährgewebes odei" noch hau liger innerhalb der Zellen selbst. Seine Verzweigungen ballen sich oft zu Haft- organen zusammen, welche stets intracellulär auftreten, v. Wald- heini hat solche llaustorien, welche von de Bary vorher schon lirj Sorisporium Saponariae entdeckt worden waren, bei allen von iliin iiiitcrsiichleii l'slilagineen in grösserer oder geringe- rer ll;iiitii;keit \(»rncriindeii. Das Mycel kann mit Querwänden versehen sein oder dieselben können fehlen'; es mag dies mit seinem jeweiligen Alter zusammenhängen; de Bary hat nach- gewiesen, dass es viele .lahn' hindurch in den betretVenden Nährptlanzen zu perenniren im Stande ist. Aus dem beschriebenen Mycelium gehen an entsprechenden Stellen zahlreiche Zweige ab, welche eine zarte, gallertig auf- gequollene Membran und feinkörniges, ölhaltig(!s Protoplasma besitzen. I'>s sind dies die s|)orenbildenden I-'iwleii, welche immer . . uung mt grosse 1 \acuocn an- antli 1 ; , 1 '/ n .. ., 1 ., /•„ 1 w IM • i W(le .* hs 1 /elC 1 a ge- (niich WaliilRim). f* theilt. Die Sporiilien entstejn'n entweder zerstreut am Promy- celium oder in wirteligcr S(e||uug; in let/.ler(*ni l-alle wurden Fig. IS. 69 sie von Kühn Kranzkörporchen genannt. Sie sind moist läng- lieh, cylindriscli oder niorenförmig; oft erzeugen sie durch weitere Ausstülpungen sekundäre, ja tertiäre Sporidien und sie fallen immer einige Zeit nach ihrer Bildung vom Promy- celiuni ab. Sehr häufig zeigen sie die Erscheinung der Co- pulation, indem je zwei neben einander liegende vermittelst eines sehr dünnen, geraden oder gekrümmten Fadens nach Art einer Brücke sich H- oder biscuitförmig verbinden. V. Waldheim sah bei verschiedenen Arten die Sporidien, selten direct das Promelium, ohne dass es Sporidien bildete, einen hyalinen, besonders an der Spitze mit Plasma er- füllten Keinifaden treiben; doch konnte er in keinem Falle, trotz oftmaliger Wiederholung und Anwendung aller Vorsichts- massregeln, das P^indringen desselben in die Mährpflanzen be- obachten. Kühn dagegen ist dieser Versuch gelungen; der- selbe liess nämlich Weizenkörner in Erde keimen, welche befeuchtet und dicht mit den Sporen von Tilletia vermengt worden war. Er fand diinn später bei näherer Untersuchung besonders in der Gegend des Wurzelknotens der noch ganz jungen PÜänzchen zahlreiche in die Epidermiszellen einge- drungene Keimschläuche. Auch Hoftmann glückte es, dasselbe zu beobachten, aber nur in sehr seltenen, vereinzelten Fällen. Es ist vielleicht möglich, dass die Ustilagineensporen erst in eine ganz andere Nährptlanze eindringen, dort eine neue Fruchtform erzeugen und dass dann erst die Sporen dieser im Stande sind, auf der l)etretfenden Pflanze Ustilago zu ent- wickeln. Ein solcher heteröcischer Generationswechsel lässt sich um so mehr vermuthen, als die Ustilaginecn den ein solches Vorkommniss zeigenden Uredineen in so vielen Stücken verwandt sind, wodurch sie auch ihre systematische Stellung unmittelbar neben diesen erhalten haben. Doch können über diese Frage erst künftige Untersuchungen endgültige Entschei- dung bringen. Die bekanntesten und gefährlichsten unter den verschie- denen Ustilagineenarten sind besonders Tilletia Caries und Ustilago Garbo, Beide treten als die Ursache verderblicher Epidemien unserer Cerealien auf und sie wurden, nebst der ebenfalls am Getreid<5 vorkommend<.'n, aber viel selteneren und weniger nachtheiligen Urocystis occulta in neuerer Zeit 70 hosondors in den zalilroicluMi Arbeit t-n Ilnllier's oft genannt, indrni sie dieser Forselier als Ursaelie oder wenigstens als Begleiter zahlreicher Infeetionskrankheiton heim Menschen aufgefunden oder durch Cultur der hetretVcnden Krankhoits- stoHc erzogen haben will. Sie sollen daher, zumal sie zu- gleich Repräsentanten der Haupttypen der l'stilagineen sind, in Folgendem eine noch etwas eingehendere Besprechung finden. Till et ia Caries Tul. erzeugt den Stein- oder Körner- brand boi den verschiedenen Arten des Weizens, besonders hei Triticum vulgare. Dieser Pilz bringt seine Sporen stets nur im Fruchtknot'Mi zur Entwicklung; an jugendlichen Pflan- zen ist er jiusserlich sehr schwer zu eikennen, erst wenn die Achren erscheini'U, bemerkt man, dass die Aehrchen eine ganz eigen! hiimliche blaugrün»' Farbe besitzen und dass sie in ihrem Wachslhum bedeutend hinter den normalen zurückbleiben. Auch die Blätter der befallenen Weizenprianz(i sind kümmer- licher entwickelt und meist sind alle Aehren f eines Stockes brandig, in derselben Aelire aber ^<Ä .^^^^^^ stets sämmtlichc Kör- /^fp yy^^^^^^^ '^'^'' erkrankt. fl|| ^y^-'^^"^^ i) ß ^^ '^'*^ SamiMi sind ver- ^^ /^^ " ^ II ^ dickt und aufgedunsen; an Stelle des Eichens liudei man eine weiss- graue, breiige Masse, aus dicht verästelten lind verlil/,ten. sponMi- Fig. !!>. bildenden Fäden beste,- •r.iki.a c...ii,s. A s|...r.-ni.ii.i.M..ic J'ä.Un ; r. |„.,„i ^^fdclie bcim Aus- iinrcifi' S])orc mit Ocltropfcn ; B. rcilc; Sporni ' Ufkoimt. p. Proinyiiliimi, s. Knm/kör|.enlipn, einaiulerzerren Unter uclilio in C. sccimdiin' S|n)ii(iieii I». riit wickeln, ,],,.,, Mi| rosl on /•llll- «Icri'ii eine in c. ki-init (iiarli Küliii 1>. mihI C. ; ' i' A. imch V. Wahl heim). reiche, bimförmigelUäS- clii'U in versehiedenen Entwicklungsstadien zeigen, s. Fig. 1!>, A. Diese Bläschen, die künftigen Sporen, runden sich all- mählich ab, sie werden von düunen Zweiglein getragen, Fig. V^^ 71 endlich lösen sie sich von flen Fadon und letztere bilden neue Bläschen, von welchen oft zwei über einander entstehen können. Die junge Spore zeigt bei ihrer weiteren Ausbildung doppelte Contouren, die äussere Schichte färbt sich immer dunkler, endlich bildet sie das reife Episporium mit seinen eigenthiimlichen, gitterartigen Verdickungen, welche durch das Vorhandensein wasserärmerer und wasserreicherer Stellen in demselben entstehen. Während dieser ganzen Entwicklung der Sporen geht das Innere der Weizenkörner allmählich ins Blauschwarze über; die Sporenmasse ist in diesem Zustande noch weich und schmierig, dabei von sehr eigenthümlichem, höchst unangenehmem, häringsartigem Geruch. Man nennt diesen Zustand Stink-, Faul-, Schmierbrand oder Kornfäule. Weiterhin aber trocknet die Masse durch Verdunsten aus und die Sporen erscheinen dann als braun- schwarzes Pulver, Steinbrand, welches meist innerhalb des Ovariums eingeschlossen bleibt. Die Keimung der Tilletiasporen, welche ziemlich schwie- rig im Feuchten erfolgt, ist eine ganz eigenthümlich charac- teristische; sie wurde von Kühn und Tulasne zuerst beschrie- ben. Das sich ausdehnende Endosporium sprengt das Exospo- rium, es tritt hervor, verlängert sich zum Promycelium, dabei oft wurmförmig sich hin- und herbiegend. Seine Spitze ist reich mit Protoplasma erfüllt; der hintere Theil dagegen hyalin und meist zellig getheilt. Tritt dieses Promycelium an die Luft, so entstehen an seiner abgerundeten Spitze Einker- bungen in verschiedener Anzahl, s. Fig. 19 B; diese Kerbun- gen wachsen, sie werden endlich zu lang cylindrischen, dünnen Sporidien, welche strahlig nach oben divergiren, den Kranz- körperchen Kühn's. Sie fallen leicht ab und oft sind sie durch zarte Fädchen II -förmig mit einander verbunden. Häufig werden von ihnen gestielte sccundäre Sporidien abgeschnürt, welche sich ebenfalls isoliren und tertiäre Sporidien bilden können, Fig. 19 C. Oft aber entwickeln sie einen oder meh- rere Keimschläuche und es kommt auch vor, dass die Kranz- körperchen, die primären Sporidien, sogleich zu keimenbeginnen, wobei das untere Ende des Keimschlauchs abstirbt und nur das obere protopl^smaführende weiter wächst. Kühn beobachtete, wie diese beschriebenen Bildungen in 72 fi-f ior Luft auf (1"Mii Rodon der Aeckor, hoo-ünstigf von Rep;pn, Tliau etc.. MM- sich i;"clicn und er sah auch, wie hereits oben lienierkt wurde, das Eindringen der Keimschläuche in die Wurzelknoten junger Weizenptlänzchen. Bedenkt man, welch ungeheure Massen von Sporidien bei günstigen atmosphärischen Bedingungen erzeugt und wie sie von den Winden dann weithin verbreitet werden, so be- greift man, welche grosse Zerstörungen dieser Schmarotzer hervorzurufen im Stande ist. Und in der That sehen wir auch in manchen dahren den Steinl)rand in ganz besonders hervorragender und verder!)licher Weise auftreten. Tstilago (^arbo Tul. liudet sich auf versidiiedenen (Iras- arten, von den cultivirten besonders auf (lerste und Hafer; sein Auftreten verursaciit den sog. Staul)-, Kuss-, Flug- oder Nagell)rand, welcher in geringerem («rade verderblich ist als der Steinbrand. Der Parasit befällt entweder alle Blüthentheile der Aehren und Rispen oder sein Erscheinen beschränkt sich nur auf eine partielle Ansiedelung, sei es auf einzelnen Aehrchen oder auf besonderen Organen derselben. Auch hier zeigt sich eine an- fangs üppigeri^ P>ntwicklung und eine dunklere Färbung der Nährptlanze; bald aber vergilben und verschrumpfen die Blät- ter und bei der weiteren Ausbildung des Pilzes werden auch die Blüthenhiilh-n zerstört und die nackten Bliithenorgane sind dann mit einini schwarzen, leicht verlliegenileii riihcr, den reifen Sporen, bedeckt. Diese Erscheimmg zeigt sich schon sehr bald, oft in Rispen, welche noch von der Blattscheide umschlossen sind. Es ist vi(d schwieriger als l»eini S|«'iiil)raiid hier die ersten Entwicklungszustände aufzulindiMi. Es zeigt sich anfangs im h^iiichlkiu)ten etc. eine sobachtung richtig sein mag, so scheint es doch, dass die Weiterentwicklung der Sporidien an ganz besondere, noch völlig unbekannte Bedingungen geknüpft ist. Die Lösung dieser Fragen bleibt der Zukunft vorbehalten. Urocystis occulta Rabh. Ix'wohnt den gemeinen Rog- gen und den Weizen und z\vai- ist sein Vorkommen ein im Allgemeinen mir seltenes. Dieser Parasit ist die Ursache des Roggen-Stengelbrandes und er befällt nicht blos die Stengel, sondern auch dii' iilaltscheiden und Fruchtknoten und zwar in der Weise, dass entweder alle diese Organe gleichzeitig oder nur eines derselben erkrankt ist; das Hrandigwerden der Halme bewirkt aber immer ein Verkümmern und Ab- welken d(!r Aehreii. Zuerst erscheinen weisse Streifen und j^'lecken, dieselben werden immi'r dunkler, zuletzt schwarzbraun, worauf die Epi- I 75 dermis des erkrankten PHanzontlieils gesprengt wird und die reifen Sporen als schwarzes Pulver in massigen Anhäufungen frei an die Obertiäche hervortreten. Bisweilen ist die befal- lene Aehre fast vollständig in dieses Brandpulver aufgolöst. Wäiirend nun bei den vorher beschriebenen Ustilagineen-Gat- tungen Tilletia und Ustilago die Sporen bei ihrer Reife aus- einanderrücken und sich schliesslich völlig gegenseitig isoliren, bleiben sie bei Urocystis in dichten Gruppen als Sporenballen vereinigt. Man ist im Stande, auf einer Nährpflanze gleich- zeitig alle die verschiedenen Entwicklungszustände des Pilzes zu verfolgen. Zunächst er- kennt man bei der näheren mikros- kopischen Unter- suchung, dass obige weisseStrei- fen aus dicht ver- wirrten und ver- ästelten sporen- bildenden Fäden bestehen, welche zahlreiche blasen- artige Ausweitun- B. gen getrieben ha- Fig. 21. Urocystis occulfa. A. Sjiorcnbilclendc Fäden reife Sporen keimend (nach Kühn). ben, Fig. 21, A. Letztere grenzen sich ab und es erfolgen in ihrem Innern noch zwei bis drei Theilungen. Die dadurch entstandenen Zellon füllen sich mit dichtem Protoplasma, erhalten rund- liche oder unregelmässig eckige Gestalt und umgeben sich mit einem dicht^Mi, dunkelbraunen Episporium. Die so ent- standenen Sporen bleiben fest mit einander im Zusammen- hang; eine jede von ihnen ist keimfähig. Später sind sie noch von mehreren, weit kleineren, halbkugligen, anfangs farblosen Zellen umgeben, welche fest an der breiteren Seite mit ihnen verwachsen sind, Fig. "21, B. Diese letzteren Zel- len sind nicht im Stande, zu keimen, ihre Membran wird später schwach hellbraun gefärbt, sie sind durchscheinend und besitzen einen klaren, farblosen Inhalt. Die Ansichten über 76 dif> Entstohnns; diesor oic;pnrliümliclion Körporchon sind noch getheilt; Kühn glaubt, dass sie durch seitliche Sprossung aus den dunklen Sporen hervorgehen, und er betrachtet sie als Nebensporen; de Bary nimmt an, dass sie mit den eigent- lichen Sporen nichts zu thun haben, dass sie vielmehr aus Jungen Ilyphen des Pilzes gebildet werden, welche sich aussen an die Spore fest anlegen und dann septiren. Dies wird wohl das Richtigere sein, da bei Sorisporium Saponariae, welches ebenfalls Sporenballen bildet, ein ganz ähnlicher Vorgang stattfindet. Die Keimung dieser unglclchwcrthigen Sporengruppen er- folgt bei Gegenwart von Feuchtigkeit, wobei aber aus einem Knäuel höchstens zwei bis drei verschieden lajige Keim- schläuche gebildet werden, Fig. _'l, Ji. Die kräftiger ent- wickelten Promycelien erzeugen in älinliclior Weise wie bei Tilletia Kranzkörperchen, dieselben sind aber hier weniger zahlreich, sie besitzen ungleiche Länge und Dicke und die H-förmige Querverbindung kommt nur selir selten vor. Nach der Isolirung von dem collabirenden Promycelium wachsen sie weiter aus, indem sie einen dünnen Keimschlaudi und nur selten secundäre Sporidien bilden. Schwächere Promy- celien bringen gar keine Kranzkürpcrchcü hervor; dieselben verästeln sich entweder gablicli oder es entstehen an ihrer Spitze oder seitlich einige Sporidien. Im (lanzen ist die Sporidienbildung bei diesem Pilz nicht so häufig wie bei den andern Ustilagineen, und damit mag viell(Mcht auch sein selteneres Voikommen im Zusammenhang stehen. Auch ist es nicht bekannt, wie die Sporidien sich weiter verhalten, wie sie ins Innere der Nälnpflanz(> eindringen und wie dann das neue sporiMibildendc^ iMycelium entsteht. l rnliiK'iie, Kost pi Ixe. hie l'rcdineen stehen in uninillejbarer Verwandtschaft mit den rstila;:;ine('.n; sie fheilcii maiiehe iM'gentliiindiehkeilen in den FntwicklungscrscheinungeM mit diesen, doch sind die 77 meisten durch einen viel reicheren Generationswechsel ausge- zeichnet. Diese Familie besitzt eine ganz ausserordentliche Verbreitung und sie bietet die besten und auffallendsten Bei- spiele für den Polymorphismus der Pilze dar. Entscheidende Untersuchungen darüber wurden besonders von Tulasne*) und de Bary**) ausgeführt. Sie fanden, dass eine grosse Anzahl dieser Pilze, welche früher für selbstständig gehalten und getrennt als besondere Arten beschrieben worden waren, in einen einzigen Entwick- lungskreis zusammengehören und dass diese verschiedenen Formen entweder sänimtlich auf einem Wirthe successive sich ausbilden oder dass nur wenige darauf zum Vorschein kommen, während die übrigen merkwürdigerweise eine der ersten gänzlich fernstehende Nährpflanze für ihr Gedeihen nöthig haben. Das letztere lindet bei den die Gräser und Cyperaceen bewohnenden Rostarten statt. Die Uredineen bilden eine vollständig endophytische Fa- milie, ihr Mycelium kommt im Innern der befallenen Pllanzen- theile zur Entwicklung, ebenso ihre Sporen, welche dann erst bei beginnender Reife durch ihre Ausdehnung die Epidermis sprengen. Es zeigen sich anfangs helle, gelbliche Flecken und Streifen an Stengeln und Blättern, besonders auf der Unter- seite der letzteren, welche immer mehr sich l)raun färben und bei der Reife als dunkles oder orangefarbenes Staubhäuf- chen den Inhalt frei an die Oberfläche treten lassen. Die erste Entwicklung, mit welcher der Formencyclus der Rostpilzc beginnt, besteht in der Ausbildung der IJredo- sporen, Fig. 22. Man findet bei näherer Untersuchung in dem die befallene Stelle umgebenden Zellgewebe ein dichtes, aus *) Tulasne, Memoire sur les Ured. et 1. Ustilag. An. d. so. nat. 3. Serie t. VII. 1847. Tulasne, Second Memoire s. 1. Ured. et 1. Ustil. A, d. sc. nat. 4 Serie, t. II. 1854. **) de Bary, Rechcrches sur le developpement de quelques Cham- pignons parasites. Annalcs des sciences naturelles 4. ser. t. II. 18G3. de Bary, Unters, über Uredineen Monatsbcr. d. kgl. Academie d. Wissensch. z. Berlin 1864. 1865. 1866. de Bary, Annalen d. Landwirtliscli. i. d. preuss. Staaten. 23. Jahrg. II. III. 1865. S. 148. 78 zalilroiclion Hyphen bestehondos My»-oliuniQ,otlo('ht, wolches sich bald zu einom Hacheii, p()lstorförinii;en Stronia V(M-tilzt, wobei die unmittelbar unter der Epidermis liegenden Enden der Fäden keulenförmig anscbwellen und so eine gedrängt an- einanderliegende Reihe von Basidien darstellen. An der Spitze dieser Basidien werden als ovale, rasch sich vergrössernde Ausstülpungen die einzelligen, eiförmigen oder rundlichen Uredo- sporen abgeschnürt, Fig. 22; durch den Druck des immer Fig. 22. Uredo-Rasen von Tuccinia Hclianthi (nach Woronin). ni. Mycclium. ii Uvedo- sporcn. mehr sich ausdehnenden Parasiten wird zugleich die Oberhaut zerrissen und die leicht abfallenden Sporen w(Mden dann vom Winpisp(»riuni und hleihcn entweder einzellig, wie bei Tromyces Fig. 24 A. oder sie werden dmch Scheidewände in zwei Zellen getheilt, wie bei Puecinia Fig. 24 B. oder in drei, wie bei liiphi\ignunin Fig. 25 A. oder Fig. 25. A. Tri|iliragmiuni Ulninvino: 15. riiiaij:iiii(linm Imlbosuni Sclini. ii Kzc; beide rrüm_voclieii (> und daran Spuiidicii s entwickelnd, (nach Tnlasno.) endlich, sie zerfallen in 4 — 8 Abtheilnngen, wie dies bei der (laftung IMiragmidium Fig. 25 li. der l\ill ist. Hei der Keife bleiJKMi diese Teleulosporeii fest mil ihri'ii Slieleii verbund(Mi, sie fallen meist nicht al», sondern stehen in l>raunen oder s(li\varz<'n Häufchen mit einander vereinigt auf ihrer Nähr- pllanze. Die Teleutosporen haben den Zwei 1<, die Art den Winter hindurch zu erhalten; sie Idlden also Dauerspin-eii, welche erst eine Zeil lang ruhen müssen, bevor sie im Stande sind zu k(Mnn'n. l)iese Keimung erfolgt mit Beginn des Frühjahrs. Aus iinvn, in der dicken Aussenhaut lielindli( hen Keimporen dringt ein meist uckrümmter, dicker, reich mit körnigem l'roto- 81 plasma erfüllter Schlauch heraus, dessen Längenwachsthum still steht, nachdem er etwa die dreimalige Grösse der Spore erreicht hat. Dieser Keimschlauch ist ein Promycelium, welches nur selten, wie bei Coleosporium, einfach und unge- theilt bleibt, sondern gewöhnlich Querwände erhält, wodurch es meist in vier Zellen zerfällt wird. Jede von diesen Zellen, mit Ausnahme der gewöhnlich längeren untersten treibt ein kurzes, cylindrisches Sterigma, an dessen Spitze eine rundliche oder nierenförmige Sporidie abgeschnürt wird, Fig. 24 u. 25. Nach Bildung von meist drei bis vier Sporidien stirbt das Promycelium sehr bald ab, während erstere vom Winde verweht werden und so auf die für ihre Weiterentwicklung geeignete Nährpflanze gelangen. Hier treiben sie kurze, pfriemenförmige Keimschläuche, welche unmittelbar die Wand der Epidermiszellen durchbohren, worauf der ins Innere ge- langte Theil sofort bedeutend anschwillt, indem das gesammte Protoplasma der Sporidie in denselben überfliesst. Bald ent- steht dann ein im Parenchym des Wirthes sich verbreitendes Mycelium und nach Verlauf von acht bis zehn Tagen bemerkt man die neuen unter der Epidermis zum Vorschein kommen- den Fructificationsorgane. Zunächst sammeln sich unter der Oberfläche der kranken Organe die einzelnen Fäden des Mycels in dichter Masse und an einzelnen Stellen gruppiren sie sich in der Weise, dass hohle, allseitig geschlossene Behälter von rundlicher, krug- formiger Gestalt entstehen. Es sind dies die den Pe- rithecien ähnlichen Spermo- gonien, auf deren Innenwand eine aus dünnen, pfriemen- förmigen Fädchen bestehende Hymenialschichte sich ausbil- det, an welcher eine grosse Menge zarter, farbloser Sper- matien abgeschnürt werden, Fig. 26. Nach oben besitzt das Spermogonium einen 6 Fig. 26. Puccinia Helianthi ; Spcrmogonien. Paraphysenfäden (nach Woronin). P- 82 kurzen Hals, wolchor schliesslicli die Epidermis durchbricht und sich öHnet; es werden dann die Spermatien, mit Gallerte gemengt, entleert, während dabei oft die langen, feinen Pa- raphysonfäden zur Miindmig" herausragen, s. Fig. 20, p. Bei Triphragmium Uhnariae und l)ei Phragmidium stehen, wie Magnus vor Kurzem gefunden hat, die Spermatien ab- schnürenden Sterigmata unmittelbar, eine tlache Schichte bil- dend, frei unter der durch sie wulstig emporgehobenen Cu- ticula der befiillenen Pflanzentheile. Es fehlt also hier das Gehäuse vollständig; ein Fall, welchen de Bary schon früher in ähnlicher Weise bei Aecidium elatinum und Aecidium leu- cospermum beobachtete, nur mit dem Unterschiede, dass hier auch Paraphysen mit gebildet werden, deren äusserste sich gegen die mittleren umbiegen, so dass also dadurch eine Art von Mündung entsteht. Die eigentliche Bedeutung der beschriebenen auch bei anderen Pilzfamilien, den Trcmellinen und Ascomyceten, sovNie bei den Flechten aufgefundenen Spermogonien und Spermatien ist noch in völliges Dunkel gehüllt. Letztere sind noch nie- mals zum Keimen gebracht worden; auch ist die Behauptung einzelner Forscher, dass sie männliche Organe, Spermatozoi- den, seien, noch Ix'i keiner Art nachgewiesen worden. Diese Organe l)ilden aber bei den Uredineen stets die Vorläufer der am vollkommensten organisirten Frachtform, der Aecidien, und es ist imuierliin möglich, dass sie zu dieser in irgend einer geschlechtlichen Beziehung stehen, zumal bei den Rost- pilzen noch keine Art von Befruchtung aufgefunden werden konnte. Die Spermogonien stehen entweder vereinzelt oder sie sind umgeben oder vermischt mit einer Anzahl der nun zu beschreibenden Aecidienbechcr. Die Entstehung dieser den Formenkreis der Uredineen b<'schliessenden Orgaiuj findet in der Weise statt, dass sich einige, ZeMenlagen unter der Epidermis des Wirthes ein aus dicht vertlochtiMwn Myccltaden bcsteh<'nder rundlicher Körper bildet. J)i(i anfangs kleinen Zellen desselben nehmen rasch an Umfang zu, sie drücken das umgel>ende Gewebe der Nähr- pllan/.r zur Seite und stellen bahl «in«' aus pseudoparenchy- uiatisdicn Zc'Uen bestehende Mereucliynimasse vor, welche 83 allseitig von einer Scliichte der gewöhnlichen cylindrischen Mycelfäden umgeben ist. Am Grunde dieses Körpers kommt nun die Hymenialschichte zum Vorschein, zusammengesetzt aus einer Lage länglicher, nach oben keulenförmig ange- schwollener Zellen, der Basidien, von welchen jedes eine Reihe durch gegenseitigen Druck meist eckige Form an- nehmender Sporen abschnürt, Fig. 27. Während so das Innere des jugendlichen Aecidiumbechers mit den Sporen an- gefüllt und dessen Merenchymgewebe auf einen immer klei- neren Raum zusam- mengepresst wird, entsteht rings um die Peripherie eine Hülle , welche aus den abortirenden Sporenzellen der äuss ersten Reihen gebildet wird. Auch diese besitzen eine polyedrische Ge- stalt, doch ist ihre Grösse weit bedeu- tender als die der Sporen, ihr farb- loser Inhalt verschwindet meist später und ihre Membran ist sehr stark verdickt und zeigt einen äusserst zierlichen, aus lauter parallel geordneten Leistchen zusammengesetzten Bau Fig. 27 p. Die Peridie dehnt sich mit den im Innern befindlichen Sporenketten immer mehr aus, die Epidermis der NährpHanze zen-eisst endlich und der Scheitel der Hülle wird durch Risse oder seitliche Schlitze oder regelmässig gitterartig durcli- brochen, worauf dann die obersten Zellen allmählich vollstän- dig auseinander treten. Das Aecidium erhält so eine becherartige Gestalt und die Sporenketten fallen heraus, Fig. 27. Die Sporen sind sogleich keimfähig; ihr Inhalt ist meist durch Oeltropfen Sie entwickeln auf ihrer Nährpfianzf iin- verästelte Keimscliläuche, ö* Fig. 27. Puccinia Helianthi; Aecidienform. p. (nach Woronin). Peridienzellen Orangeroth gefärbt. regelmässig gekrümmte häufig 84 welche durch dio Spaltr>ffmingeii eintreten, worauf dann nach Aushihlunü: des Myccliunis wieder die erste der besdiriebcnen Fructiticationsfornicn, das Uredo, hervorgeht. Die Uredineen besitzen also fünf verschiedene Organe, welche ihre Fortpflanzung vermitteln; doch nur bei den wenig- sten ist der Entwicklungsgang ein so regelmässiger, wie er eben beschrieben wurde. Die gesetzmässige Reihenfolge findet bei einzelnen Arten der Gattungen Tromyces und Puccinia statt; bei allen übrigen treten sehr mannigfache Modificationen auf. So kann bald das Uredo vollständig fehlen, bald können bei bestimmten Arten die Teleutosporen ohne Ueberwinterung gleich direct ein Promycelium und Sporidien ausbilden. Bei der Gattung Endophylluni kennt man nur Aecidien und Sper- mogonien; die Sporen der ersteren bringen ein sporidienab- schnürendes Promycelium hervor und aus den keimenden Sporidien entwickeln sich wieder nur diese beiden Form- genera. Ausserdem existiren noch viele isolirte Uredo-, Te- leutosporen- und Aecidiumfornien, von denen es sehr wahr- scheinlich ist, dass sie später auf verschiedene Weise mit ein- ander vereinigt werden. Der Schaden, den die Rostpilze durch ihren Parasitismus anrichten, ist bei weitem nicht so bedeutend wie bei den Branr Membran und treibt hierauf (Mst einen Keimsclilauch, Fig. 31, a— d. Ausser diesen auf ungeschlechtlich om Wege entstandenen Fructificationsorganen besitzen die Peronospnrcen auch noch derl)vvandige Oosporen, welche durch Befruchtung am Myce- lium entstehen und zur lleberwinterung Ix'stininit sind. Ab- gesehen von einigen Abänderungen ist die Bildung dieser Oosporen bei den verschiedenen Arten eine mit einander übereinstimmende; sie wird unten an einem speciellen Bei- spiel näher «'rläiitert werden. Die reifen Oosporen besitzen ein rauhes, dunkel gefärbtes, unregelmässig höckeriges, mit Warzen, Runzeln oder Leisten versehenes Episporium und ein derbes, gescliichtetes Endosporium. Die weitere Ent- 91 wickluncf dieser Sporen ist nur in we- nigen Fällen beobachtet worden; ent- weder zerfällt ihr Inhalt in Zoosporen oder bei Peronospora Valerianellae wird das Exosporium gesprengt und es tritt ein sich reich verzweigender Keimschlauch heraus, dessen Eindrin- gen in die Nährpflanze übrigens nicht beobachtet werden konnte. Auf zahlreichen Cruciferen, beson- Fig. 31. Peronospora densa; a. und b. " "^.•x.vv.-^».v^*i v^mv/.tv^iv^xij Ausschlüpfen des Protopias- ders auf dem gemeinen Capsella Bursa mas der Conidie; c. Abrund- , . i i i j^ ^ i •• /• ung desselben, wobei es sich pastoris, beobachtet man hauhg mon- mit einer zarten Membran um- gtröse Anschwellungen , welche sich giebt; d. Entwicklung des ., ,. T>i-ij. t c^^ i i t-.i Keimschlauches, (nach de uber die blatter, die btengel und ßlu- ßary.) thenorgane verbreiten und auffallende Verkümmerungen derselben veranlassen. Neben diesen krank- haften Degenerationen erkennt man zugleich einen schneeweissen Ueberzug, mit welchem die leidenden Theile der Pflanzen bedeckt sind. Diese ganze Erscheinung wird mit dem Namen des sog. weissen Rostes bezeichnet und die Ursache desselben ist ein parasitischer Pilz, Cystopus candidus, dessen voll- ständige Entwicklungsgeschichte zu verfolgen de Bary*) ge- lungen ist. Man findet das sehr ästige, mit farblosem Proto- plasma erfüllte Mycelium desselben innerhalb der Inter- cellularräume der Nährpflanze verlaufen, wobei es das Paren- chym vermittelst Saugwarzen durchbohrt, welche innerhalb der Zellen kuglig anschwellen, Fig. 30, h. Unterhalb der Epidermis bildet dieses Mycelium zahlreiche keulenförmige Ausstülpungen, die Basidien, welche successive an ihrer Spitze eine Reihe farbloser, sämmtlich gleichgrosser und durch dünne Stielchen mit einander verbundener Conidien dadurch bilden, dass der obere Theil des Basidiums durch eine horizontale Querwand als Spore sich abgrenzt. Darauf zerfällt diese Wand in zwei Lamellen, welche sich gegen- einander halbkuglig emporwölben, wodurch dann die Conidie schliesslich abgegliedert wird, während das Basidium sich *) de Bary, Recherches sur le d^veloppemcnt de quelques champ. par. Annal. d. sc. nat. 4. sdrie t. II. 1863. 92 etwas verlänf?ort und denselben Process wiederholt, Fig. 32, A. Sämiiitliclic Conidien sind mit einer dünnen, gemeinsamen Membran überzogen, wodureh sie zusammengehalten werden und jede neu entstehende schiebt die schon fertigen vor sich her, so dass durch deren Druck zuletzt die Epidermis durchbrochen wird, worauf sie sich von einander trennen und '^ in Berührung mit hinreichender /^ Feuchtigkeit Zoosporen aus- bilden, Fig. 32, B. Das eine Ende der Conidie Pig, 32. delint sich nämlich Üaschen- CystopuB candidus; A.conidicntragen- förmig auS, es entstehen im der Zweie des Mvceliums; B. Schwärm- ^ vt„ ■ i i , sporenbildung; C. Zoosporen ausge- l^nem VaCUOlen, welche nach schiüi'ft, bei d schwärmend, bei e kei- kurzcr Zeit wieder verschwin- men . (nac c ary.) ^^^^ endlich tritt eine deutliche Sonderung des Protoplasmas in fünf bis acht Parthieen ein, worauf an der Papille eine Oeffnung erscheint und die ge- bildeten Zoosporen eine nach der andern langsam heraus- schlüpfen. Anfangs bleiben sie als unbeweglicher Klumpen vereinigt vor dor lAlündung liegen, Fig. 32, C, bald aber strecken sie ihre Cilien aus, der Ballen beginnt zu oscilliren, endlich trennen sicli die einzelnen Zoosporen von einander und schwärmen selbstständig umher Fig. 32, d. Dieselben sind linsenförmig, sie besitzen eine seitliche Vacuole, welche bei der Bewegung immer vorausgeht und an deren Rand sich zwoi lebhaft schwingende Cilien betinden. Nach Verlauf von zwei bis drei Slundcn stellen sie ihre Bewegung ein, die Cilien versciiwind deren Stielchen eine gal- lertartig aufgelockerte Beschaffenheit erhalten, fallen bei der geringsten Erschütterung sehr leicht ab; am oberen Ende be- sitzen sie eine stumpfe Papille und ihr Inhalt besteht aus farblosem, körnigem Protoplasma. Bringt man sie in einen Wassertropfen, so entwickeln sie ovale, einseitig abgeplattete Schwärmsporen, Fig. 34, B und C, deren Bildung und Aus- schw'ärmen in ganz derselben Weise vor sich geht, wie es oben bei Cystopus candidus beschrieben wurde. Ausserdem besitzen aber die Conidien noch die Fähigkeit, gleich direct in einen Keimschlauch auszuwachsen, Fig. 34, E, b, welcher sich reichlich mit Protoplasnici anfüllt, verzweigt und alle Eigenschaften eines Myceliums annimmt. Eine dritte, aber seltene Art der Entwicklung geht so vor sich, dass die Conidie einen Schlauch bildet, dessen Spitze blasig anschwillt; diese Anschwellung vergrössert sich, das Plasma tliesst in sie über, sie gliedert sich durch eine Scheidewand ab und erhält nun die vollständige Gestalt einer gewöhnlichen Conidie, Fig. 34 E, a. Ja de Bary sah sogar, wie aus solchen secundären Conidien noch tertiäre entstanden, während sie alle bei gün- stigen Verhältnissen Schwärmsporen zu bilden im Stande waren. Die Keimschläuche der zur Ruhe gekommenen Schwärm- sporen Fig. 34, D, treten entweder durch die Spaltöffnungen der Blätter ins Innere oder sie bohren sich auch direct durch die Wand der Epidermiszellen. Der eingedrungene Faden schwillt durch Uebertliessen des Plasmas bedeutend an, Fig. 34, F, während der aussen befindliche Theil der Zoospore un- deutlich wird und bald abstirbt. Der Keimschlauch verästelt sich sogleich zum Mycelium, indem er die gegenüberliegende Wand der Epidermiszelle durchbricht, wodurch er dann zwischen die andern Zellen gelangt und dieselben beim Weiterwachseu überall auseinanderdrängt. Die nächste Umgebung des eingedrungenen Parasiten wird gebräunt, die Bräunung schreitet dann von Zelle zu Zelle fort, 80 dass der sichere Beweis vorliegt, dass die Peronospora die einzige, unmittelbarf Ursache der gau'.en Krankheits- 7 98 orsflioiiiunp; ist; von don Rlättern vorbroitot sich das Mycol woitor auf die Stengol und es gelingt leicht, in solchen kran- ken Ptlanzontheilen die Gegenwart des Pilzes durcii Ueber- decken mit Glasglocken b(^ Gegenwart von Feuchtigkeit nach- zuweisen, wo sich dann bald überall ein weisser Ueberzug von fnictiticirender Peronospora bildet, de Bary iiat durch einen schlagenden Versuch nachgewiesen, dass die Knollenverderb- niss auf ganz derselben Ursache, wie die Blattkrankheit be- ruht. Er lialbirte eine vollständig gesunde, reine Kartoffel- knidle und brachte jede Hälfte mit etwas Wasser bei ganz gleichen Bedingungen unter eine Glasglocke. Die eine diente als Controllversuch, die andere wurde mit möglichst wenig Gonidien von Peronospora besät. Die Obertläciie der besäten Hälfte zeigte nun bald alle die characteristis(dien Eigenschaf- ten der Kartoflelkrankheit; es entstanden braune Flecken, welche immer weitere Ausdehnung gewannen, endlich das k'artoifelstück in einer zusammenhängenden Schichte umzogen und schliesslich je nach dem Grade der Feuchtigkeit dessen Zertiiessen in Jauche oder ein vollständiges Einschrumpfen veranlassten. Ausserdem zeigten sich bei beginnender Bräu- nung zahlreiche Anllüge von fructiticirender Peronospora. Die nicht besäte Hälfte dagegen blieb, während die andere schon längst verfault war, völlig gesund und bedeckte sich nur auf der Schnittfläche mit einer Schichte von neu gebildeten Kork- zellen. Man hat es also ganz in der Gewalt, die Ansteckung der Knollen nach Belieben auszuführen und was hier im Ex- periment künstlich geschehen ist, erfolgt in der Natur auf ganz ähnliclie Weise. Die massenhaft von den Blättern der Kartolfel pflanze auf den Erdboden faUenden Conidien finden nändich hier die weiteren iJedingungen für ihre I^ntwicklung besonders l'^'uchtigkeit , vor. Sie werden durch das Wasser tiefer ins ErdnMch eingeführt, keimen oder entlassen Zoospo- ren, welche in die KnoUeii eiiidiiiii;iii und so ebenfalls, wie oben in den Hlälleni, die IJräunung der Z(dlen und deren Zerstörung beginn' ii. AikIi hierixd wuchert «las Myc(dium in- tracejlulär und es bibjet liäufig ins Innere der Zellen eindrin- gendem Ilaustorii'ii. .ledr kr.iMki' Knolle enfwicUell, unter eine Glasglocke gei)iacht, üppi;; wachsende Peronospora, deren 99 Fruclithyphen häufig mit Quorwänden versphon sind. Wenn aber die Zersetzung weiter fortgescliritten ist, so verscliwindet die Peronosporii, dagegen treten dann als secundäre Erschei- nungen verschiedene Schimmelpilz»*, besonders Fusisporium Öolani und Spicaria Solani, auf, welche aber mit der Perono- spora in keinem ZusammiMihange stehen; sie ernähren sich vielmehr als ächte Saprophyten von den Fäulnissproducten der abgestorbenen Kartoftelknolle. Ausser den beschriebenen Conidien kennt man keine weiteren Fortpflanzungsorgane bei Peronospora infestans ; es ist noch nicht gelungen, wie bei den meisten übrigen Perono- sporeen, überwinternde Oosporen aufzufinden. Die Conidien aber sind nach den darüber angestellten Versuchen nicht im Stande, den ganzen Winter hindurch ihre Keimfähigkeit bei- zubehalten; dieselbe erlischt schon nach einigen Monaten. Der Pilz überdauert den Winter vielmehr dadurch, dass sein Mycelium in den Knollen perennirt und im Frühjahr der Weiterentwicklung fähig ist; es wächst dann in die jungen Triebe hinein und je mehr sich diese vergrössern, desto mehr breitet es sich aus, bis es endlich in den Blättern von kleinen, unscheinbaren Anfängen ausgehend wieder zur neuen Frucht- bildung gelangt. Die entstandenen Conidien verbreiten sich von einer Pflanze zur andern; ihre Zahl potenzirt sich in wachsendem Verhältniss und es kann so durch eine einzige kranke Saatkartofliel bei günstigen Bedingungen die Epidemie in weitere Kreise verbreitet werden. Es scheint, dass die ge- schilderte Kartoffelkrankheit, welche in Folge ihres verheeren- den Auftretens erst in den letzten Jahrzehnten die allgemeine Aufmerksamkeit erregt hatte, schon früher vielfach, wenn auch nie sehr ausgedehnt, vorgekommen ist und dass sie mit andern Krankheiten, z. B. der Kräuselkrankheit, verwechselt wurde. Die Kartoffelpflanze wird überhaupt noch von manchen anderen Uebeln heimgesucht, welche aber alle bei weitem nic^ht so häufig und so verderblich auftreten, wie die durch Pe- ronospora verursachte Erkrankung. Bei dem sogenannten Grind und Schorf der Kartoffel fand Kühn einen Pilz, Rhizoctonia Solani, thätig, dessen farbloses .Mycel im Gewebe wuchert, während es, sobald es an die Olx'iiläche tritt, rothbraün ge- ■7* 100 färbt ist. Die oberste Scbichte der Korkzellen wird duroli die Vegetation dieses Pilzes krankhaft verändert, ausgedehnt und endlich in unregelmässige Fetzen zersprengt. Dieser Parasit scheint ein PyrenOniycet zu sein, da Kühn bemerkte, dass die violetten Ausstülpungen desselben sieh schliesslich zu einem scheinbar zelligen, rundlichen oder länglichen Kör- per mit einander verbinden. Pyrenoniycetes. Diese grosse Familie bietet vortreffliche Beispiele zur Erläuterung der mannigfachen Formwandlungen der Pilze dar. Die einzelnen Arten leben theils auf verwesenden, todten Stoffen, auf Excrementen oder faulenden Blättern und Zwei- gen, thi'ils bewohnen sie die Blätter, die Rinde oder das Holz lebend<'r PHanzen. Die einen breiten ihr Myceliuin spiiin- webeartig auf der OberHäche der Substrate aus, ihre ganze Entwicklung durchlaufen sie als Kpiphyten, andere siedeln sich imieihalb des (jlewebes der xNährwirthe an und erst bei der Keife durchbrechen sie zum Zweck der Sporenentleerung' die Oberhaut. [)ie durch iliren ganzen Bau und durch ihre Entstehung complicirtesteii l'ruclitfoiinen dej- Pyrenomyceten sind schlaucliartige Behälter, die Perithecien, deren Anlage höchst wahrscheitiJich ein u('silile(litlich(,'r Befruchtungsact vorhergeht. Derselbe findet iiiimlicli, wie man bei einzelnen Arten beo- bachtet hat, in der Weise statt, dass an den Mycelfäden eigen- thümlicli gestaltete Aussackungen oder Zweige sich bild<'n, welche ii<'\vöhiilich kuglige h'(irm aiini'limen und sich durch eine Wand als selbst ständige /eilen aitgrenzen; sie verhalten sich vollständig als weibliche Organe und wurden von de Bary mit ib'iM Namen ('arpogoniiiin oder Ascogoiiiuiii belegt, Fig. Hb, A. a. \'oM einem benachbarten Faden wächst zugleich ein diinuer, cylindrischer {"'ortsatz an das Carpogonium heran; es ist dies die männliche /<;lle, das Pollinodium, Fig. 35, A, b, welciies bald, innig dem Ascogonium angeschmiegt, den Scheitel dess'-lben erreicht, worauf es ebenfalls von seinem 101 Mutterfaden zerfällt. sieh abgrenzt und oft noch in mehrere Zellen In den meisten Fällen konnte keine direete Verschmelzung des Inhaltes dieser beiden Ge- schlechtszellenwahrgenommen werden, es muss die Befruch- tung also blos durch diosmoti- schen Stoffaustausch vor sich gehen; nur bei Eurotium wurde eine wirkliche Copulatinn des PoUinodiums mit der obersten Zelle des hier schraubenför- migen und etwa 4 — 5 zelligen Carpogoniums beobachtet, ein- geleitet durch Resorption einer kleinen Stelle der beiderseiti- gen Membranen und dadurch vermittelte Mischung des Plasmas. Bald nach der Bi^fruchtung Fig. 35. Soi-daria fimiseda DNtrs. A. 720. Erste Anlage des Peritheciums ; a. Car- pogonium; b. Poiiinodium, welche in B wachsen zahlreiche Schläuche beide von zahlreichen Fäden über- wachsen werden, so dass ein dichtes Knäuel entsteht. (nachWoronin) (B, 620- fach. Vergr.) von unten her am Ascogo- nium hinauf, sie verzweigen sich, und umgeben dasselbe, sich vielfach theilend, bald mit einer allseitig geschlossenen parenchymatischen Hülle, Fig. 35, B. Durch Differenzirung und neue Verzweigungen bilden sich dar- auf die verschiedenen Schichten des Peritheciums aus: Die Wandschicht, Fig. 36, a, auf welche das sogenannte Füllgewebe folgt und durch Theilung und Verzweigung des Carpogoniums kommen im Innenraum aus den Zellen desselben mehr oder weniger zaiilreiche Sporenschläuche zur Ausbildung, in vveU-hen eine verschiedene Anzahl von Sporen entsteht. Die Perithecien stehen entweder isolirt von einander auf der Obei-fläche des Substrates; in diesem Falle ist ihre Aussen- wand mit oft äusserst zierlichen, mannigfach gestalteten, haar- ähnlichen Verzweigungen der Wandzellen bede(-kt Fig. 36, h. oder es befinden sich mehrere Perithecien in ein gemeinsames 1U2 aus weissem, niarkalmliclioni, psPU(lnparon(hymatisi,h<'m Ge- wehe gehildctes I^ager eini;(>senk.t, wolelies mit einer festen, gefärbten Cortiealscliiclite überzogen ist. Bei den meisten Pyrenomyeeten ist der obere Theil des Peritheciiims in einen mehr oder minder langen, bisweilen gewundenen Hals ausge- zogen, dess'Mi Innenseite bis auf einen kurzen, centralen Canal von zahlreichen Ilaaren, Periphysen, ausgekleidet ist, Fig. 36, p. Zur Zeit der Reife durchbricht dieser Hals bei den in ein Stroma eingesenkten Arten schliesslich die Rinden- schicht und es erschei- nen auf dieser kleine, warzenförmige Pünkt- chen, die Mündungen der Perithecien, ostio- la, durch welche die Sporen entleert werden Eine zweite Frucht- form der Kernpilze bil- den dieSpermogonien, ebenfalls hohle Behäl- ter, wie diePerithecien, innen überall ausge- kleidet mit der sper- c , . ,. . , .i'iv" W' ,,..., , • matienabschnürenden Sordana timiscdn DNt.rs. Durrnselinitt diircli tiii reifes IVritlicciuni; im Innern die l'!iiii].liyseii mit 1 lymeilialschicllte; Im den Aseis; a. Wiin.l.se.l.ielM von weleher Hie huir- ^V,,scntlichen siud sie ähnlichen Ver/,weigtinfi;cii li entspringen; 1) l'üil- Kcwche; ].. l'cri].liyscn, o. Ostioliini. (nach Woio- den bei den l'redineiMl niii ) 90-fach. Vergr. beschriebenen gleich. Die dritte Art von Re- piiiductionsorganen, die Pycnideii, sind ebenfalls ihrem Bau nach «l'-ii Spcniiogonien verwandl ; Joldch sind die im Innern abg(',s(5hnürten Stylosi)oren grösser als die Spermatien und keini- Tähig. Kür die (lattiing Krysiphe ist von de Bary nachgewiesen wiMflen, dass deren Pycniden Missbibhmgen sind, hervorgerufen von einem zweiten parasitischen Pilze, dessen Beschreibung imten folgen wird; l)ei (b'n .'iiidiTii i\i'riipilz<'ii aber kommen sie 103 bestimmt als besondere Formen derselben vor, so z. B. solche mit mehrfächerigen Sporen bei Cuciirbitaria, wie ich sie sehr schön an Präparaten von Dr. Magnus gesehen habe, welche vollständig mit Tulasne's Abbildungen übereinstimmten. Die letzte Form der Fortpflanzung endlich wird durch Conidien- träger vermittelt; hier werden auf Fruchthyphen, welche isolirt stehen können oder in andern Fällen zu einem Hymenialkör- per mit einander verbunden sind, die oft mehrzelligen Sporen in verschiedener Weise abgeschnürt. Wie alle Reproductionsorgane der Pyrenomyceten früher als besondere Arten getrennt von einander beschrieben wurden, so bildeten auch die Conidienträger derselben eine eigene Familie tür sich, die Fadenpilze, Hyphomycetes, welche aber nach Tulasne's Entdeckung, dass die meisten nur Entwicklungs- glieder der Kernpilze und der nahe verwandten Scheibenpilze sind, vollständig aufgelöst werden musste. In den Formenkreis von Kernpilzen gehören also auch die beiden allergemeinsten und bekanntesten unserer Fadenpilze, Penicillium crustaceum und Aspergillus glaucus, deren eingehendere Besprechung im Anhang stattfinden wird. "Was nun die Aufeinanderfolge der verschiedenen Organe betrifft, so herrscht darin eine ausserordentliche Mannigfaltig- keit. Gewöhnlich aber ist das eine Formgenus bereits im Ver- gehen begriffen oder schon gänzlich abgestorben, wenn das andere erscheint; auch ist es nicht nothwendig, dass inner- halb eines Entwicklungscyclus immer sämmtliche (jllieder vorhanden sind; es können vielmehr einige übeisprungen werden oder auch, ähnlich wie bei den Uredineen, vollständig fehlen. Bei den einen findet man als gewöhnliches Vorkomm- niss die Form der Perithecien, bei den andern erscheinen hauptsächlich Conidienträger und nur selten Perithecien, bei den dritten, wie bei dem gemeinen Pleospora herbarum, wel- ches das in Hallier's Schriften oft genannte Cladosporium herbarum oder Sporidesmiuiu Cladosporii zur Conidienform hat, kommen die sämmtlichen Bildungen auf ein und dem- selben Mycclium vor, man findet sogar aus den reifen Peri- thecien die conidientragenden Hyphen hervorsprossend. ^Bis- weilen kommt, wie bei Nectria cinnabarina, die Conidienform, hier Tubercularia vulgaris, zuerst zum Vorschein und unter 104 dem Hymenium tlfrsolben ontstolit dann die Anlage einps Stromas mit den Perithecien. BpI oiniiren kommen innf^rlialh dor V(>getationsperiode alle Fnichtformen mit Ausnahme der Porithecien zur Fructi- tication; im Horliste hildt^t sicli aus ilirom ^lycolium oin dicht vortilztes, mit derber Kinde versehen^'s ])auorj?e\vebe, ein Scle- rotium, aus welchem bei günstigen Bedingungen im künf- tigem Frühjahr die Anlage der Perithecien hervorgeht. Es giebt noch manche Ily|)homycet<'ntbrmon. deren weitere Ent- wicklungsglieder unbck.iniit sind. l)ei weh hon man aber, in Folge ihrer AehnlichkiMt mit anderen besser erforschten, be- rechtigt ist anzunehmen, dass sie eben nur eine Art des Vor- kommens eines Pyrenomyceten sind. Eine eigenthümliche. einzig in ihrer Art dastehende Co- nidienbildung kommt bei der auf Excrementen wachsenden Sordaria coprophila DNtrs. vor. Die Perithecien dieses Pil- zes sind ähnlich wie diejenigen von Sordaria timiseda, Fig. 86, kolbenförmige, braune Körper, mit langem, oft retortenartig gebogenem, nach dem Licht sich richtendem Halse und die innerhalb derselben beliudlichen dunkelgrünlich gefärbten As- cosporen besitzen fadenförmige, gallertartige Anhängsel an jedem Ende: hej der Keimung dieser Sporen tritt zuerst aus dem Keimporus eine farblose kuglige Blase heraus und erst an dieser entstehen dünne, sich verzweigende Keimschläuche. An dem nämlichen Mycel finden sich ferner rundliche, braun(* Pyc- niden s(»wie auch die Organe für die angedeutete merkwürdige Weise der Fntstehuim di'r To- nidien, Fig. :',! . An zaidreichen .Mycelfäden werden Haschenför- mige Austreibungen gebihlet. welche sich meist septiren und an sich selbst seitlich noch nieli- ^ , '^'^- •"*'• rere ihnen ähnliche treiben kön- öordaria copro|ihilii DNtrs.; ("o- , • m i nidicnJ.ildpndc Zweite des Myccliiiins, '"''l- So (blSS MI bolge (b'sseii eine liKMufar-h. Vpifrr. (nach Woronin.) Art von \'erzweigiing stattündet. f)iese Körper sitzen off in hingen, zweiseitigen Hi'ihen an den Fä- den; nach (dien verlaufen sie in einen engen Hals und eine oiTene. 105 trichterförmig prweitertp Miinrlnng. Ans letzterer kommt nun das Plasma tropfenweise heraus, Fig. 37 ; diese Tropfen sammeln sich allmählich zu einem Ballen, der hei der geringsten Bewegung zerfällt. Jeder Tropfen ist eino Conidie, besitzt eine zarte Membran und einen Kern; doch wurde die Keimung derselben noch nicht verfolgt. Ich habe diese sonderbaren Gebilde auf unter Glasglocken betindlichem Pferdemist häufig beobachtet; wegen ihrer Kleinheit muss man ziemlich starke Vergrösse- nmgen anwenden, um sie deutlich sehen zu können. Wir wollf^n nun zur Best nun noch eine ganze Reiiie von genauer bekannten Kranklieiti'U, welche durch Pyrenomyceten veranlasst werden, liallier hat einig(i Conidienformen derselben, wie Stemi)hylium, Sporidesmium, Septosporium, Polydesmus etc. in Zusammen- hang mit tlen von ihm Ix'i menschlichen infectionskraid'cheiten gefundenen Pilzen ^cliracht und für aUe den gemeinsamen Namen Schizosporaiitiii'n eiimeführt ; man trilll (licsi' Pilze hän- lig als Parasit '11 an unsmi (iiliurgewäehsi'n und ihr Auftreten 111 wird hier immer von verschiedenen Krankheitserscheinunsen begleitet. An den Schoten, Blättern und Stengeln des Rapses und Rübsens kommt ein Pilz vor, der von Kühn Rapsverderber, Sporidesmium oder Polydesmus exitiosus genannt wurde; er verursacht rasch sich vergrössernde Flecken auf den Geweben, so dass dieselben schliesslich ganz missfarbig und welk wer- den, endlich vollständig einschrumpfen. Man findet alle Theile der krankhaften Stellen von reich verästelten, septirten Mycel- fäden durchzogen, welche sich unter der Epidermis immer dichter ansammeln, so dass schliesslich ein Stroma entsteht, dessen Endzellen als cylindrische, septirte Basidien frei an die Oberfläche hervortreten, Fig. 41, a. An ihrer Spitze kom- men die Sporen als längliche, bald an Grösse zunehmende Ausstülpungen zum Vorschein, welche schliesslich spindelför- mige Gestalt annehmen, sich braun färben und durch eine grössere Anzahl von Scheidewänden vielkammerig wer- den. Entweder bleibt es bei Bil- dung dieser einen Spore, welche dann an der Spitze in einen lan- gen Fortsatz ausgezogen ist, Fig. 41, b, oder es folgt auf die erste die Anlage von noch mehreren, so dass schliesslich eine ganze Reihe entsteht , welche nach erfolgter Reife sehr leicht auseinanderfällt und die leeren, dann rothbraun gefärbten Basidien zurücklässt, Fig. 41, c. Doch nicht immer ist die Bildung dieser Sporen eine so regelmässige; besonders zu grosse Feuchtigkeitsverhältnisse geben Anlass zu sehr verschiedenen Abnormitäten. So treibt die Basidie anstatt der Sporen bisweilen lange Fäden, auf welchen dann an mehreren Stellen die Sporenketten sich aus- bilden, Fig. 41, d, oder die Sporen entstehen zu mehreren an der Spitze der Basidie oder seitlich an derselben. Bei den einen fehlen die Fortsätze, andere treiben deren seitliche, welche wieder zu Sporen werden können; bei noch andern Fig. 41. Polydesmus exitiosus ; a Basidien, an deren Spitze die Sporen ent- stehen ; b reife Sporen , oben in einen langen Fortsatz ausgezogen; c mehrere Sporen hinter einander; d Sporen einer fadenförmig verlän- gerten Basidie aufsitzend, (nach Kühn.) 112 sclnvillt die Kndzi'Uc ;m und didiiit sich vm neupu Sporon aus, DU' Kt'ininnjt; derst^llx'ii iiclit sehr U^icht vor sich, Jodo Sporpn- zelle ist im Stande, einen reich sicli verästelnden Keinischhiuch zu entwickeln, dessen Eindrini-fn ins Gewebe der NährpHanze von Kühn Ix'obachtet wurde; das Wachstluun der eini^edrun- genen Fäden ist auch hirr von einem Braunwerden der Meni- l)ranen und des Zellinhaltes der befallenen Theile begleitet. Als Perithecienform gibt Fuckel für diesen Pilz IMeospora Napi an, welches ziemlich selten an dürrem Kraute von Brassica vorkommt und gelbe, vielzellige, spindelförmige Ascosporen besitzt. Ein dem lieschric^benen ganz ähnliches Polydesmium mit ebenso mannigfach variirenden Sporenformen verursacht nach Kühn auf Möhrenblättern das Auftreten v(»n dunkeln Flecken, welche sich zuletzt über das ganze Blatt verbreiten und dessen Austrocknen und Einrollen zur Folge haben. Bei den verschiedenen Erica-Arten tritt besonders in feuch- ten, warmen Wintern häutig in den Gewächshäusern eine ver- heerende Krankheit auf, welche A. Braun''^) und de Bary näher untersucht und mit dem Namen Bräune bezeichnet haben. Als Ursache fanden sie einen Pilz, Stemphylium ericoctonum. des- sen spinnwebeartig sich verzweigendes Mycelium die Pflanzen gänzlich überzieht, wodurch diesell)en in ihrer Entwicklung gehemmt, die Blätter tieckig werden, abfallen und so das Ab- sterben odcir die Verunstaltung des Gewächses eingeleitet wird. An den noch jungen, farblosen Myceltaden entstehen senkrechte Ausstülpungen, welche an ihrer Spitze ein- bis zweizeilige, längliche Conidien abschnüren; sj)äter wird das Mycel gelb- l)iäunlich und erhält hie und da Scheidewände. Es findet nun die Bildung der Stemphyliumfrüchte in der Weise statt, dass seitliche Aeste mit farblosem Inhalt an der Spitze kuglig anschwellen. Häufig enfslehen mehrere solcher Anschwellungen hinter einander und alle werden von einem kurzen Stiidclu'n getragen. Bald erfolgt eine Quertheilung durch horizontale Scheidewände, Fig. 4'2, a, jede so i'utstan- dene Tochterzelle t heilt sich auf's Neue in horizontaler und senkrechter Richtung, so dass schliesslich ein unregelmässig ♦■) Dr. A. Braun. Uebcr einige neue Kninkli. .1. PH. Mit Beitr. von Dr. Caspar)' u. Dr. de Bary. Berlin 18f)4. 113 zusammengesetzter, nach allen drei Raumdimensionen sich er- streckender Zellenkörper entsteht, Fig. 42, b, von länglicher, ovaler Gestalt, dessen einzelne Zellen von einer gemeinsamen Membran umgeben sind. Die Farbe wird hierauf rasch braun, der Inhalt undurchsichtig und die sich vergrössernden Tochter- zellen verursachen an ver- schiedenen Stellen der Aussen- wand wellige Einbuchtungen. Nach erfolgter Reife fallen diese zusammengesetzten Sporen leicht ab und jede Zelle derselben ist fähig, bei y.^, ,.-) Gegenwart von Feuchtigkeit Stemphyliuni ericoctonum; Bildung der einen Keimschlauch ZU ent- Sporenkörper, a unreife, b reife Sporen, -yvickeln. Der weitere Ge- (nach A. Braun und de Bary.) ,. ^ , -, ^^^^ nerationswechsel des Puzes ist noch unbekannt; doch scheint auch hier die conidientra- gende Form wie bei so vielen andern Pyrenomyceten lange Zeit im Stande zu sein, als solche sich fortzupflanzen. Eine weit verbreitete Erscheinung, welche ebenfalls durch die Conidienformen verschiedener Kernpilze veranlasst wird, hat den gemeinsamen Namen „Russthau" erhalten. Man be- merkt nämlich iiäufig auf Blättern und Zweigen der verschie- densten PÜanzen schwarze Ueberzüge, welche sich leicht als hautartige Kruste al)ziehen lassen. Sie rührt von dicht ver- worrenen Mycelfäden her, welche sich auf der Oberfläche der betreffenden Pflanzentheile verbreiten, zahlreiche aufrechte Aeste bilden und auf denselben sehr verschieden gestaltete Sporen abschnüren. Die Mycelfäden sind anfangs zart und dünn, mit zuneh- mendem Alter bräunen sie sich immer mehr und durch ihre äusserst reichliche Verzweigung, sowie durch die Masse der abfallenden Sporen entsteht endlich jene schwarze Haut. Ge- wöhnlich kommt der Russthau an solchen Pflanzen vor, welche gleichzeitig von Blattläusen bewohnt werden, deren klebrige SecretionsHüssigkeit die Keimung und Entwicklung dieser Pilze ungemein befördert. Hierher gehört die gestaltenreiche frühere Hyphomyceten- gattung Cladüsporium, wflchf man so hjiulig auf dra hn und sowohl im Innern als an der Ausscnwand der so ontstandonen Spliaeelia äusserst zahlreiche, ovale, mit zwei Kernchen versehene Coni- dien abgliedern, Fig. 44, C. Dabei (juillt zugleiidi zwischen den Spelzen der l)etallenen Blüthen eine klebrige, milchweisse Flüs- sigkeit von eigenthüm- lichem Geruch, der sog. Ilonigthau, hervor, welcher dicht mit diesen Conidien angefüllt ist. Dieselben treiben leicht einen oder zwei Keimschläuche, an deren Spitze wieder secun- däre Conidien entstehen können, Fig. 44, D; sie dienen als Propagations- organe und bringen, auf andere noch gesunde (.Iras- blüthen gelangt, neueSpha- celia hervor, wobei zu ihrer Verbreitung beson- Fig. 44. Claviccps jiuriiiirca. A ein Sclerotiuni 8, welches die S))liacclia c trägt; p Gii>f»'l dos aligestorbeiien Fruclitknotons ; B Durchsclinitt dpfs Insecten mitwirken von A; (' die Spliaeelia; b die (.'onidicnab schnürenden Zweite derselben, (nach Tulasne) I) keimende Conidien dcnd. (naeh Kühn.") moii'en. bei X secundare bil- Wenn die Spliacelia ihre völlige Entwicklung er- reicht hat, v(u-dicken sich ihre am lUiiihenboden belindlichen liyplien, im Innern di'rsidben sammeln sich reichliche Ocdtropfen und sie ven'inigen sich schliesslich zu einem länglichen, gleich- massig festen (iebilde, welches das yXnfangsstadium des eigent- lichen Mntlcrkorns, das Sclerotium, darstellt, Fig. 44, A und H. s. Nach llallier sollen sich innerhalit der Spliacelia in diu ll(»hlräumen die Conidien massenhaft ansammeln, dicke septirtc l\i'ims<'liläuchc Iri-ibm und letztere (hmii diiich \'er- llechtcii lind liicjiianderwachseii die l')ildiing des Sclerotiums einleiten. |)ic Überlläche desselben färbt sich bald violett, sie J 117 wird zur Rinde und der ganze Körper wächst dnrcli Dicken- znnahme und Längsdehnung zu der bekannten, honiartig ge- bogenen Gestalt heran. Sowie die Bildung des Sclerotiums l)>^gonnen liat, fängt die Sphacelia an abzusterben; sie wird theilweise zerrissen, versfhrumpft und das Sclerotium hebt ihren ol)eren Theil kappenförmig in die Höhe, so dass an der Spitze des reifen Mutterkorns oft noch die Reste desselben zu erkennen sind. Die Sclerotien besitzen je nach der Grasart, auf welcher sie entstanden sind, eine verschiedene Gestalt; dieselbe richtet sich meist so ziemlich nach derjenigen des betreffenden Sa- menkorns. Zuweilen, wenn die Sphacelia sich sehr spät in der Blüthe angesiedelt hatte, kommt neben dem Mutterkorn eine normale Caryopse zur Ausbildung. Auch kann der Fall eintreten, dass ein Korn gleichzeitig von der Sphacelia und vom Steinbrand, Tilletia Caries, befallen wird; beide Schma- rotzer werden dann in ihrer normalen Entwicklung gehemmt und das etwa noch entstehende Mutterkorn ist kümmerlich und verkrüppelt. Die Sclerotien haben nach ihrer Reife eine ziemlich lange Ruheperiode nothwendig. Diejenigen des Roggens und der ihm zunächst verwandten Gräser beginnen im künftigen Früh- jahre, wenn sie die günstigen Bedingungen, besonders den nöthigen Grad von Wärme und anhaltende Feuchtigkeit vor- finden, ihr^ Weiterentwicklung in der Weise, dass sich an verschiedenen unter der Rinde gelegenen Theilen ihres Ge- webes eine bestimmte Anzahl von Hyphen in Gestalt eines conischen Bündels ansammelt; dasselbe wächst gegen die Pe- ripherie, sprengt die gefärbte äussere Rinde und tritt als dicker, abgestumpft cylindrischer, mehr oder weniger sich verlängern- der Stiel hervor. Der obere Theil desselben schwillt kuglig an und der ganze, anfangs gelbliche Körper färbt sich pur- pur- violet; besonders das Köpfchen bekommt eine dunklere Farbe und dasselbe verhält sich nun weiter als Fruciitlager, Fig. 45 A. In seinem Innern entstehen die Anlagen zaidreicher, rtaschenförmiger, nach oben zugespitzter Perithecien mit enger Mündung, um welche rings herum das Gewebe nadi aussen vorgetrie'ben wird, Fig. 45, B. Die Köpfchen erhalten so eine 118 unregelmässigp, klpinwarzige, mit zahlreichen Punkten, den Oeflfnungen der Perithecien, versehene Oberiläche. Innerhalb der Perithecien entstehen nun zahlreiche Sporen- schläuche, Fig. 45, C, welche sechs bis acht dünne, faden- förmige Sporen erzeugen, Fig. 45, I). Dieselben werden durch Autlösung der Ascusmembran frei und dann langsam zur Mündung des Peritheciums herausgeschoben. Fig. 45. Claviceps purpurca ; A ein Sclerotium mit Fnichtkciilcn ; B Köpfchen eines Fnichtkörpcrs im Längsschnitt; C einzelnes rerithccium stark ver- j^röbserl, im Innern die Asei, ni die Müudunji; D einzelner Aseus, die Spo- ren entleerend (nach Tiilasnc). Der auf diese Weise aus dem Mutterkorn entstandene Pilz wurde von Tulasnc Claviceps purpurca genannt. P]s können aus einem Sclerotium verschieden viele Perithecien- träger hervorkommen, sogar auch aus ßruclistücken ent- wickeln sie sich; häufig aber werden die ganzen Culturen durch fremde, sich ansiedelnde S<'himmelpilze zerstört. Der Inhalt des Mutterkorns wird zur Kildiinn der beschriebenen Fruchtkculen voUständiii vorbraucht, der Zusammenhang der einzelnen Zellen h)ckert sich, der ölreiche Inhalt derselben 119 verschwindet, die Membranen werden aiifgeliist und der jjan/.e Körper schrumpft zuletzt zu einer unscheinbaren Masse zu- sammen, Die cylindrischen Ascosporen entwickeln bei Gegen- wart von Feuchtigkeit an verschiedenen Stellen Anschwellun- gen und treiben dann an mehreren Punkten Keimschläuche. Gelangen sie in die Blüthen des Roggens, so bringen sie, wie Kühn gefunden hat, wieder die Sphacelia hervor. Es gelang demselben, aus den Ascosporen auf Getreideblüthen Mutter- korn zu erziehen, und ebenso erhielt er aus den Conidien einer durch Aussaat von Ascosporen erzeugten Sphacelia auf einer andern Blüthe wieder Sphacelia und dann Sclerotien. Es ist also die Entwicklungsgeschichte des Mutterkorns, dessen höchste Form Claviceps purpurea ist, vollständig in ihrem ganzen Verlauf festgestellt; merkwürdig bleibt es aber, dass man bei diesem ganzen Generationswechsel nicht, wie bei andern eben so gut gekannten Ascomyceten, eine geschlecht- liche Befruchtung aufgefunden hat. Ein Mutterkorn, welches zwanzig Fruchtkeulen hervorbringt, erzeugt nach Kühn etwa über eine Million Sporen. Dieselben werden leicht durch Wind, Insecten etc. fortgeführt. Es lässt sich daraus ab- nehmen, welche ungeheure Verbreitung diesem Pilz möglich ist, besonders wenn er durch feuchtes und warmes Wetter begünstigt wird. Aus der Abtheilung der Basidiomyceten ist durch Woro- nin ein Pilz bekannt geworden, welcher das gesunde Gewebe lebender Pflanzen befällt und der Urheber einer intensiven Erkrankung desselben ist. Dieser Parasit heisst Exobasidium Vaccinii*) und er befällt die Blätter, Stengel und seltener auch die Blüthen unserer rothen Heidelbeere, Vaccinium Vi- tis idaea, welche durch ihn starke Anschwellungen und Ver- unstaltungen erfahren. Die Entartung des Gewebes erstreckt sich immer nur auf einzelne Parthieen der Pflanze; anf den Blättern erscheint sie als eine die Unterseite derselben be- deutend auftreibende weissliche, auf der Oberseite des Blattes oft carminroth gefärbte Wucherung des Parenchyms. Zwischen den Zellen des letzteren findet man ein sehr zartes, reich ver- *) M. Woronin, Exobasidium Vaccinii. Aus den Bericht, d. naturforsch. GeseUsch. z. Freiburg. B. IV. H. 4. 1867. 120 zwpigtes. spptirtPs Mvcfliuni, welches oft kloine Seifonzweise liildi't, an woldien rundliche Zellen abgeschnürt werden, deren weiteres Verhalten unbekannt ist. Unterhalb der Epidermis sammelt sich das Mycel in dicht verfilzter Masse zu einem Hymenium an, dessen Endzellen sehr zahlreiche, cylindrisch- keulenförmige Basidien bilden, welche die Epidermis durch- brechen. In den obern Theil dieser Basidien tliesst das Plasma über und die Spitze derselben erhält bald 4 — ö kreisförmig gestellte Ausstülpungen, an welchen ganz analog den übrigen Rasidiomyceten spimlelfiirmige, an Ix^dcn Endon zugespitzte Sporen entstellen, wdcho sich nach dem Abfallen in 8—.') Zellen theilen und die erkrankte Stelle zahlreich als weiss- staubiger rel)erzug bedecken. Im Wasser keimen die Sporen und zwar so, dass der Keimschlaucli sich bald al)schnürt als längliche Zelle, während aus der Spore dann neue solche Sprossung(?n hervorkommen, deren einzelne oft mit einander in Zusammenhang bleiben. Auf ganz Jugendlichen Blättern der NährjjHanze dagegen trei- l)en die Sporen Keimsehläuche, welche sich durch die Epi- dermis oder die SpaltölVnungen einbohren, so dass bald wieder ein neues Mycelium gebildet wird. Es bleil)t noch übrig, auf die Untersuchungen Will- komms*) übi'r verschiedene unsere \Valdl)äuine heimsuchen- den Krankheiten nälitir einzugehen. Audi dieser Forscher fand in viijrn Fällen Schmarotzerpilze fhälig und es gelang ihm, nachzuweisen, dass durch die rasche Vermehrung und Ausbreitung dersejlien die inliiirti-n I*Hanzentliei|c vcniiclitet werden. I5es(indeie Aufmeiks.i Hl k eit verwendetii Willknmin aut die Erftirschung der sog. idthen inul weissen Fäule, welche als eine der verderblichsten Krankheiten unserer WahUtäume bei den verschiedensten l.anli- und Nadelliölz-« ♦) M. Willkomm. Die inikroBko])iKchcn Feinde des Waldes. Drcu- ■ Irn 1866. 121 liehe Weise zu erklären: es wurde angenommen, dass sie durch zu nassen Standort, durch fehlerhafte Zusammensetzung des Bodens, durch zu grosses Alter der Bäume hervorgerufen werde; nur Hartig nahm das Mikroskop zu Hülfe und fand bei Untersuchung der kranken Holztheile ein aus dicht ver- filzten Fäden bestehendes Pilzgewebe, welches er Nachtfaser, Nyctomyces, nannte und welches nach seiner Ansicht durch Generatio spontanea aus den Zellen und deren Inhalt ent- stehen sollte. Die Erscheinung der Fäule zeigt si<-h l)ei den befallenen Bäumen zuerst an der Wurzelspitze; von hier aus verbreitet sie sich weiter hinauf in den Stamm. Man findet dann auf dem Querschnitt inmitten des noch gesunden Gewebes bräun- liche Flecken, welche an einzelnen Stellen immer zahlreicher und breiter werden, so dass sie sich schliesslich ringförmig vereinigen. Das Holz ist an solchen Stellen mürbe, feucht, es löst sich in Fasern auf unter Bildung von jaucheartiger Flüssig- keit, schliesslich bei zunehmender Ausbreitung der Krankheit wird das Innere des Baumes vollständig ausgehöhlt und die Höhle füllt sich mit einem reichlichen Pulver von roth- oder dunkelbrauner Farbe. Von aussen betrachtet sehen solche Bäume ganz gesund aus und erst, wenn sie vom Winde um- geworfen worden sind, bemerkt man die Zerstörung ihres Holzkörpers. Das kranke Holz von Fichten, Eichen, Tannen etc. fand nun Willkomm dicht durchzogen mit vielfach verzweigten, fari)losen, später gebräunten, ungegliederten Myceltaden, welche zwischen den einzelnen Zelh'n verliefen und auch ins Innere derselben theils durch die Tüpfel eindrangen, theils dadurch, dass sie die Zellenwand direct durchl)rachen, wobei es häutig vorkam, dass sie den Rand des gebildeten, unregelmässigen Loches vollständig umstrickten, durch fortwährendes Wachs- thum immer mehr vergrösserten und so schliesslich einen grossen Theil *der Zellwand .gleichsam fressend zerstörten. Besonders die .Markstrahlzellen fielen am erstm der Ver- nichtung durch diesen Pilz anheim, welchem Willkomm den Namen Xenodochus ligniperda ertheilte. Oft zeigten die Mycelfäden desselben eine undeutliche Gliederung und hatten 122 das Anseilen, als ob sie ans lauter kloinm. aneinanrlerjipreihten Bläschen hostünden. "Willkomm fand zahlreiche Hyphon vor, welche eine Reihe von doppelt contourirten, anfanp;s farblosen, später braunen und undurchsichtigi'n, kus;lisen oder ellipsoidischen, häutig mit einer Papille versehenen Sporangien theils endständig, theils interstitiell abschnürten. Fig. 4(5, A. Diese Sporangien keimten bisweilen direct; sie trieben dann Schläuche, welche zwischen den Zellen des Holzes weiter wuchsen, die Tüpfel durchbrachen, überhaupt sich verhielten wie das oben beschriebene Myctdium; bei den meisten aber hat Willkomm eine ganz eigenthümliche Weiterentwicklung heobaclitet. In der durch die Zersetzung des Holzes gebilde- ten Jauche nämlich (pioll die innere Membran stark gallert- artig auf, so dass schliesslich die äussere derbe Wand ge- sprengt wurde und der ganze Inhalt in Form einer rundlichen, gelb oder grünlich gefärbten, flachen Scheibe her- austrat, Fig. •!(), B; sie war mit einem breiten, farblosen Hofe, der in Gallerte verwandelten Innenhaut, versehen. Die Scheibe bestand aus zahlreichen, eben- falls mit farblosem Schleim umgebenen Tochterzellen, welche bald frei hen'or- schlüpfteii und dann im Innern 1 — 3 lebhaft sich bewegende, äusserst kleine KörpcM'chen erkennen liessen, Fig. 4(5, C. Letztere bezeichnet Willkomm als „Schwärmsporen"'; auch sie sollen sich Xcnodochiis lipnipcrdii; A Schliesslich > eise Statt, (laSS Üie bClUaUClie Rhynchomyces hervorgeht ; B Frucht- des XenodochuS Scheidcwändc hyphe des letzteren mit Sporen (nach , , . i i.. i- i .. Willkomm.) bekommen, eine blaulicligrune, zuletzt dunkelblaue oder violette Farbe annehmen und septirte Zweige bilden, welche dem Stammfaden mit stielartig verschmälerter Basis aufsitzen, während sie in der Mitte kolbig angeschwollen sind und nach oben zu in eine dünne Spitze verlaufen. Sie erhalten dadurch das Ansehen eines Storchschnabels und an ihrem oberen spitzen Tiieil bilden sie eine Anzahl traubenartig oder in Wirtein gruppirter länglich ovaler 3- bis 4-fächeri- ger Sporangien, Fig. 47, B, welciie in jedem Fach eine kleine Spore nach Willkomm enthalten, deren Austreten, wie er an- 124 gibt, durch Oi^ffnon des J^'choitpls am Sporanuinm hpwprk- stelli^t wird. Diesen Pilz nonnt Wilikonun Kliynchomyces violaceus; in den Zellen seines Myeeliums befinden sich reihen- weise geordnete Körper von lichtblauer Farbe. Die Sporen des Rhynchomyces entwickeln bei ihrer Keimung ein reich sich verzweigendes Mycelium, welches seinem ganzen Ansehn und seinem weiteren Verhalten zu Folge als dasjenige des Xenodochus sich zu erkennen gibt, so dass also damit der Uebergang der beiden Pilze in einander nachgewiesen wäre. Bisweilen sollen ül)rigens die Xenodochus-Sporangien gleich durch directe Keimung ein Mycelium hervorbringen. Jedenfalls ist der Entwicklungsgang dieser interessanten Pilze durch die mitgetheilten Untersuchungen Willkomm's noch nicht genügend klar dargethan, namentlich die Angabe über das sonderbare, einzig dastehende Verhalten der sog. Schwärmsporen bedarf noch sehr der Bestätigung; auch ist noch der Nachweis des Zusammenhangs der beiden Pilze mit einer höheren Fruchtform zu liefern, um ihnen einen sicheren Platz im System anweisen zu können. Der Rothfäule unterliegen übrigens im hiduMi Alter aUe unsere Waldbäume; sie ist eine Folge allmählich aufhörender Lebensthätigkeit der Holzzellen und sie wird von Pilzen be- gleitet, welche als secundäre Beförderer der Zersetzung, als Sajjrophyten, sich einfinden. Wilikonun hat ferner nähere Beobachtungen über den Ein- Hu8S von Pil/.eii bei Entstehung des Lärchcnkrebses, der Fichtennadelkrankheit und des sog. schwarzen Brandes der Hothbuclientriebe angestellt. Bei letzterem, wo die befallenen Ste]l(>n ein kohlschwarzes Ansehen bekommen, fand sich ein reich(»s, Holz und Kinde dur<'liziehendes .Mycelium, welches unregelmässige, reich sep- tirte Schläuche bildete, die oft ganz kurz wurden und nur lose znsaniMieidiiengen. Nach (tben durchbrachen Theile dieses My- eliums die Oberhaut lunl an ihrer Spitze entstanden lange, septirte, etwas gekrünnnte Sporen, welche nach dem Abfallen den schwarzen TheiJen der Zweige in dichten i\asen als schneeweisse Flocken aullagen, Fig. 4H, s. Dieser Pilz ist Fusidium candidum Lk, die Tonidienform eines noch unbe- kannten Pyrenomyeefen. \\'illk[)liyll- inlialt krankhaft degenerirt. Willkomm hat gefunden, dass bei dieser Zi'rstörunii; abnorm viel Stärkemehl gebildet wird. Das Myeel sammelt sich unter der Oberhaut zu einem dichten Stroma an, von vs^elcheni aus sich zahlreiche, unregelniässig gegliederte, keulenförmige Zweige erheben. Es sind dies Teleutosporen, welche sich insofern anders als die gewöhn- lichen verhalten, als Stiel- und Sporenzellen nicht deutlich von einander zu unterscheiden sind. Sie durchbrechen die Epidermis und ihre Keimung findet in feuchter Luft sehr leicht statt, indem die obersten Zellen unter Tebertiiessen ihres gold- gelben Plasmas ein viermal getheiltes Promycelium und an diesem vier runde Sporidien entwickeln. Diese letzteren kei- men leicht, sie dringen jedoch nur durch die Epidermis von ganz jugendlichen Fichtennadeln, um hier bald ein neues Mycelium hervorzubringen. Von Chrysomyxa ist weder Aeci- dium noch Uredo bekannt; dieser Pilz ist eine isolirte Teleuto- sporenform, wie Puccinia Dianthi. Nach Willkomm sollen nun, sowohl aus den Sporen als aus den Zellen des Myceliums aller von ihm untersuchten Pilze, «lie kleinen Kerne, welche im Innern enthalten sind, ausschlüpfen und wie Schwärmsp^ien ejiK» (iigenthümliche, selbstständige Bewegung besitzen. Innerhalb dieser Schwiirni- sporen, von Willkomm als „Micrococcus" bezeichnet, sollen neue Kerne entstehen, ebenfalls frei werden und indem sich dies mehrmals wiederhnit, wiire dann ihre Vermehrung eine ausser&. 131 Braun gesellig auf den Sporenmutterzellen von Oedogonium rivulare sitzend entdeckt wurde. Kny hat dasselbe in letzter Zeit einer neuen Untersuchung unterworfen, wobei er fand, dass der länglich ovale doppelwandige Keimbehälter desselben, Fig. 49 b, welcher ausserhalb der Oedogonium-Sporangiumzelle oder in dieselbe eingeschlossen sich befinden kann, von dem Wurzelfortsatz, Fig. 49 a, durch eine Querwand abgegliedert ist; die ganze Pflanze wäre also zweizeilig und müsste dann zu Rhizidium gestellt werden. Das Ende der Wurzelzelle von Chytridium 011a liegt immer der Oospore des Oedogonium unmittelbar an; sie selbst bildet einen unregelmässig dicken Schlauch, Fig. 49 a, welcher sich an der Stelle, wo er die Wand des Wirthes durchbricht und in den Keimbehälter über- geht, bedeutend verschmälert. Der Keimbehälter besitzt an seiner Spitze eine hyaline, warzenartige Verdickung, Fig. 49 c; er ist ein Deckel, welcher bei der Reife mit scharfem Quer- riss abspringt, so dass eine enge Mündung zurückbleibt. Die Sporangiumzelle ist anfangs er- füllt mit trübem, vacuolenreichem Proto- plasma und die Schwärmsporenbildung findet bald darauf in der Weise statt, dass das Plasma feinkörniger wird, es sammelt sich in zahlreiche Gruppen, welche sich immer mehr individualisiren und von einander abgrenzen. Durch den Druck der reifen Schwärmsporen wird der Deckel abgelöst, es tritt durch die Oetfnung zuerst eine farblose Gallertblase heraus und dann folgen die Schwärm- ChytridhiOT oiia*; A ein sporen, anfangs langsam, die lange Cilie junges Individuum, aWur- jjjjj^gj. gj^j^ herziehend. Die Schwärm- /gIzgIIc (1 GS selben u opo~ rangium, c Deckel des sporen sind fast kuglig, im Innern mit letzteren; B ausgeschiüi-fte einem exccntrisclien Kern versehen, Fig. Schwärmsporen. . . . i n i tj. 49 B ; Sie zeigen eine sehr schnelle, blitz- artige Bewegung. Zu Hunderten setzen sie sich am Oogonium ihrer Nährpflanze fest; mit dem Flimmerfaden durchbohren sie die Membran derselben und senden dessen Ende gegen die Oospore. Der grösste Theil von diesen Schwärmsporen stirbt aber ab und von der Zahl der zur Entwicklung an einer 9* Fig. 94. 132 N all reelle kom mondän ist die (irösse der iiou hcranwaclisen- doii jiini!,('n l'tlänzclicii ahliängiii-. Flimniorfadon und llaupt- körptT der Srliwäriusporeii scliwellcii nach orfulj^t'^r Durcli- bulnung der Zelhvand bedeutend an, beide umgeben sieb mit einer Membran und wachsen bahl zu definitiver Grösse heran. Das Ende der Wur/elzelle bihlet ein kleines, zartwandiges Haustorium. WiUirend sonst die Chytridien nur im Wasser leben, haben de Bary und Woronin ein Ciiytridium roseum als landbewoh- nend auf feuchter Krde in Blumentöpfen gefunden. Es war eine längliche Zelle mit kurzem, durch (lauerte verschlossenem Hals, das Plasma rosenroth und die Membran besetzt mit un- zähligen Tüpfelchen. Die im Wasser gebildeten Zoosporen krochen nach rascher Bewegung amöbenartig auf dem Boden umher und trieben dann fadenförmige Schläuche, deren wei- tere Entwicklung nicht verfolgt wurde. Die einzelnen Chytridiumarten leben entweder auf meh- reren verschiedenen Nährptlanzen, oder sie wählen sich nur •eine einzige ganz bestimmte zur Ansiedelung heraus. Die Gattung Rhizidiuni stellt eine rundliche Zelle vor, welche eine verlänüerte. fein verzweigte Wurzel besitzt; die- selbe kann als ein Ncrkümmertes Mycelium angesehen werden. Es entsteht aus iliiii (ibcitii Theil der Zelle eine seitliche, kugelförmige Aussackung, die Eruchtzelle, in wtdcher entweder zahlreiche Schwärmsporeii oder eine runde braune, warzige Dauerspore sich l)ilden. Schenk*) bcdliachtete eine Art, welche er Khizidium intesti- num nannte, imierhalb der Zellen von .Nitella llexiljs. Er sah, wie die Schwärmsporen dieses Khizidiums sich an die Oberhaut der Nitella aidegten, durch dieselbe einen feinen, fadenartigen Fort- satz hindurchtriebeii. wii- dann der Inhalt der Schwärmspore in das Innere der Nährzcdle übertloss und der l'arasit sich dort \i'i v,wei;;|e. In liinni S|)äteren Stadium bestand das Rhizi- diuni aus zwei Z<'nen, deren kleinere die wiirzelartigen Ver- zweigungen trug, Fig. 5ü A, a, während die zweite weit grössere einen Fortsatz, Fig. r)0 A c, «'iitwickelte, welcher die Cellulose- •) Dl. A Siliriik. IVlior (liiH Vorkoiinucii contrnctilor Zelltn im PHanzeii- reicbe. WUrzburg IH&8. 133 wand durchbohrte. Im Innern der pjrösseren Zelle entstehen nun die Schwärmsporen; das ganze Gebilde kommt innerhalb der befallenen Pflanze zur Entwicklung, nur der Hals ragt heraus. Die austretenden und auch noch die in der Sporan- giurazelle befindlichen Schwärmsporen, Fig. 50, B u. C zeigen die schon beschriebene araöben- artige Bewegung; sie dehnen sich der Länge nach und seitlich, schieben Fortsätze aus, ziehen dieselben wieder ein etc. Diese Bewegung findet sowohl nach dem Ausschwärmen als vor beginnender Keimung statt ; die Schwärmspore verändert dabei im ersten Fall nur wenig ihren Ort, bis sie oval wird und dann mit Blitzesschnelle forteilt. Während also Khizidium be- reits zweizeilig ist, besteht die Gattung Synchytrium aus sehr vielen Zellen und jede dieser Zellen stellt ein Sporangium vor, in welchem sehr zahl- reiche Schwärmsporen gebildet werden. Die Synchytrien sind also gleichsam Complexe von Chytridien. Ausserdem besitzen die Synchytrien auch Dauersporen, welche zur Ueberwinterung bestimmt und mit einem derl)en, dunkeln, oft höckerigen Epi- sporium und einem zarten farblosen Endosporiuni versehen sind. Das erste Synchytrium wurde von de Bary*) und Woro- nin**) auf Taraxacum officinale schmarotzend gefunden und genau beschrieben. Auf verschiedenen andern Dicotyledonen wurde hierauf von diesen Forschern, von Fuckel und in neue- ster Zeit von Dr. Schröter***) in Breslau eine Anzahl neuer Rhizidium intestinum ; A noch un- reif, a AVurzelverzweigungen, b Sporangiumzelle, c Fortsatz der- selben; B Schwärmsporen im Aus- schlüpfen begriffen ; C Schwärm- sporen mit amöbenartiger Bewegung. (nach Schenk.) *) A. de Bary u. M. Woronin. Bcitr. zur Kcnntn. d. Chytridieen. Ber. d. naturf.^Gesellsch. z. Freiburg, B. III. II. II. **■) M. Woronin. Neuer Beitr. zur Kenntniss d. Chytrid. Bot. Ztg. Jahrg. XXVI. ***) Dr. Schröter. D. Pflanzenparas. aus d Gatt. Synchytr. Bcitr. zur Biologie d, Pfl. v. Dr. F. Cohn; Breslau 1870. 134 Arten entdeckt. Das Vorkommen dieser Parasiten ist gar nicht so selten; man darf wohl erwarten, dass mit der Zeit noch manche bisher unbekannte aufgefunden werden. Die Schwärmsporen der Synchytrien können nicht wie die Sporen vieler anderer Pilze vom Winde auf weite Strecken verbreitet werden, sie müssen vielmehr durch das Wasser, oft wohl auch durch Insecten von Pflanze zu PHanze übertragen werden, und daher kommt es auch, dass oft eine dicht bei einander ste- hende Gruppe von NährpHanzcn über und über mit Synchy- trien bedeckt ist, während eine andere weiter davon entfernte vollständig von ihnen verschont ist. Ihr schädlicher EinHuss auf den Wirth ist im Allgemeinen nicht sehr bedeutend; sie befallen immer nur einzelne Zellen dess dben, welche dadurch sehr ausgedehnt werden. Die benachl)arten Zellen erleiden in Folge dessen einen grossen Druck, so dass oft warzenförmige Erhebungen mit Vertiefung in der Mitte oder Wucherungen von gallenähnlichem Ansehn und andere pusteiförmige Verun- staltungen entstehen. Die befallenen PHanzentheile entwickeln sich im Uebrigen meist ganz normal weiter und nur, wenn die Synchytrien sehr massenhaft auftreten, sind sie im Stande, ihrem Wirth empfindlichen Schaden zuzufügen, ja sein Ver- kümmern und Al)sterl)en herbeizuführen. Das Protoplasma der Synchytrien ist entweder farblos oder es ist durch Oeltr<)pfen gell) oder orange gefärbt, ein Merkmal, welches von Woronin und Schröter benutzt wurde, um die bis jetzt bekannten 1 1 Synchytriumarten in Gruppen abzutlieilen. Die erste dieser Abtheilungen bilden die Kusynchytrien, welche ein gdbrothes Protoplasma besitzen. Bei ihnen wach- sen die in die Zellen der Nährptlanze eingedrungenen Schwärm- sporen zu kugligen Haufen von Schwärmsporangien heran und erst am Ende der Vegetationsperiode entstehen Dauersporen. Hieher geluirt l)ene i^nfwickiung statt: die Sporangien des Sorus entlassen eins nach dem andern ihre S( liwürmsporen, so dass bald dichte, das Wasser hellroth trübende Wolken entstehen, welche an den am meisten vom Licht getrolf(Mien Stellen sich ansammeln. I)ie Zoosporen dringen um- in g.iiiz junge, noch nicht v(dl- ständig entfaltete Blätter ein; auf älteren Blättern gehen sie zu Grunde. Dies [eindringen findet in der Weise statt, dass der Schwärmer na«-li lebhaften Bewegungen hin und her auf 137 einer Epiderniis/.olle sich festsetzt, mit einer zarten Haue sich umgiebt und durch die Membran einen kurzen, im Innern der Zelle zu einer Kugel anschwellenden Schlauch treibt, in wel- chen das Plasma überHiesst. Man kann den in der Zellwand steckenden Schlauch, dessen im Innern der Zelle befindliches kuglig angeschwollenes Ende, sowie die ausserhalb liegende Zoosporenhaut im Zusammenhang deutlich erkennen. Die in der Nährzelle entstandene Oettnung verschwindet bald, die Kugel d*^hnt sich in der Zelle bedeutend aus, sie umgiebt sich mit einer continuirlichen Protoplasmaschicht, von der zalil- reiche, netzförmige Stränge zur Zellwand verlaufen. Durch fortwährende Grössenzunahme und darauf folgende Theilung entstehen, indem der geschilderte Cyclus sich wiederholt, neue Sori. Die ganze Entwicklung des eingedrungenen Parasiten nimmt etwa 12 — 14 Tage in Anspruch. Die Sori entstehen immer wieder neu durch mehrere Ge- nerationen hindurch. Gegen das Ende der Vegetationsperiode aber bilden sich zahlreiche, den Winter über ruhende Dauer- sporen. In einzelnen Epidermiszellen nämlich erscheinen, an- fangs von Plasmafäden aufgehangen, unregelmässige, kuglige, weisse, undurchsichtige Körper. Sie finden sich zerstreut zwischen den rothen Sori und sie entstehen, indem einzelne Sori sehr langsam wachsen, sich mit Fett füllen und mit einer derben Membran umgeben. Diese Membran besteht aus zwei Sc'hicliten, einer inneren, zarten farblosen und einer äusseren, dunkel gefärbten. Im Frühjahr, wenn diese Dauersporen durch Verwesung des umgebenden Gewebes freigeworden sind, zeigen sie das- selbe Verhalten wie die Sori. Das Exosporium wird unregel- mässig zerrissen, in der heraustretenden Kugel wird der In- halt gleichmässig orangegelb, es entstehen in demselben zahl- reiche Theilungen, die Sporangien, und in diesen wieder die oben beschriebenen Zoosporen. Zu den Eusynchytrien gehören noch Syn. Succisae und Syn. Stellariae, welche im Wesentlichen dieselbe Entwicklung haben wie das beschriebene Synchytrium Taraxaci. Die zweite Gruppe der Synchytrien wird von den Chry- sochytrien gebildet, welche ein rothgelbes oder rein gelb ge- färbtes Protoplasma besitzen und bei denen sich die in die 138 lebpnden Xälirpflanzpn einjipdrun^onen Schwärmsporen sogleich zu Dauersporen ausbilden. Innerhalb derselben entstehen, nach- dem sie im Frühjahr durch Ver\V(»sung der sie umgebenden Gewebetheile frei geworden sind, durch Theilung des Inhaltes zahlreiche Schwärmsporangien. Dahin gehört unter anderen das Synchytrium iMyosotidis auf Myosotis stricta und Litho- spermum arvense, welches auf diesen Ptianzen ganz eigen- thümliche, beutelartige, gelbrothe Knötchen hervorbringt, die durch das Anschwellen und die Erhebung einer einzelnen Epidermiszelle entstehen, in welcher der Parasit sich ange- siedelt hat. Die Arten der dritten Gruppe endlich, der Leucochytrien, zeichnen sich durch ihr rein weisses Protoplasma aus, wäh- rend sie wie die Chrysochytrien ebenfalls sogleich Dauer- sporen ausbilden. Es ist auffallend, dass alle Synchytrien eine einander so ähnliche Entwicklung zeigen, so dass ausser der wechselnden Farbe des Protoplasmas kein scharfes Merkmal sie trennt. Sie verursachen zwar verschieden gestaltete Wucherungen auf den entsprechenden Ptianzen, doch könnte man vermuthen, dass dies füglich nicht eine Eigenthümlichkeit des Parasiten selbst sei, vielmehr in der besonderen Construction der Zivilen des Nährwirthes seinen Grund habe. Es ist daher leicht möglich, dass mit der Zeit verschiedene jetzt von einander getrennte Synchytriumarten vereinigt werden. Impfvorsuche mit verschiedenen Synch. Schwärmsporen auf andere Nähr- pfianzen sind übrigens bis jetzt nicht gelungen. Die Chytridieen, die einfachsten von allen bekannten ve- getabilischen Schmarotzern auf lebenden PHanzen, bilden, wie aus dem Vorhergehenden einleuchtet, eine auffallende Ver- mittlungsstufe zwischen Algen und Pilzen. Ihr«' parasitische Lebensweise und ihr Mangel an Ghlorophyll nähcMt sie den Pilzen, die Abwesenheit des Myceliums und das I^'i^hlen jeder geschlechtlichen Befruchtung stellt sie in die Nähe vieler scliwärmsporenbildenden ralmcUaceen; man könnte sie als eigene Familie in diese Abtheilung der Algen einreihen. So zeigt uns denn die unverkennbare Zwitterstellung dieser merk- wiirdigen, in ihrer F^ntwicklung so typischen Schmarotzer- gebilde aufs N(^uc, dass die menschliche Systematii^ zwar dem 139 Gedächtniss zu Hülfe kommt, dass aber die Natur zwischen Familie, Ordnung und Classe niemals scharfe Grenzen gezogen hat, dass vielmehr alle Gebilde der organischen Welt durch fortwährende Uebergangsglieder mit einander verbunden sind. leber Pilze, welche bei Inseden Krankheiten verursachen. Nachdem das Studium zahlreicher Infectionskrankheiten bei Pflanzen unsere Aufmerksamkeit in so hohem Grade den Pilzen zugewendet hat, nachdem wir letztere als die einzigen directen Urheber der Erkrankung vorher völlig gesunder Ge- wächse erkannt haben, tritt die Frage heran, ob wohl die übrige organische Welt in ähnlicher Weise der Gefahr aus- gesetzt ist, ebenfalls von diesen Parasiten befallen und durch deren Wucherung vernichtet zu werden. Ist dies der Fall, so giebt uns die in den vorhergehenden Kapiteln geschilderte Lebensweise der Pilze die Mittrd an die Hand, auch hier die Art ihres Eindringens und ihrer Vermehrung kennen zu lernen. Und in der That beschränken die Pilze ihre veriieeren- den Wirkungen nicht blos auf die Pflanzen, sondern sie sie- deln sich auch auf Thieren und auf dem Menschen an und sind im Stande, bei denselben ebenfalls eigenthümliche, epi- demische Krankheitserscheinungen, ja deren Tod herbeizu- führen. Die Parasiten ptlanzlich^.r Natur, welche den Menschen befallen, sind nach den bis jetzt vorliegenden Untersuchungen wohl alle den Pilzen, einige vielleicht den niedern Algen, zu- zurechnen. 140 Bpi verschiodenen Krankheitszuständen des menschlichen Haares, der Haut und dor Schleimhäute wurde die Gegenwart von parasitischen Pilzen nachf;ewiesen; es ist dies der Fall bei Pityriasis und Psoriasis, bei Mentagra und Herpes, bei Favus, bei Soor etc. In allen diesen Fällen fand man die Pilze als reich gegliederte Mycelfäden vor, welche in ihre einzelnen Zellen zerfallen; letztere runden sich ab und wach- sen später wieder zu neuen Fäden aus. Die eigentlich typi- schen Fructiticationsorgane sind nicht sicher bekannt; bei Culturversuchen wurden aus den Abschuppungen der krank- haften Stellen von den Einen ganz gewöhnliche Schimmelpilze erzogen; Andere behaupten, dass bei den betreffenden Haut- krankheiten immor nur specifische Pilze thätig seien. Haar- und Hautübel stehen jedoch sehr häufig in Wechsel- beziehung zu einander, so dass erstere auch die Haut krank- haft afficiren, während umgekehrt Abschuppungen der Haut häufig vom Ausfallen der Haare begleitet werden. In solchen Fällen liegt wohl diesen gleichzeitigen oder nach einander auftretenden Erkrankungen ein und derselbe Parasit zu Grunde. Während die oben genannten krankhaften Zustände nur von lokalen Entzündungserscheinungen begleitet sind, wird bei einer in Indien vorkommenden Krankheit, dem sog. Ma- durafuss*), eine tief eingreifende Zerstörung hervorgerufen. I'rsache derselben ist ein Pilz, Chionyplie Carteri, welcher sich in alle \Veichtht'r (lestalt ist, indem er eine kugliire Zelle darstellt, die sich nicht verlängert, sondern nadi Art der Hefe dunh Sprossung vermehrt, Fig. 56 C. Die ro(;hterze|len trennen sich von der Mutterzelle, sie gelangen in diu Fettkörper iiinl indem neue Sprossgencratio- 151 nen erzeugt werden, erfüllen sie bald das ganze Blut, welches sie weiss und trübe machen. Anfangs verräth die Fliege grosse Unruhe, allmählich er- mattet sie und der Tod tritt ein. Die Zellen im Blute der Thiere besitzen verschiedene Gestalten, anfangs sind sie kug- lig, dann findet man ei- und schlauchförmige Gebilde, Fig. 56, D und E. Zellmembran und Inhalt werden sehr leicht vom Wasser zerstört, in dem sonst homogenen Protoplasma werden nämlich grosse Oeltropfen ausgeschieden: dies findet auch bei den späteren Zuständen des Pilzes statt; man muss die Unter- suchung daher stets in einer concentrirteren Flüssigkeit vor- nehmen. In einem gewissen Stadium der Krankheit hören wie oben bei den Raupenpilzen die Sprossungen auf und die Zellen wachsen schlauchförmig an einer oder an zwei Seiten aus. Diese Schläuche sind sehr breit und unregelmässig ge- krümmt; sie zeigen oft Aussackungen und während der eine Schlauch mehr dünn bleibt und zur Wurzelzelle wird, nimmt der andere Keulengestalt an und stellt so das künftige Basi- dium odor die Stielzelle dar, Fig. 56 F, a. Wurzel- und Stiel- zelle trennen sich durch eine Scheidewand. Die Basidie durchbricht nun die Segmenthaut des Hinterlei- bes und schickt sich zur Sporenbildung an, indem ihr oberes Ende eine Aussackung treibt, in welche Plasma überfliesst; diese Aussackung, die künftige Spore, wächst und gliedert sich schliesslich durch eine Scheidewand von der Basidie ab, Fig. 56, F, b und c. So wie dies geschehen ist, bilden sich in dem Basi- dium grosse Vacuolen; das Plasma wird trüb und körnig; die Zelle nimmt immer mehr Feuchtigkeit auf; endlich platzt sie und der rasch herausspritzende Inhalt schleudert die Spore mit grosser Gewalt fort. Es ist dies also ein ähnlicher Vorgang, wie man ihn beim Abschleudern des Sporangiums von Pilobolus beobachtet. Jeder entleerte Schlauch schrumpft sofort zusammen, worauf an seine Stelle ein neuer tritt und derselbe Vorgang sich wiederholt, so dass auf solche Weise dieses eigenthüm- liche Bombardement mit den Sporen an drei Tage lang nach allen Seiten fortdauert und schliesslich der oben erwähnte weiss- staubige Hof rings um die Fliege entsteht. Stets bleibt etwas vom Plasmninhalt des die Spore abwerfenden Schlauches an 152 derselben hängen, wodurch der eigenthüniliche ^lantel gebildet wird, welcher die Spore umgieht, Fig. 56, A. Diese Hülle ist für die Spore seiir vortheilhaft; sie be- günstigt das Anhaften derselben am Fliegenleib, befördert die Keimung und verhindert das Austrocknen; im Wasser zer- geht sie. Jeder Schlauch erzeugt nur eine einzige Spore. Die Keimung derselben in Wasser lindet ganz wie bei den Uredineen und Ustilagineen mit Entwicklung eines Promyce- liums und Abschnüren von Sporidien statt. Sie treiben näm- lich einen sehr kurz bleibenden, dicken Keimschlauch, dessen Ende anschwillt und sich zu einer doren sind hier lang; sie theilen sich in /eilen und in die Endzelle allein Hiesst das Protoplasma des Fadens über, Fig. ;')?, I>. Diese Endzelle verästelt sich iiihI erfüllt den ganzen Körper der Raupe mit dichtem llyphen- geflecht. Die fortwachsenden Enden gelangen ins Blut, ein- zelne /(illen werden abgetrennt, Fig. 57, K und .luf diese Weise füllen sie endlich die l\au|)e vollständig an, welche schliesslich in der Masse des Pilzes erstarrt. Von Anfang an lässl die Raupe durch auffallende Innihe, dann durch immer schwerfälligi'r inul sleifcr werdende Fort- 153 bpwegung erkennen, dass ^^'e vom Pik hpfallen ist: mit der fortschreitendpn Entwicklung desselben prlahmt ancii die Kraft des Tiiieres imm^r mehr: endlich sitzt ps vollständig regungs- los an den Kühlblättern und der Tod ereilt i^s allmählich in dieser Stellung. Fig. 57. Empusa radican». A die Spitzen der reich büscheiig verästelten fructi- ficirenden Hyi'hen, in Sporenbildiing begriffen (300); H reife Sporen (dhO); C Keimung derselben auf Wasser. Bildung von secundären Sporen : D frei- liegendes Hautstöck einer inficirten Ilaupc mit keimenden Sporen, von aussen gesehen : die Keimschläuche sind durch die Haut gedrungen und unter der- selben weiter gewachsen : E abgetrennte Aeste dos Mycels im Blut der Raupe schwimmend. (300); (nach Brefeld.) L)iese l'ilze dienen gleichsam als Ri'guhitoreii für eine üleichmässige Vermehrung zahlreicher Insecten und sie leisten iiii> ofi. indem sie eine Menge dieser häutig bedeutenden Schaden am iclitenden Ihiere vernii-hten, die besten hienste. I rjsere Stubenfliegen werden ikkIi \un einem andern, höchst merkwürdigen IMlz befallen, der erst in neuester Zeit von Karsten*; entdeckt und von ihm unter dem Namen St ig- malomyces muscae näher beschrieben worden ist. Vor Kur- zem liefc-rle {'eyritsch"**) eine sehr eingehende rnleisuchung über diesen Schmarotzer, wobei er ihn Laboiillieiiia muscae nannte w<'Ken seiner vollständigen Aehnlichkeit im ganzen Mal»itus mit Pilzen, welche j^lbin auf lel)enden Käfern gefun- den hatte. Mit der Kenntniss der Fntwicklungsgeschichte von Laboulbenia ist auch ch. in Wien. LXIV. Band. 1871. 157 Käfer Nebria brunnea kannte, aufgeklärt worden; diese Pilz- formen wurden fiüher für Thiere, für Würmer, gehalten oder als krankhafte Wucherangen der Chitinhaut erklärt. Die La- boulbenien bilden eine besondere Gruppe der Pyrenomyceteu; sie bieten in ihrer Entwicklung Eigenthümliohkeiten dar, wie wir sie bei andern Pilzen nirgends wieder antretien. Die Laboulbenia muscae siedelt sieh in Gestalt eines rothbraunen, wolligen Ueberzuges auf dem Thorax, dem Kopf und den Schenkeln der Fliegen an; findet sich aber auch an anderen Stellen der Körperobertläche in einzelnen Gruppen. Der Parasit verbreitet sich während der Begattung von einer Fliege zur andern und daher kommt es, dass die Weibchen besonders am Rücken und Kopfe, die Männchen dagegen an den Beinen mit ihm behaftet sind. Im reifen Zustand unter dem Mikroskop betrachtet, lassen sich an dem Pilz folgende Theile unterscheiden. Zunächst bemerkt man einen langen cylindrischen, zwei- zeiligen Träger, welcher nach unten in ein kurzes Stielchen ausläuft, Fig.58, A, a; die Membran dieses Trägers ist sehr dick und man kann an ihr drei Schichten erkennen; nach aussen eine derbe braun gefärbte, dann eine mittlere, gallertartige, von bedeutendem Durchmesser, endlich eine innerste farblose, welche den Zellinhalt unmittelbar umgiebt. Auf den Träger folgt ein aus vier Zellen bestehendes Fruchtlager, ebenfalls aussen wie der ganze Pilz braun gefärbt, Fig. 58, A, b. Das Perithecium, welches dem Fruchtlager aufsitzt, ist unten bau- chig erweitert, von seiner Basis entspringt eine Anzahl acht Sporen enthaltender Asci, nach oben läuft es in einen ver- schmälerten, zugespitzten Halstheil aus, Fig. 58, A, d, an dessen Spitze die Sporen zur Zeit der Reife hervorkommen. Seitlich, am Ende des Trägers entspringend, befindet sich ein eigen- thümliches zweigartiges Organ, Fig. 58 A, c, bestehend aus einer grösseren Basalzelle und einem gebogenen, mit Spitzen versehenen Theil, dessen Krümmung durch die schief in mehreren Lagen über einander liegenden Zellen hervor- gebracht wird. Die Sporen sind spindelförmig, Fig. 58 B, oft etwas ge- bogen, zweizeilig und farblos, häutig wird eine Anzahl durch Schleim zu rankenförmigen Massen verklebt. Diese Sporen 158 ketiui*'!! s(>i(U*icli und niaii kann ilii' KindriniitMi und ihr wei- teres Verlialton an j»^der mit Laboulbenia behafteter Fliege - beobaohteu, denn es tinden sich auf solchen stets sämnitlifhe Ent- wicklungsstaditMi des Pilzes. Am besten eignen sich hiezu die Fälle, wo die Sporen auf den Flügeln sich festsetzen; man bemerkt dann, wie sie einen kurzen Fortsatz durcli die obere Membran hin- durch treiben, der sich braun färbt und dessen IA^ÖI ^'"^^ kugelförmig au- fliflU schwillt, Fig. 58, C; <]/ es ist derselbe als llaustorium zu be- trachten, während ein eigentliches Mycclium diesem Pilz gänzlich fehlt. Nachdem die •Sporen in dieser Weise Fii;- 58. sich festgesetzt haben, Lu)>()u)bcniu iiiiinchc. A ein vollutäiuliL; reifes • i ^ •„ : i i Exc....,.Ur, u StiH .le. Peritheciun,., ,, i-whi- ' "■''^«» »le Sich gerade lager, c Sciti-mwcig, d Peritlieciuni. im Innern die in hi' lind in der Aici (350); B eine reife Spore; C auf dem Flu- ,.1. ,.,.,,„ /..n,. ..,♦ ♦ i Kel keimende Sporen (:J5o); D erste Tlieilun,^ in "'»''»«''l /^»'H'' »'nfstehen der oberen Zelle der Sj>ore; K weiterentwickelte nUU vior Schwacll ge- ZuBtlnde nuoli di-r lleilicnfolne a, h, e. AnlH^e de« ,,,.;,,.♦,. W-'m,!.. «.:;!, Zweiten (4r.(i): K und (i Zweij: ausgebildet; An- " ^' >' '"l"« , >N '">- laife deii Peritbeciunib, bei F a der Helruciitungs- rend VOn der unteren kßrpcr, «u« der obcrMen Zelle des Per. austretend, /..n,. „,,,. _;,, ^,.,„.^ b kleine Tröpfchen, nn den Endzeilen d.H Zweiges "" ^'" ^'*'"^ biiiKcnd. (3.M0 (nacb Pevritücb) kleines Stück heraus- geschnitten wird, Fig. 58 K, a. Letzteres wird die Uasalzr-lle des Zweiges, während die vii-r oberen Zeilen die Anlage flesselben selbst bilden und durch weit, re Th.'ilung<'ii di«- einzelnen ihn zusaiumensetzendeu 159 Etagen hervorbringen. In den untersten Zellen entstehen zwei Wände, in der vorletzten nur eine und die Endzelle bleibt ungetheilt; gleichzeitig wird das ganze Organ bedeutend zur Seite geschoben, Fig 58 E, b und die letzte Zelle einer jeden Lage mit einer Spitze versehen, Fig. 58 E, e. Indessen ist in der unteren Zelle der Spore die Anlage der zwei Trägerzellen, des Fruchtlagers und des Peritheciums vor sieh gegangen, indem zuerst eine Scheidewand auftrat, dann in jeder der so entstandenen Zellen eine neue. In diesem Zustand sitzt der Zweig bereits ganz auf der Seite, während die eben erwähnten Zellen sich gerade strecken und sehr schnell in die Länge wachsen. Das Fruchtlager kommt durch weitere Theilungen zu Stande und man erkennt in den oberen Zellen bald peripherische, pallisadenartig um centrale Zellen gestellte Zellenreihen, Fig. 58 F. u. G. So bildet sich der Bauch- theil und der Hals des Peritheciums, und sämmtliche Zellen desselben sind in drei Stockwerken über einander gelagert; die pallisadenartigen Zellen werden zur Wand des Peritheciums. Es scheint nun eine Art von Befruchtungsvorgang statt- zufinden, indem aus dem Scheitel der obersten Zelle des künf- tigen Peritheciums eine längliche farblose Protoplasmakugel hervortritt, während an den borstenartigen Spitzen des Zweiges sehr kleine kugelförmige Körperchen ausschwitzen, Fig. 58 F. b. Doch ist eine eigentliche Copulation nicht zu bemerken. Rasch nimmt jetzt der Pilz seine definitive Gestalt und Farbe an. Die obere Zelle der Spore ist also zur Anlage des Zweiges, die untere zu der des Peritheciums bestimmt, dieses selbst kommt aber manchmal in Folge von Abort nicht zu Stande. Eine andere Art von Fortpflanzung als die beschriebene kennt man von der Laboulbenia muscae bis jetzt noch nicht, doch ist es anzunehmen, dass später noch eine conidienfragende Generation für diesen Pilz aufgefunden wird wie bei^^anderen Ascomyceten. Auftauend ist es, dass die Fliegen durch die Anwesenheit des Parasiten durchaus nicht in ihrem Wohl- befinden gestört werden. Während die Empusa die befallenen Thiere rasch tödtet und sich in dem Innern des Körpers der- selben verbreitet, siedelt sich die Laboulbenia nur auf der Oberfläche des Körpers an und die Thiere fliegen trotz des Schmarotzers munter und kräftig umher. 160 Die Rntwickluns: doi- ;nif Nyoreribien und auf Nebria vor- koiniin'udi'n Laboulltenicu ist im ganzen deijeui^t'U von Laboul- benia niuscae ähnlich; bei ersteren sitzt der Seitenzweig sehr tief und erreicht t'jne bedeutende Grösse, bei letzteren ist er ebenfalls sehr lauii und oft gabelförmig getheilt. Kin<'n Pilz, der mit d»M' Entwicklung der Empusa iu einiger Beziehung steht, hat Cohn*) im Körper der gemeinen Wintersaateule, Noctua segetum, entdeckt, welche die Raps- und Roggenfelder in Schlesien verwüstete. Diesem Pilz giebt Cohn den Namen Tarichium megaspermum und die Krankheit h'MSst er schwarze Mnscardine. Bei Tntersuchung einiger Raupen, welche sich in Acker- erde eingebohrt liatten. zeigte sich nämlich, dass die meisten abgestorl)en waren und, statt zu faulen, sich in kohlschwarze trockne Mumien verwandelt hatten. Ihr Inneres war mit schwarzen, schon mit blossem Auge unterscheidbaren Kör- nern angefüllt, welche sich unter dem Mikroscop als unge- wöhnlich grosse, tiefbraune, mit unregelmässigen Furchen be- tleckte Sporen erwiesen, Fig. 5i> IX so dass also die Raupen utfenbar an einer tödtlichen Pilzkrankheit gestorben waren. Nuch lelxMide K;iup(Mi waren matt und unem|)Hndlich, mir zu- nehmender Krankheit färbte sich zuerst der Kopf schwarz, die Schwärzung schritt nach dem After zu fort und nach einge- tretenem Tode besassen die Leichen eine kohlschwarze Farbe. Sie waren sehr zerbrecliljch und bis ;iuf den Darm mit einer schwarzen, //.inderartigen, tr Blut gelangenden !\|y(;(däste ; Tarichiuin niegaspermum durei di^i- alknlioHsclien Gährung geht der Microcoecus durch Anschwellen und Ver- mehrung durch Sprossung in Cryptococcus über, während Artliro- coc«-us bei jeder sauren (iährung, wie Kssig-iMilclisäuregährung etc. entsteht. Letzterer vermehrt sicli (hircli Tlieilung, seine Gestalt ist rundlich vierkantig und das Innere der Zellen zeigt ziemlich grosse, zahlrei<'lic Kerne. Der Microcoecus Ilallier's nun liibjet sich aus den Sporen der vcrsi-hiedensten l'ilze. Sät lu.in /.. M. die Spmin des genieinen l'inselschimnuds, V> iii( illinni ( rustaceum, auf destil- lirtes Wasser, so treiben nur wenige Keimschläuche, welclii- sich äusserst langsam entwickeln, hie meisten Sporen (piellen stark auf. ihr centraler Plasmakern und ilie Membran W(>r- flen sichtbar. Der I'lasinakein zi'rfälJI bald darauf durch Zweitheilung in mehrere Kerne. Diesejh'ii bilden Vacuolen um si<-h und delmi'n die Sporenwand stark aus, s(t dass sie zuletzt gesprengt wird und die Kerne nls äusserst kleine, bei den stärksten V<'rgr(">sserungen deutlich geschwänzte ScIi wär- mer cntlasHcn w^-rden. Sie haben die Gestalt einer Kug^ sich und bilden durch Einschnü- "^9;^°° "cV/^"'-" °°' i'^n? öine Doppelzelle. Diese f'Xd A " 5 • """'l °: TJ Entwicklung nannte Hallier l.epto- "■' " thrix, ein Name, welchen Raben- ■ " /y.'oe".^ c®"^' ® ^ hörst schon für eine Algengattung ^ i ° ©"ö"' e ' -V vv"®® ^ verwendet hatte, wesshalb ersterer f '^i (?^^ ^"'^'^f'Tf' J^^^*' dön Ausdruck Mycothrix da- ^ (^ '^* ° '^^ ^^^^ gewählt hat. Jede einzelne Tochterzelle schnürt sich abermals Fig« 60. ein und so fort, so dass zarte, A. Micrococcus von Penicillium i.. i- 1 tt- ü. j. x u t^- crnstaceum (1500); B. Mycothrix- laughche Ketten entstehen, Flg. Ketten, aus dem Micrococcus auf (JJ B. Es sind dies dieselben Wasser gezogen; C. Hefezellen in r/ m ,, i i • i\t j i i • Heideibeersaft , ans dem Micro- >^ellketten, welche im Mundschleim coccus von Penicillium crust. ent- und als Zahnbeleg in der Mund- standen mit allen Zwischenstadien, i ..i i r • r\ u (nach Hallier.) hohle, ferner im Oesophagus, im Magen und allen Därmen des Menschen in grossen Mengen vorkommen. Hallier schreibt ihnen als Erreger von Zersetzung und Gährung eine wichtige Rolle beim Vordauungsprocess zu. Es gelang Hallier, im Culturapparat, welcher unten be- schrieben werden wird, durch Aussäen von Mycothrix aus dem Munde auf Zuckerwasser, Penicillium daraus zu erziehen. Mycothrix und Micrococcus verlangen einen starken Stick- stoffgehalt in ihrem Nährboden. Im AVasser hört ihre Ent- wicklung, welche auf Kosten ihres eigenen Stickstoffs statt- gefunden hatte, bald auf. Diese Mycothrixformen rechnen Andere unter die Algen und Hallier führt an, dass sie häufig mit Bacterien und Vibrionen verwechselt werden. Mycothrix zeigt nie Bewegung, während die echten Vibrionen stets schlangenartig windend siwh bewegen. Letztere zählt Hallier 168 unter die Oscillarinepn, mit deren RewejxunR sie grosse Aelm- lichkpit liabon. Bactf^rium ist ein sehr unbestimmter Bejjriff: PastPur und Andere verstehen Bnu-hstücke von Mycothrix u. dgl. darunter, nach Hallier sind Ractcrien stets Pil/.ele- mente ohne Bewegung. Mycothrix bildet sich immer an der Luft, niemals im Innern des Substrates, wie der Micrococcus. In stickstoflfarmen, zuckerhaltigen Flüssigkeiten gehen beide in die Hefe der geistigen Gährung, rryptococcus, über. Die Membran schwillt dabei stark auf, es entstehen im Innern Kerne, und man findet in einer solchen Flüssigkeit alle Feber- gänge von Kornh<'fe bis zur fertigen Kugelhefe, Fig. 6l) C. Auch Cryptococcushefe brachte Hallier zum Keimen und zur Entwicklung von Pcnicillium. An der Oberfläche der gährenden Flüssigkeit bleiben die Zellen des Cryptococcus verbunden und bilden das von Andern als besondere Species beschriebene baumartig vei-zweigte llormiscium, Fig. 61 A. Letzteres ist also der Ent- wicklung von Mycothrix vergleichbar, welche Ja an der Luft aus dem Micro- coccus hervorgeht. In .Milch wird, wenn Penicillium- sporen hinein gebracht werden, erst Micnicoccus aus diesen gebildet, wel- ( li'r sich durch Theilung vermehrt und ilarauf, die Milcli in saur<' (^lälirung versetzend, zu d« lu länglich eckiiien Arthrococcus anschwillt, Fig. (il H. An der Oberfläche di'r Milch keimen da- l)riugen, wie Fig. 61. A IIormisciuni!irli(^p ZpIUmi- ßrupiir.niihl'eiiicillimniruRt. jrc|r(.ji (jj,. Sporen iiinl Bu.C. Formen de. Oi-lium '»"'^ "1 .^"blieui hall ailch der ArllirO- dch Arlhrococcuh; in Milch. coccUS fllUt, eine oidiuinarl il,^e Form lier- (n»rli Hallior.) ,.,. ., ,, ' vor, big. ()1 ( . .leder llefearl «•nispiieht also eine Lufimorphe; b'tzfere heissen beiden verschiedenen (lährungen .Mycothrix, llormis- cium und Oidiuni. hie liefen sind anaerophytische Formen ihrer betreffen- den Pilze; Mycothrix, llormiscium und Oidium sind die Feber- gän.'«' in die ;ieht<'i) Lnfiforniiri „Schiinin' 1". wie dies an im obigem Beispiel von Penicilliiim gezpifjt ist. Die Hefen sind die Formen der Gährung und Fäiilniss; Schimmel bezeichnet die Verwesung, die Oxydation. Jede Gährung wird also nach Hallier's Theorie eingeleitet durch den ^licrococcus der Sporen und den sich daraus ent- wickelnden Gebilden. Doch können die Sporen auch direct in die sprossende Form übergehen. Zwischen allen giebt es zahlreiche Mittelstufen und Uebergänge. Achorion Schönleini ist die Oidiumform von Penicillium crustaceum; Hallier hat in zahlreichen Culturen aus Achorion letzteres entwickelt und aus Penicilliumsporen ein zum Favus gehöriges Exanthem auf der Haut hervorgerufen. Die Essigsäurehefe und ihr Keimungsgebilde an der Luft, Mycodprma aceti, verhält sich analog den obigen Hefen. Bei der Butter- und Gerbsäuregährung entsteht nur Micrococcus. Werden die Sporen von Penicillium auf ein breiiges, stickstoffhaltiges und saures Substrat ausgesät, so bildet der entstehende Schimmel sehr grosse Conidien, Macroconidien, aus deren Keimung nach Hallier Mucor racemosus Fres. her- vorgeht. Mucor und Penicillium stünden demnach also im Generationswechsel. Hallier heisst daher das Penicillium die Acrosporen-, den Mucor racemosus dessen aerophytische The- caspoien-Prianze. Die Sporen von Mu(.'or auf stickstoff'freie, nasse ."Materien gesät, z. B. Zuckerwasser, sollen stets nur Penicillium erzeugen. Aus Halliers Hefenlehre gienge hervor, dass jede Hefenzelle, sobald sie aus der gährenden Flüssigkeit herausgenommen und auf einem trockenen Nährbodn sich so ausserordentlich vielfach gestaltet. Jede Pilzform geht in eine andere über, sobald die chemische Beschaffenheit des Nähr- materials sich ändert. Diese Thatsache hat Hallier durch Zusammenstellung der 170 vprschiedenpn Entwicklungen oin/olno]- Pilzo in ganze Vege- tationsroi hon verwertliot. Ausser den boschriebenen Morplien besitzen nämlich nach ihm die Pilze, welche Parasiten des Menschen sind, noch weitere höhere. Sie haben alle eine Ustilagineenform, eine Brandpilzform, welche in der Regel eine Hauptrolle im Ent- wicklungskreis spielt. Die Brandpilze kommen nicht an der [.uft, sondern im Innern der Substrate zur Entwicklung, sie sind also anaerophytische Formen. Wemi der Steinbrand, Tilletia Caries, oder der Staubbrand, Ustilago carbo, z. B. an der Luft keimt, so entstehen niclit wieder die grossen ge- gitterten Brandsporen, sondern eine Form, welche der alten Pilzgattung Cladosporium entspricht. Es sind dies Luftformen mit endständigen Sporenreihen; die Sporen haben meist eine Scheidewand in der Mitte. Diese Cladosporien sind aber im Stande, wenn sie auf sehr nahrhaftem Boden stehen, hö- here Fruclitformen auszubilden, welche lialh'er als Schizo- sporangien bezeichnet. Von andern Forschern werden sie in verschiedene Gattungen und Arten untergebracht und sie bil- den sich auf dif Weise aus, dass die endständigen Sporen ihren Plasmainhalt durch Scheidewände, vielfach theilen. Es ent- stehen dadurch mehrere Kammern, während das Ganze sich mit einem derben Episporium umgiebt. -lede von diesen Kam- mern verliält sich wie eine Spore, kann einen Keimschlauch treiben und Micrococcus entwickeln. Wir haben also jetzt drei weitere Fruchtformen, eine anaerophytische Brandform und die zwei aerophytischen, die Sporenform und das Schizosporangium. Dazu kommt noch eine vierte, weh-he wohl als die hochstehende anzusehen ist, indem sie durch geschlechtliche Befruchtung entsteht. Tilletia Caries gehört nach Ilaliier zur Lnlwicklung des Penicillium crust. Aus den SjMiren i\f^ letzteren soll man im Lolirappa- ral auf steifem Kleister Tilletia erziehen können. I>ic ge- schlechtliche Form des Penicillium aber soll Aclilya prolifera sein (!). Der Staubbrand, l'stilago carbo, hai als eine Entwicklungsforni d'■> Pilzes heranziehen. \on welchen ei- abstamm . Es sind von llallier verschiiulene Culturapparate contruirl worden, welche er für sidclie rntersuchungen angew\a< Endresultat zur Intersuchung v-'\ nach aliwärls gebogene (Hasrohrc; sich 173 befinden. Der Apparat \vi tI vor dem Gebrauche sorgfältig mit absolutem Alkohol gereinigt. Man bringt dann das aus- gekochte oder sonst desinfioirte Xährsubstrat , auf welchem sich etwas von dem zu cultivirenden Krankheitsstoft" befindet, hinein und verschliesst sorgfältig. Pasteur hat nachgewiesen, dass in solche Gefässe die Sporen etc. der atmosphärischen Luft wegen ihrer Schwere nicht gelangen können, während duch ein langsamer Zutritt von Luft stattfindet. In neuerer Zeit construirte Hallier einen Culturapparat, welcher eine fortwährende Beobachtung unter dem Mikroskop gestattet, so dass damit die ganze Entwicklungsgeschichte des Micrococcus festgestellt werden könne. Derselbe ist mit einiger Abänderung folgendermassen zusammengesetzt. Ein Culturgefäss mit ebenem Boden aus sehr reinem Glase steht fortwährend auf dem Objecttisch des Mikroskops. Dasselbe muss möglichst niedrig sein; es besteht aus einer cylindri- schen Glaswanne und ihr Rand ist oben sehr eben geschliffen. In diese Wanne kommt nach vorheriger Desinfection mit Al- kohol etwas destillirtes Wasser, dann wird eine reine Glas- platte aufgekittet, welche mit drei Löchern versehen ist. Das mittlere Loch ist ziemlich gross, auf dasselbe wird ein Deck- glas gelegt, nachdem auf dessen Unterseite ein Tropfen Nährflüssigkeit und dazu ein wenig vom Krankheitsstofl' ge- bracht worden ist. Man lixirt eine Stelle unter dem Mikros- kop, welche man unausgesetzt zu beobachten im Stande ist. Der angewendete Tropfen muss sehr klein sein, weil sonst ganz unvermeidlich das Gesichtsfeld verändert wird. Ueber- haupt ist es mit den grössten Schwierigkeiten verbunden, ein und dieselben Körper bei ihrer Entwicklung fortwährend im Auge zu behalten; bei diesen so sehr kleinen Körpern steigert sich diese Schwierigkeit fast bis zum Unmöglichen. In den zwei andern Oeffnungen der Glasplatte nun wer- den kleine gebogene Glasröhrchen festgekittet. Das eine steht mittelst Kautschuk- und Glasröhre mit einer Wulf sehen Flasche in Verbindung, welche concentrirte Schwefelsäure enthält. Von dieser Schwefelsäure führt eine Verbindung zu einem etwa l'A Fuss langem Rohr, in welchem sich Baum- wolle, die in absolutem Weingeist gelegen hatte, befindet. Das andere Röhrchen des Culturgefässes trägt einen Kaut- 174 schuksclilauch, wolclier mit (Miioni ohfMiso wie obon lior- «r('ri»litf'tntgegnungen de Bary's ist ein um so grösseres Ciewicht beizulegen, als diesem Forscher das grosse Verdienst gebidirt. zuerst in ausgedelintem Maasstabe bei der enlwick- lungsgeschichtliühcn l'ntersuchung der Pilze eine Methode an- gewendet zu haben, welche alle Täuschungen ausschliesst und noiliwendig zu sicheren Ergebnissen fuhren muss. Er verfolgte nendich die Entstehung der Pilze in der Weise, dass er gegen- über den Massenkulturen das Verhalten einer einzigen Spore auf geeignetem Substrat beobachtete und so in den Stand gesetzt war, die Bil(bmg des Myceliums, die etwa auftretende geschlechtliche Befruchtung, endlich die verschiedenen Eort- pllanzungsorgane als ganz bestimmt aus dieser Spore ent- standen zu bezeichnen, (iedenkt man der grossen AVandel- barkeit, des raschen Wachsthums und des eben so raschen Vergehens tler Pilze, welche in ihien verschiedenen Lebens- stadien oft völlig von einander abwei<'hende Formen annelimen, so bietet diese Art (b-r rntersuchung aHein die sichere Ga- rantie der RichtigkcMt. ile Bary ist es ;m( li dadurch gebingen, in vielen (lebieten der Mycologie den Zweifel zu bt>seitigen und Klarh 'it in di(; Beoltachtungen zu bringen. Den Micrococcus, auf widcheii sich ja die gnirze llalliersche Theorie stützt, hat de Bary niclil aultinden kcinnen. DieSchizo- mycretenformen sin unmöglich ist, ergieljt sich nacli 181 de Bary auch daraus, dass man sehr wohl die Verhältnisse kennt, unter welchen die Pilze keimen und wann sie dies nicht thun. Sodann liegt der Hauptbeweis, ob zwei Entwicklungszustände eines Pilzes zusammengehören, jedenfalls nur in der directen Beobachtung des Zusammenhanges der einzelnen Fruchtformen an einem einzigen Mycelfaden. de Bary behauptet aber, dass, da Hallier dies nicht nachweise, dessen Znsammenstellung in Entwicklungsreihen eine ganz willkürliche sei. Und daher komme es auch, dass alle Bemühungen de Bary's und Ande- rer, Hallier's Aussprüche als richtig zu erkennen, zu gegen- theiligen Resultaten geführt haben. Auch ist es nicht immer zu erkennen, obHalliers Micrococcuskörnchen selbstständige kleine Zellen, oder ob sie andere kleine punktförmige Körper sind. Als hauptsächlichsten Angriffspunkt gegen Hallier ersieht sich de Bary dessen Choleratheorie. Man muss nun sofort bekennen, dass dies der allerwundeste Fleck in allen Unter- suchungen Halliers ist. Er lässt sich die Darmausleerungen Cholerakrauker zuschicken; diese haben vielleicht schon eine Zeitlang, bevor sie in eine Flasche gebracht wurden, in dem mit Sporen verunreinigten Krankenzimmer gestanden und überdies unterwirft sie Hallier meist erst nach geraumer Zeit der Un- tersuchung. Muss man nicht einsehen, dass alle möglichen Sporen und Bacterien der Luft ganz gemächlich in dem Unter- suchungsobject sich niederlassen und vermehren konnten? de Bary untersuchte frischen Cholerastuhl, in welchem Bacterien und ähnliche Formen spärlich vorkamen; nach ein- tägigem Stehen aber hatten sie sich massenhaft vermehrt. Ebenso beobachtete er in dem Stuhlgang eines Cholera kran- ken und in dem eines gesunden Menschen das Auftreten solcher Körperchen in gleicher Häufigkeit. Hallier findet in solchen Ausleerungen ausser dem „Mi- crococcus", Cryptococcus, Oidium, Penicillium und sog. Cysten. Er musste folglich nach dem bekannten Entwicklungsgang dieser Pilze dieselben nacli einiger Zeit in seinem Cultur- apparat in frischen Exemplaren wieder erhalten. Denn Cryp- tococcus und Penicillium entwickeln eben nach de Bary wieder Cryptococcus und Penicillium und Nichts weiter. Ebenso hat dieser Forscher auch bei der Keimung von Oidium lactis immer nur den Kcimschlauch und aus diesem die Re- 182 production dorselbon PHanze gesehen. T'nd was die Cysten hctrifft, welche Hallier im Cholerastuhl fand, so sind sie nach de Bary nichts weiter als die von Bail entdeckten Bmtzellen dos Mucor; die runden Körper aber in ihrem Inhalte sind Fctttropfcn und keine Sporen, denn sie zerftillen beim Keimen der Brutzellen. Hallier musste natürlich aus diesen Conidien in seinem Culturapparat auch wieder den typischen Mucor ernten. Wenn nun Hallier alle obigen Formen in einen Genera- tionswechsel stellt und diesen eine Entwicklungsreihc nennt, so hat er nirg.mds den wichtigen Beweis geliefert, dass die betreffenden Pilze wirklich in organischem Zusammenhang mit einander stehen. Auch an den Fadcnondcn des verästelten Myccliums von Pcnicillium glaucum kommen zuweilen thcils endständig, theils interstitiell oder in Pvcihen verbunden, l)lasenförmige Auf- treibungen von tonnen- odnv eiförmiger Gestalt vor, welche wandständiges Protoplasma enthalten. Es sollen dies nach de Bary Hallier's Macroconidien sein, und sie können eben- falls demselben zur Verwechslung Gelegenheit gegeben und zur Annahme von Cysten gedient haben. Die Untersuchungen Anderer haben nicht die von Hallier behauptete Zusammen- gehörigkeit von Penicillium und Mucor ergeben. Von letzte- rem sind vielmehr als FortpHanzungsorgane nur die Sporan- gien mit den Spieren, die Zygosporen und die Gemmen be- kannt. Alle bringen wied(M- ihre Stammpllanze hervor, ohne Mi«;rococcus zu l)ilden. l^^benso ist es mit den (üttcrsporen von Tilletia Caries. Auf Jungen Weizenpllanzen keimen sie, treiben ein PromycM'liuiii hervor, welches Sporidien abschnürt iiiKJ le,tzt(!re entwickeln sich eben nur, wenn sie wie(](M" auf die Weizenpllanze gelangi-ri. hu ainbMii i'^ill sterben sie rasch al» im.r ganz besonderen Umständen d(;r Fall sein. Darum stellt Karst<'n iweissstiicke eine trübe wolkenähnliclie Hülle v(m Batterien bildet, welche rasch an Grösse zunimmt, all- mählich in dem umgebenden Wasser emporsteigt und sich zuletzt in demselben vertheilt, wodurch eine milchige Trübung hervorgerufen wird. Gleichzeitig erkennt man, wie das feste Eiweiss in den Bacterienströmen zu einer schmierigen Sub- stanz sich verHüssigt, endlirh vollständig sich löst und so die Ernährung und Vermehrung der Bacterien vermittelt. Diese Zersetzung des Eiweisses ist aussciiliesslich eine Leistung der vorhandenen Bacterien, bei Abschluss derselben lindet sie nicht statt. Wenn alle assimilirbare Nalirung aufgezehrt ist, so scheiden die Bacterien Intercellularsubstanz aus, ihr vorher beweglicher Zustand wird ruhend und sie häufen sich in Form von Zooglocaklümpchen zusammen, welche sich am Boden absetzen, während das überstehende Wasser wieder völlig klar wird. Cohn vergleicht diesen Process mit der alkoholi- schen Gährung, bei welcher die Hefe ebenfalls in der ausge- gohrenen Flüssigkeit sich zu Boden setzt. Fäulniss ist also eine Spaltung von Eiweissverbindungen, hervorgerufen durch Bacterien. Die Bacterien sind im Stande, sowohl gelöste als feste Eiweissstoftc zu assimiliren, und zwar neiimen sie nach Cohn den Kohlenstoff aus den Kohlcidiydraten, den Stickstoff aber in Form von Ammoniak uikI Salpetersäure auf. In Lösungen von weinsaurem und bernsteinsaurem Ammoniak, von Glycerin und sal]>etersaurem Kali etc. vcrmchrtcMi sich, wie Cohn fand, die Bacterien reichlidi, doch enthielten diese Lösungen noch geringe Mengen von Bhosphorsäure und Sciiwefelsäure, ferner Kali, Kalk und Magnesia. Gewisse Bacterien erzeugen als Spaltungsproducte ihrer Assimilationsthätigkeit bh-iue, gelbe, grüne, rothc etc. Farb- stoffe. So fan. -" y(,p diesen iinterschuMlen werden und D ^' ST; ® •?» Fig. ('.3. crogonidien in ICinsehnürung begrilTcn (8üO); l) Micro- bilden cl)enso ßonidien, sicli tlicilcnd (."iOo). (nach Cohn.) durch Schleim zusam- mengebettete Zoogloeaartige .M assen. Ob ein Ziisammenhang /Avisclieu Bac- tericn und den JMiciogonidien der Crenothrixläden vorbanden ist, nniss aber erst durch künftige Untersuchungen ans Licht gebracht werden. hie Bacteri<'n sind nun luisonders in letzter Zeit bei ver- schiedenen Krankiieiten der .Menschen uinl Thierc als deren Ursache oder wenigstens Begleiter lieobachtet worden. Fiiie der ältesten Entdeckungen dieser Art wurde bei mil/.biand- 203 kranken Thieren gemacht und von Davaine wurde später der Zusammenhang des Milzbrandes mit der Pustula maligna des Menschen nachgewiesen. Sowohl im Blute der Thiere als der Menschen fand derselbe sehr feine einfache Stäbchen, welche gerade waren oder bisweilen an mehreren Stellen gebogen, was auf beginnende Theihmg schliessen lässt. Die Körperchen, von Davaine Bacteridien genannt, waren bewegungslos und sie verschwanden bei beginnender Fäulniss des Blutes, um anderen Bacterien Platz zu machen. Man muss diese faden- förmigen Organismen, deren Zahl in einem Tropfen milzkranken Blutes Millionen nach Davaine betragen kann, für den krank- heitserregenden Ansteckungsstoff halten. Wird solches Blut gesunden Thieren eingeimpft, so lassen sich erst nach 48 Stun- den die Stäbchen im Blut der Geimpften nachweisen und mit ihrem Auftreten zeigen sich dann auch die ersten Symptome der Krankheit, welche mit der äusserst raschen Vermehrung der Parasiten sich steigern und zuletzt den Tod herbeiführen. Davaine's Bacteridien entwickeln sich also im lebenden Thiere und das Blut, welches sie enthält, ist ansteckungsfähig, wo- gegen dasjenige von frisch geimpften Thieren, in dem sie noch nicht vorhanden sind, die Infection nicht vermittelt. Davaine gelang es auch, durch Uebertragung des Inhaltes der Pustula maligna vom Menschen auf Thiere wieder Milzbrand hervorzu- nifen. Eine Betheiligung der Bacterien hndet ferner bei Gan- graena pulmonum und putrider Bronchitis statt. Jaffe und Leyden wiesen sie in den Sputis sowohl als in den erkrank- ten Parthieen in Gestalt von Körnchen, Stäbchen oder wellen- förmig hin und hergewundenen Fädchen nach. In diesem Falle kann man sie aber nicht als die Ursache der Krankheit betrachten; sie finden sich nur in dem abgestorbenem Gewebe und in den stagnirenden Secreten und dienen zur Beförderung der Fäulnissprocesse in denselben. Traube zeigte, dass durch den Cathcter Bacterien in die Harnblase importirt worden, dass sie sich dort vermehren und den Harnblasencatarrh in Eiterung umwandeln. Sie w^andern von der Harnblase aus durch die Ureteren in die Harnkanäl- chen der Niere, wirken auch auf das interstitielle Nierengewebe entzündungserregend und erzeugen so Pyelo-Nephritis, wobe^ 204 zuletzt die ganze Niere mit mehr oder minder grossen Ab- scessen durchsetzt ist. Mycotische Geschwüre wurden ferner von Wald und Keckh'nghausen im Magen bcoliachtct, und Buhl, dann Waldcyer bcscliricben Fälle von parasitären, fu- runivuiösen Darmattectionen, in denen die Bacterien bis in die Blut- und Lymphgefässe eingedrungen waren und sich im Blute als kurze, stäbchenförmige Körporchcn nachweisen Hessen. Nach Waldeyer und Klebs kommen bei der acuten Leber- atrophic ebenfalls Bactcrienhaufcn in den Gallengängcn vor. Klob hat bei Untersuchung der Darmschlcimhaut Cliolera- kranker Gallortmassen aufgefunden, welche die Organisation eim-r Zoogloea zeigten und zahllose, äusserst kleine, längliche oder in der Mitte eingeschnürte Bacterien enthielten, die auch frei sich bewegten. Ob diese Zoogloea die Ursache der Krank- heit ist oder ob sie erst als eine Folge der letzteren sich ent- wickelt, muss durch fernere Experimente festgestellt werden. Ausser bei den bereits angegebenen Infectionskrankheiten ist die schädliche Einwirkung der Bacterien als Krankheits- erreger im menschlichen Organismus bei Pyämic und Scpti- cä,mie von Rindfleisch , Waldeyer unon(len llyiuciiialtlächon. An ihr sind die Sporon traoondon Basi- dion aufgesetzt und sie dun'hhricht, Kammern bildend, den ganzen Fruclitbehälter. Glomeruli, Knäuel, sind die Yielgliedrigen Sporenanhäufungen, wie sie durch succedane köpfchenweise Abschnünmg bei vifden Fadonpilzen, z. B. bei Botrytis, gebildet werden. Gonidien s. Brutzellen. H. Haustorien, Haftorgane, Saugwarzen, sind lappige Aussackungen an den Mycelfüden mancher Pilze, womit sie sich tVst an die Epidermis oder, wenn sie sich in den Intercellular- räumen befinden, an die Zellwände anlegen, diese durch- brechen und in's Innere derselben eindringen. Man unter- scheidet H. exappendiculata, wo die in die Zelle eindrin- gende Saugwarze an der Spitze keulig anschwillt, während bei den II. appendiculatis an der Spitze dieser keuligen Anschwellung noch ein dünner Fortsatz ausgetrieben wird. Die H. lohulata haben viele solcher lappiger Fortsätze. Heteröcische Parasiten s. autöcisclie P. Hylus ist eine Pore oder ein Tüpfel, welcher sicii im Scheitel mancher Sporen findet, und durch welchen der Keimscidauch hervorgetrieben wird. Oft finden sich mehrere solcher Tüpfel auf dem Umkreis der Sporenhaut vertlieilt. Hymenialschichte nennt man die fruchttragende Fläche der Pilze, s. Hymenium. Hymenium, Schlauch- oder Sporenschichte, heisst die Hächen- artigci Ausbreitung dos Pilzkörpers, in welche die Kndver- zweigungen der ilyphen desselben auslaufen. Auf diesen Hypiien entstehen dann entweder Sporenschläuche mit Pa- rai)hysen oder Basidien, aufwelclien die stets ungesc^hlecht- lichen Sporen gebildet werden. Hymenophorum, Schlauchschichtträger (»d"r Sporenscliichtträger, ist der Theil des Fruchtkörpers, welcher die Grundlage für das Hymenium bildet, aber selbst keine Sporen trägt. Hyphae sind die Fäden, aus welchen der Pilzthallus zusammen- gi'St.'lzt ist. Fs sind lange, schlauchförmige Zellen mit Spitzeiiwachslhum, aus einer Zelle oder aus Zellreihen be- stehend. 225 Hyphasma, Flockenmasse, ist Wallroth's Bezeichnungfür Myceliiim. Hypopodlum, Hypostroma, Hypothallus sind Ausdrücke für ein My- celiuni, dessen einzelne Fiiden zu einem Polster vereinigt sind. Es besteht bald aus rundlichen, bald aus langge- streckten Zellen. Hypothecium bezeichnet Woronin die Hyphen, welche die Hy- menialriäche bei Exobasidium Vaccinii bilden. I. Innenhaut s. Endosporium. Involucrum nennt N. V. Esenbeck die Peridie der Phallus-Arteu. K. Keimfaden, Keimschlauch heisst die Ausstülpung der keimenden Sporen in Gestalt einer oder mehrerer Hyphen, welche sich durch Spitzenwachsthum verlängern und, sich verzweigend, zum Mycelium heranwachsen, s. Promycelium. Keimporen sind helle, lichte Flecken auf der Sporenhaut, an welchen die Membran verdünnt ist und durch welche das Austreiben des Keimschlauches stattfindet. Keimung der Pilzsporen findet in viererlei Formen statt: 1. trei- ben sie einen gewöhnlichen Faden aus ; 2. bilden sie einen Vorkeim, der secundäre Sporidien abschnürt; ?>. bilden sie hefeartige Sprossungen; 4. die Spore theilt sich durch Scheidewände und keimt dann erst. Die einzelnen Abthei- lungen solcher Sporen keimen jede für sich direct oder sie bilden noch ein Promycelium. Kranzkörperciien werden die H-förmig sich verbindenden, in einem Wirtel stehenden Sporidien von Tilletia Caries und andern Ustilagineen genannt. Lamellen heissen die stark vorspringenden, dünnen Platten, welche die Unterseite des Hutes bei den Agaricus-Arten auszeicinien. Die äusseren Seiten dieser Lamellen bilden die Hymenialtlächen, auf welchen die Sporen hervorgebracht werden. Die Lamellen verlaufen entweder radial vom Stiele zum Hutrand, oder sie bilden concentrische Kreise, oder sie sind netzartig mit einander verbunden. Loculamenta heissen die Kammern im Innern der Lycoperda- ceen, welche mit den Basidien ausgekleidet sind, an denen die Sporen hervorkummen. 15 '2'2(j Jfl. Macroconidien, audi Macrospuron nennt Hallior die Ijei der Cultiir \un renicilliiini crustaceuni auf sehr slickstoÜVeifliem Boden in der Luft entstehenden grossen Sporen, welche wohl als eine Missbildung" der i;"ewöhnlichen Sporen an- zuseilen sind. Ilallier ist aber der Mcinmiii", dass diireh diese Sporen vAn allniiUdiger Uebergang des i'i'nicilliuni zu Mueor vermittelt werde. Im Innern von Stärkekb'ister sollen diese Macroconidien in die gegitterten Sporen von Tilletia Caries übergehen. Macrosporen s. Macroconidien. Merenchym ist eine Form des Parenchyms; alle Zellen sind einander an Grösse so ziemlich gleich, aber von runder oder ovaler Gestalt. Es entsteht durch unvollständige gegenseitige Berührung der Zellen. Merisporen, Theilsporen. Sie entstellen aus solchen Sporen, welche durch Querwände in eine Reihe von Gliedern ge- t heilt sind, wie es z. B, bei den Sporen in den Ascis von Cordyceps militaris der Fall ist. Mach der EJaculation zerfällt die Spore in ihre einzelnen Abtlieilungen, bildet Theilsporen und jede derselben treibt selbstständig einen Keimschlauch. Microgonidien nennt Karsten sehr kleine, entwicklungsfähige Zellcheii, welche thcils in sich zersetzenden grossen Zellen gebildet werden und dann dem Mierococcus Hallier's ähn- lich sind, oder die auch direct von Mycelium oft in langen lleilien abgeschnürt werden. Microcysten sind die Ruhezustände der Schwärmer der Myxo- myceten. Microstylosporen nennt Woronin die Stylosporen, welche er in den Tyciiiden von Sordaria coprophiia gefunden hat, und welcln^ sich durch ihic besondere KleinhcMt auszeichnen. Mittelsäule s. Gidumella. Monocarpische Pilze, s. P()lycari)ische Pilze. Mycelium. Mit diesem Namen wird das llypIuMigewebe be- zeiclinct, wewirken sie, wenn sie sich auf gesunden Prianzen oder Thieren ansiedeln, eine Desorganisation und scidiessliche Zerstörung der l)etrelfenden Theilc, welche sie befallen. ParaStade heisst die Basis der Peridie bei der Gattung Lyco- perdon, welche nach Zerstörung des oberen sporentragen- den Theiles derselben zurückbleibt. Periderma s. Peridium. Peridiolum heisst die Blase, in welcher bei den Mucorineen die Si)oren gebildet werden, s. Sporangium. Peridium, Uterus, Periderma ist das rundliche, sackartige, im Anfang geschlossene Gehäuse des Fruchtkörpers der Gas- tromyceten. Es ist meist aus mehreren Schichten zu- sammengesetzt, und man unterscheidet P. externum und P. internum. Die innere Peridie ist zart, sie öffnet sich in verschiedener Weise bei der Reife; die äussere ist derb, häulig mit Haaren oder hervortretenden AVarzen und Stacheln besetzt, Periphysen s. Ostiolum. Perithecium — Conceptaculum. Plasmodium heissen die eigonthümlichen, ralimartigen Proto- piasmamassen, aus welchen die Sporciilji'hiilter der Myxo- niycf'tf^n entstehen. Sie zeigen eine kric'cheiide Bewegung. Pleocarpisches Mycelium heisst ein solches, welches perennirt und iiihrlich zu Ix'sfininitcii Zeiten neue l'^ruchtträger cnt- wickcji ; iiKiiioc ;i I |) isc iic s Myceliiim erzeugt solche nur während einer <'inzigen Vogetationsperiode. Derselbe Un- terschied lindet zwischin poiycarpischen und monocarpi- schen Pilzen statt. Pleomorphie. Damit bezeichnet num die Eigenschaft vieler rilze, in mehreren {"'oiinen auftreten zu köimen. \'on diesen l<'ornien mit verscliiedenen Keprodiiclionsorganen ninnnt gewöhidich eine die liöchste Stelle ein und ist meist durcii einen geschlechtlichen N'organg entstanden. Der 229 Uebergang von einer Form in die andere lässt sich meist nachweisen, und häufig ist man im Stande, an ein und demselben Mycelfaden mehrerlei zu einem Pilze gehörige Formgenera zu beobachten. Durch die Entdeckung dieses Polymorphismus der Pilze wurden viele früher getrennt beschriebene Arten in eine einzige vereinigt. Pollinarien s. Cystiden. Pollinodium s, Ascogonium. Polymorphismus = Pleomorphie. Porl kommen häutig auf der Haut der Sporen vor. Es sind Ver- dünnungen der Membran und den Tüpfeln höherer PHanzen vergleichbar. Doch heissen auch die Röhren der Polyporus- und Boletus-Arten Pori (s. Tul)uli). Vgl. auch Keimporen. Primordialkugeln werden von de Bary die durch die Epidermis ins Innere der Nährzellen eingedrungenen Zoosporen von Synchytrium Taraxaüi genannt. Dieselben dehnen sich be- deutend aus und theilen sich schliesslich in zahlreiche Zellen, innerhalb welcher neue Schwärmsporen gebildet werden. Die Primordialkugeln bilden in diesem Zustand also Aggregate von Sporangienhaufen oder sog. Sori. Promycelium, Vorkeim, ist ein Keimschlauch mit begrenztem liängenwachsthum. Er assimilirt nicht; zu seiner Entwick- lung wird der Inhalt der Spore verwendet. Er schnürt secundäre Sporen, Sporidien, ab, welche dann atrf gewöhn- liche Art keimen. Propagations-Organe nennt man solche, welche blos der Ver- meliiung und grösseren Verbreitung eines Pilzes auf un- geschlechtlichem Wege dienen, während Fructihcutions- organe die bei der geschlechtlichen FortpHanzung auf- tretenden genannt werden. Pseudoparenchym licisst de Bary das dem gewöhnlichen Paren- chym ähnliche Gewebe der Pilze. Es entsteht aus den Zellfäden, woraus ja alles Pilzgewebe gebildet ist," durch Ausdehnung und Verschiebung derselben. Dasselbe bildet besonders die Oberfläche grösserer Pilze. Pseudoperidie s. Paraphysenhülle. Pseudopodien heissen die Plasmaforfsätze, welche die Schwär- mer der Myxomycctcn l)ei ijirer Bewegung ausschieben und einziehen. 230 Pycniden nennt man die auf dem Mycel von Pyrenomyceten, sowie auch bei einigen nur wenigen Flechten vorkommen- den Fruchthehälter, wch-he in ihrem Innern auf stielförmi- gen Basidien Sporen, sog. Stylosporen, erzeugen, de Bary hat nachgewiesen, dass bei den Erysipheen die früher ebenfalls für eine besondere Fruchtform derselben gehalte- nen Pycniden nicht zum Entwicklungskreis dieser Familie gehören, sondern dass sie hier von einem im Innern des Mycels wuchernden zweiten Parasiten, dem Cicinnobolus, gebildet werden. Auch bei den Flechten werden sie wohl besser als Spermogonicn bezeichnet. Pyrenien =^ Conccptacula. R. Receptaculum, Thalamium, Fruchtboden, hcisst derjenige Theil liölierer Pilze, welcher, aus einer engen Vereinigung von llyphen bestehend, die FortpHanzungsorgane trägt. Rhizinen, Haftfasern, dringen, zarten Wurzelspitzen ähnlicli, in den Nährboden und vermitteln die Aufnahme der Nah- rungsstoffe. Rissstelle bezeichnet einen Punkt oder ein Streifchen im Scheitel des Ascus, wo die Membran weniger dicht und dehnbar ist, so dass sie hier, oft in Gestalt eines Deckels, zerrissen wird, worauf dann durch die OeflPnung die Spo- ren mit einem Theil des Protoplasmas hervorschnellen. Saprophyten, Fäulnissbewolmer, nennt de Bary solche Pilze, welciie sich auf leblos\ährsubstrat, Ix'i üppiger Ent- wicklung treten aber auch zahlreiche Zweige desselben hervor und es entsteht dann ein reich sich verzweigendes Gewirr von Fäden, welches de Bary Luftmycelium genajmt hat. Hauptsächlich unterscheiden sich die Conidienträger von Aspergillus dadurch von (b'iuMi des Penicillium. dass die Fruchtliyphen. welche sich aus di-m I H. Die vollständig reifen, leicht verstäuben. BicfcM. B